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Hintergrundbilder bei Google: Eine Fototapete für die Suchmaschine

Hintergrundbilder auf der Homepage Bei Google hat es Bing gemacht

Plötzlich war die Homepage bunt: Um Werbung für eine neue Funktion zu machen, schmückte Google sich am Donnerstag mit wechselnden Fotos. Weil man versäumte, die Anwender darüber zu informieren, hagelte es Kritik, die PR-Aktion musste abgebrochen werden. Wie es richtig geht, zeigt Konkurrent Microsoft.

Mal abgesehen von den riesigen Server-Farmen, den Millionen indexierter Seiten und der enormen Fülle an kostenlosen Web-Diensten gibt es vor allem eines, was Google ausmacht: die schlichte Gestaltung der Angebote. Minimalistischer als Googles Startseite kann man ein Web-Portal nicht gestalten. Wer in seinen Webbrowser www.google.de  eingibt bekommt eine weiße Seite mit dem bekannten bunten Google-Logo, einem Texteingabefeld für Suchanfrage und zwei Schaltflächen angezeigt. Bis Donnerstag jedenfalls. Wer am Donnerstag Google ansteuerte, bekam etwas ganz anderes zu sehen, eine Google-Seite, die von einem bunten Hintergrundbild geschmückt wurde - oder verunziert, je nach Geschmack.

Die plötzliche Änderung der meistgeklickten Seite im Internet sorgte am Donnerstag für reichlich Verwirrung im Netz. Denn eigentlich ist die Seite so schlicht und einfach, dass selbst der unbedarfteste Web-Neuling begreift, wie man damit umgeht. Sie ist so simpel, dass vor allem Netz-Neulinge Google als Startseite einstellen, weil sie Web-Adressen nicht als Links anlegen, sondern jedes Mal bei Google eingeben, wo sie hin wollen, um dann auf das Suchergebnis klicken. Als Google am Donnerstag plötzlich anders aussah, war die Verwirrung groß.

Wie viele Supportanfragen das von der Suchmaschine automatisch hinterlegte Bild auslöste, ist bislang nicht bekannt - die Zahl dürfte aber gewaltig sein. Als Google vor einigen Wochen das 30. Pac-Man-Jubiläum mit einem Pac-Man-Spiel feierte, das in die Suchseite eingebunden war, sorgte schon dessen automatisch eingeblendeter Soundtrack für so viel Irritation, dass beispielsweise der Mozilla-Support der Anfragen nicht mehr Herr wurde. Ein YouTube-Soundtrack  dokumentiert wunderbar, wie sehr Googles Feier-Spiel unbedarfte User durcheinanderbrachte.

"Uns ist ein Hintergrundbild abhanden gekommen"

Bildhintergründe auf der Suchseite waren bisher das Markenzeichen von Bing , Microsofts Gegenentwurf zu Googles Suchmaschine. Vertreter des Windows-Konzerns nahmen Googles PR-Aktion am Donnerstag allerdings mit einer guten Portion Humor. Der britische Microsoft-Manager Ashley Highfield kommentiert den neuen Google-Look mit der Bemerkung Imitation sei die aufrichtigste Form eines Kompliments und schrieb bei Twitter: "eine bestimmte Suchmaschine hat dasselbe Bild (ein Tulpenfeld) verwendet, das man auf Bing vor langer Zeit sehen konnte". Einen besonderen Spaß machte sich der Autor des offiziellen Twitter-Feeds von Microsoft Europe, als er schrieb: " Uns ist ein Hintergrundbild abhanden gekommen. Falls Sie es finden, geben Sie es bitte an bing.com zurück ;-) ".

Die plötzlich bei Google auftauchenden Hintergrundbilder dürften kaum andere Reaktionen ausgelöst haben. Nicht nur, weil sie so plötzlich und unangekündigt da waren und im Stundentakt ausgewechselt wurden, ohne dass man daran etwas hätte ändern können. Wer am Donnerstag Google nutzte, wurde zwangsweise Zeuge einer Bildshow. Eine Möglichkeit, die Funktion abzuschalten gab es ebenso wenig wie eine Erklärung für den ungewohnten Seitenschmuck.

Das sei einem Bug zuzuschreiben gewesen, erklärte Google-Managerin Marissa Mayer . Eigentlich hätte auf der Seite ein Link zu einem erklärenden Text stehen sollen, der aber aus nicht genannten Gründen fehlte. Was darin hätte stehen sollen erklärte Mayer ebenfalls. Demnach sollte die Einstellung, dass jeder Google-Nutzer die wechselnden Hintergründe automatisch zu sehen bekommt, nur für einen Tag aktiv sein. Offensichtlich war die Bilderparade nur als Werbeaktion für die neue Funktion gedacht.

"Haben die denn keine Ahnung?"

Mittlerweile kann man als Google-Nutzer selbst entscheiden, ob und welche Hintergrundbilder man auf seiner Suchseite sehen möchte. Eine entsprechende Option "Hintergrund ändern", ist unten links auf der Seite platziert. Wer so etwas mag, hat die Wahl zwischen vorgegebenen Bildern oder kann eigene aus Googles Fotodienst Picasa oder direkt vom Desktop aus hochladen. Die Bilderautomatik jedenfalls hatte Google nach den aufbrandenden Protesten schneller wieder abgeschaltet als geplant, bestätigte Mayer noch am Donnerstag.

Dass die farbenfrohen Hintergründe auf so massive Kritik stießen, dürfte aber nicht nur an den fehlenden Informationen über die Aktion gelegen haben. Auch Auswahl und Platzierung der Bilder könnten eine Rolle gespielt haben. Cnet-Autor Chris Matyszczyk jedenfalls hat die Google-Backgrounds von einer Art-Direktorin beurteilen lassen  - und deren Urteil fiel vernichtend aus. "Haben die denn keine Ahnung?", war noch eine ihrer einfühlsamsten Bemerkungen. Allen Beispielbildern, die ihr gezeigt wurden, attestierte die Profi-Gestalterin Designfehler und mangelnde Lesbarkeit der Schrift.

Bing macht's besser

Dass es auch anders geht macht ausgerechnet Microsofts Bing dem großen Vorbild Google schon seit langem vor. Dort werden die im Tagesrhythmus wechselnden Bilder nicht einfach nach dem Zufallsprinzip aus einer Datenbank ausgewählt, sondern ganz offensichtlich bewusst und redaktionell bearbeitet. So sind die Bing-Fotos stets so geschnitten, dass das Menü der Suchmaschine in einen Bildbereich fällt, in dem wenige Details von der Schrift ablenken und die Lesbarkeit stören können. Dazu ist der Menübereich stets leicht farblich abgesetzt, so dass er sich deutlich vom Hintergrund abhebt.

Microsoft-Mitarbeiter definieren jeden Tag mehrere Hotspots, kleine Felder auf dem Hintergrundbild, die weiterführende Informationen zu dem vermitteln, was man da sieht. Am Freitag etwa wird dort ein Bild zur Eröffnung der Fußball-WM gezeigt, von dem aus man beispielsweise zu den Mannschaftsaufstellungen der WM-Teams, oder zu einem Text über den Fußballkrieg zwischen El Salvador und Honduras  von 1969 kommt. Leider sind diese redaktionell aufbereiteten Extras bisher nur auf der amerikanische Bing-Seite zu sehen. Deren deutschem Pendant fehlen derartige Goodies noch, aber die deutsche Bing-Version ist seit ihrer Einführung im Juni 2009 immer noch als Beta-Version gekennzeichnet - ein Attribut, das normalerweise bezeichnend für neue Google-Dienste ist.

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