Hilfsmittel für Misanthropen Wo man in dieser WWWelt noch für sich ist

Wenn einem die Menschen auf den Geist gehen, zieht man sich zurück. Im Internet ist das allerdings unmöglich. Wirklich? Gerade das Netz bietet hervorragende Mittel, sich eine Auszeit zu gönnen - von der Gesellschaft, dem Netz, den Menschen. Eine Anleitung zum Abtauchen.
Menschenfreude in der Strandbar: Einsamkeit ist im Netz ebenso rar wie beim "Ballermann"

Menschenfreude in der Strandbar: Einsamkeit ist im Netz ebenso rar wie beim "Ballermann"

Foto: Horst Ossinger/ picture-alliance/ dpa

Internet

sozialen Netzwerke

Menschen sind eine Zumutung, besonders im . War das Internet früher ein idyllischer Rückzugsort für Kenner, gleicht es jetzt eher einem überfüllten Freizeitpark. Es lärmen und rauschen die Menschen durch die , treiben unkontrolliert schon Stunden vor Ablauf der Online-Auktion den Preis in die Höhe, machen soziale Radiodienste mit ihrem schlechten Musikgeschmack unhörbar, zwingen offenen Enzyklopädien Detailwissen zu ihrem Kleingartenverein auf oder bewerben ihre abstruse Hobbytheorie zur Quantenmechanik. Sie werden Spammern und Internetbetrügern noch in hundert Jahren ein blühendes Geschäft bereiten und immer noch E-Mails mit fünfzig Adressen samt Klarnamen im CC-Feld verschicken. Selbstbeherrschung?

Die Hölle, das sind die anderen im Internet. Ganz normale Menschen! Denn auch wenn an anderer Stelle Sascha Lobo in feiner Selbsterkenntnis das Lied der Idioten singt (oder muss es heißen: den Idioten?): Nicht Idiotensicherheit ist die erste Tugend alles Digitalen, sondern digitale Idiotie jedes Menschen erste Tugend.

Facebook

Er klickt "Gefällt mir!" und fällt so zum zehnten Mal auf die sozialen Würmer bei herein. Sie klickt "Einladen!" Und gibt einer Website, von der wir nichts wissen wollen unsere private E-Mail-Adresse preis - damit sie uns mit noch mehr "Einladungen" und "Speziellen Angeboten" bombardieren kann. Der normale Mensch, wenn er mal bei uns zu Gast ist, will "nur mal ganz kurz" an unseren Computer, um im Webmail-Programm nach dem Rechten ("und den Links") zu schauen - also Farmville-Nachrichten aus dem Posteingang zu löschen.

Das Internet ist voller ganz normaler Menschen, kein Grund für Überheblichkeit. Doch was tut man, wenn man die Nase voll hat von Leuten, die unsere Freunde und Freundesfreunde per Facebook wissen lassen, was wir wann gerne tun, wohin wir mit wem gerne gehen und warum wir manchmal wie entscheiden. Was tun, wenn es einem reicht mit sozialen Netzwerken, sozialen Web-Radios und der angeblichen Weisheit der Masse: Man entzieht sich.

Einsamkeit, Ruhe, Rückzug: Was es dafür braucht, ist antisoziale Software, ein Anti-Facebook, den großen Offline-Schalter. SPIEGEL ONLINE zeigt Ihnen auf den nächsten Seiten, wie sie mit Netzhilfsmitteln ihre Mitmenschen umgehen - und endlich einmal befreit durchatmen können.

Echter Entzug per Tunnel

Manchmal will man einfach nur weit weg sein - so weit weg, wie möglich. Und das ist auf der gegenüberliegenden Seite des Globus. Das Freemaps-Tool "Tunnel to the other side of the Earth"  ist das perfekte Werkzeug dafür. Es zeigt für jeden Punkt der Erde den entsprechenden Punkt auf der anderen Seite des Globus an. Die einen verwenden das, um die Erde in ein Erd-Sandwich zu verwandeln, die anderen, um sich, ihren Feind/Arbeitsplatz/Sitznachbar im Theater dorthin zu wünschen.

Der ideale Zeitpunkt für einen Museumsbesuch

Menschenschlangen sind hässlich und gefährlich, überfüllte Museen gefährlich und hässlich. Aber man will nun mal hin und wieder dorthin. Ein Vertreter der noch recht neuen Software-Gattung der Antisozialen Programme löst diese Probleme - in dem er die schwächsten Besuchertage jedes Londoner Museums anhand von Foursquare-Mitteilungen vorhersagt .

Rauschen gegen die Menschheit

Wer am Arbeitsplatz die Kollegen, in der Wohnung die Nachbarn, im Café den Trottel am Nebentisch und auf hoher See eben jene nicht mehr hören kann, sollte ein Lesezeichen bei Simply Noise setzen . Die Website bietet tolles Rauschen in allerlei Formen und Farben. Und dieses Rauschen ist magisch: Es übertönt alles und jeden - und wird nach kurzer Gewöhnungszeit doch selbst unhörbar. Wirklich, wirklich praktisch!

Antisoziales Netzwerken

twatter.com

twatter.com

MySpace

StudiVz

Facebook, , sind manchmal wie die Pest - aber eine, die leider Spaß macht. Dass es anders geht, zeigen all jene Versuche, ein antisoziales Netzwerken zu verwirklichen:

Finger weg von meinem Computer

Wie hält man Mitmenschen von seinem Computer fern? Makeuseof-Autorin Tina zeigt es uns: Ein Desktop ohne Icons, ein seltsames Interface, keine Taskbar, komische Symbole und ein Laptop-Alarm für besonders hartnäckige Fälle.

Wie man den Ex-Partner umgeht

Avoidr.org  ist ein Webdienst, der das (eigentlich) soziale Netzwerk von Foursquare ausnutzt, um Ausgehwarnungen ausgeben zu können. Solange der Ex-Partner, der Chef, der ungeliebte Freund via Foursquare seine Aufenthaltsorte preisgibt, kann Avoidr dazu beitragen, genau diese Orte zu umgehen. "Avoidr: Halte deine Freunde nah und deine Feinde in der Bar, die Straße herunter."

Wie man Menschen los wird

Erstaunlich ist die Anzahl der Online-Anleitungen, wie man nervige Leute wieder los wird , wie man Kollegen meidet, Freunde isoliert und Menschen mit Mundgeruch, einem Krümel im Gesicht oder einer lächerlichen Frisur signalisiert, sich zu ändern oder abzuwandern. Wollen auch Sie wissen, wie man dieses oder jenes vermeidet? Google ist unglaublich hilfreich .

Mit Bastelkraft gegen soziale Wärme

Wenn alles nichts hilft, dann hilft nur rohe Bastelgewalt.

Wenn Bastler grantig werden, dann entwerfen sie Übel-Hardware wie den Universal-Fernseh-Ausschalter TV-B-Gone  oder Mini-Störsender  (verboten in Deutschland), die den Mobilfunk-Verkehr in ihrer Umgebung unterbrechen.

Das Feld ist groß: In Großbritannien wird eine Smartphone-App angeboten, die vor "unsozialen Gegenden" warnt  (oder diese empfiehlt, je nachdem), auf der Healthmap werden Regionen markiert, in denen gerade schwere Krankheiten grassieren  und die Flood Map zeigt an, wo der steigende Meeresspiegel zuerst einrauschen wird .

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