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06. November 2015, 16:02 Uhr

Instagram-Star

Barbie knipst ihr letztes Selfie

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Sie hatte ein scheinbar perfektes Leben: Monatelang machte sich auf Instagram eine Barbiepuppe über Hipster und Selbstdarsteller lustig. Nun soll sie für immer offline gehen - die Arbeit sei getan.

Einer ihrer letzten Schnappschüsse sind schwarze Stiefeletten im Herbstlaub. "Ich musste alle paar Meter anhalten, um meine Füße zu fotografieren!", schreibt Barbie auf der Foto-Plattform Instagram. Die Fotos der Barbiepuppe parodieren Hipster, die sich im Netz als makellose Glückspilze inszenieren. Auf den ersten Blick könnten die Bilder wirklich von einer jungen Frau stammen - wer näher hinschaut merkt aber, dass die Hauptfigur eine Puppe ist. Mehr als eine Million Fans folgen der "SocalityBarbie".

Monatelang ist die die Fotografin hinter der Socality-Barbie, Darby Cisneros, anonym geblieben. Nun hat sich sie sich mit einem Selfie zu Wort gemeldet - und angekündigt, das Projekt zu beenden. Neue Fotos von Barbie wird es nicht mehr geben, der Account solle nur noch eine Weile online bleiben.

"Ich glaube, die Arbeit ist getan", kommentiert Cisneros ihr Abschiedsfoto. "Nie in einer Million Jahren hätte ich gedacht, dass das Projekt so viel Aufmerksamkeit erhält." Ihre Barbie hat Instagram den Spiegel vorgehalten: Sie ist mit Wollmütze und Hornbrille durch den Wald spaziert, hat mal ihren Espresso fotografiert, mal ihre nackten Plastikbeine im Badeschaum. Ihre Bilder sind mit phrasenhaften Hashtags wie #liveauthentic ("Lebe authentisch!") und #exploreeverything ("Erforsche alles!") versehen.

"Barbie hat die Tür für Diskussionen geöffnet", resümiert Cisneros. Die Nutzer hätten hinterfragt, was authentisch ist - und mit wie viel Zeitaufwand sie ein schier perfektes Leben auf Instagram erschaffen. Tatsächlich scheinen sich einige von Cisneros' Barbie ertappt zu fühlen. So bekennt eine Nutzerin in der Kommentarspalte zu einem Barbie-Foto: "Das bin im Grunde genommen ich." Andere empfehlen die Bilder ihren Freunden weiter - und schreiben dazu Dinge wie: "Na, kommt dir das bekannt vor?" oder: "Sieht aus, als bekommst du Konkurrenz!"

Barbies Ausstieg aus Instagram kommt zu einem passenden Zeitpunkt: Kurz zuvor hat auch die australische Instagram-Nutzerin Essena O'Neill die Plattform verlassen. Fotos unter anderem im Bikini und im kurzen Kleid brachten der 19-Jährigen eine halbe Million Fans. Nun sind ihre Bilder offline - und O'Neill hat eine Kampagne gegen Selbstdarstellung in den sozialen Medien gestartet.

Die sozialen Medien hätten ihr die Luft zum Atmen genommen, schreibt O'Neill auf ihrer neuen Website: "Ich habe Stunden damit verbracht, mir das perfekte Leben von anderen anzuschauen. Und mich abgemüht, mein eigenes Leben genauso gut aussehen zu lassen."

Den Trend zur Selbstdarstellung parodiert eine weitere Instagram-Schönheit: "Regina" heißt die Figur der polnischen Illustratorin Katarzyna Witerscheim, die nun mit freizügigen Bildern auf sich aufmerksam macht. Wie die Socality-Barbie ist auch Regina keine echte Person, sondern eine Kunstfigur: Ihre Selfies sind im Comic-Stil gezeichnet, ihre Geschichten übers Verliebtsein und über die jüngste Halloweenparty frei erfunden.

Regina wirke auf den ersten Blick wie der Stereotyp eines dummen Mädchens, erklärt Witerscheim dem Online-Magazin "The Daily Dot". Sie trägt pinke Highheels mit Herzchenmuster, fotografiert sich mit Schmollmund vor dem Spiegel. Aber die Künstlerin will es dabei nicht belassen.

Witerscheim will Regina weiter entwickeln, sie mit den Nutzern ins Gespräch kommen lassen. "Mit der Zeit sollen die Leute merken, dass sie ein cooles Mädchen ist - und gar nicht so dumm", verspricht Witerscheim. Wie es genau mit Regina weitergeht, wolle sie von den Kommentaren der Fans abhängig machen. Gut möglich also, dass Regina genau wie Socality-Barbie ihre Haltung zu sozialen Netzwerken noch einmal überdenkt.

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