"Zeit Magazin" Helmut Schmidt beklagt fehlende Twitter-Kultur

Das Internet führt zu positiven Veränderungen, sagt Helmut Schmidt in einem Interview mit dem "Zeit Magazin". Der Altkanzler beklagt, dass das Netz auch zu schnellen, oberflächlichen Reaktionen verleite: "Ich empfinde es als bedrohlich."
Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (im Dezember 2011): "Nee, nee"

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (im Dezember 2011): "Nee, nee"

Foto: dapd

Hamburg - Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt empfindet das Internet als "bedrohlich". Das sagte der 93-Jährige dem am Donnerstag erscheinenden "Zeit Magazin". Das Internet gehöre kaum zu seiner Welt, er empfinde es als bedrohlich, es habe aber Zukunft und führe "unbestreitbar auch zu positiven Veränderungen".

Das betreffe Kulturen in der ganzen Welt. "Wenn Sie zum Beispiel im Mittleren Osten oder im Maghreb [...] junge Leute mit einem Handy ausstatten, dann wird das im Laufe einer einzigen Generation dazu führen, dass die Frauen sich nicht mehr zwangsverheiraten lassen und die Mädchen nicht mehr beschnitten werden", so Schmidt im Interview mit dem "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Das Internet verleite aber auch zu einer "Oberflächlichkeit [...], zu spontanen Reaktionen, hinter denen kein langes Nachdenken steckt: Ich habe etwas gelesen, und sofort twittere ich dagegen oder darüber, und dann womöglich auch noch in falscher Grammatik". Die elektronischen Medien führten unter anderem dazu, dass die Qualität der Mitteilung abnehme.

Da macht Schmidt nicht mit: In dem Interview ist zu erfahren, dass er schon immer die briefliche Schriftform bevorzugt habe, kein Handy besitzt und die Menge der eintreffenden E-Mails nicht mehr übersehen könne. Neugierig auf seine Facebook-Seite mit mehr als 40.000 Fans ist er nach eigenen Angaben nicht.

ore