Hollywood Moral-Kampagne gegen Datenräuber

Amerikas Filmstudios verschärfen ihre PR-Offensive gegen Nutzer, die sich Filme aus dem Internet herunterladen. Zum ersten Mal wird eine US-Kinokette landesweit Werbespots zeigen, die das Kopieren als Diebstahl brandmarkt, der Tausende Arbeitsplätze gefährde.


"Es geht nicht nur im Bonzen": Die Studios tragen ihre Anti-Kopier-Initiative in den Kinosaal
DPA

"Es geht nicht nur im Bonzen": Die Studios tragen ihre Anti-Kopier-Initiative in den Kinosaal

Aspen/Los Angeles - Peter Chernin, President des Medienunternehmens News Corporation, hat die Spot-Kampagne am Dienstagabend beim alljährlichen Gipfel der Hollywood-Eliten in Aspen, Colorado, angekündigt. Zugleich werde man mit denselben Spots im Fernsehen und auf Videos und DVDs vor den ökonomischen Gefahren der Filmraubkopien warnen. News Corp. ist das Mutterunternehmen des Hollywood-Studios 20th Century Fox, zu dessen wichtigsten Veröffentlichungen in diesem Jahr die neue Star Wars-Episode und der Steven-Spielberg-Film Minority Report gehören. Chernin sagte zunächst nicht, welche Kinokette die Spots zeigen werde und wann die Kampagne beginnen werde.

Den ersten Angaben zufolge soll die Werbekampagne herausstellen, wie sehr normale Angestellte der Filmstudios durch das Raubkopieren geschädigt würden. Wer sich eine Filmdatei in Internet herunterlade, anstatt sich eine Kinokarte oder ein Video zu kaufen, gefährde Arbeitsplätze und Einkommen von Maskenbildnern, Kino-Platzanweisern und anderen Mitarbeitern hinter den Kulissen, so die Botschaft. "Es dreht sich nicht nur um Studio-Bonzen aus Hollywood. Es geht um die Existenz vieler Menschen", sagte Chernin.

Chernin betonte, auch normale Filmliebhaber würden die Folgen des Filmkopierens im Internet spüren, sobald sich die Einnahmeausfälle bei den Kinos deutlich bemerkbar machen. Die Lichtspielhäuser würden dann weniger investieren und auf Komfort verzichten.

Nach Angaben von John Malcolm von der US-Bundesstaatsanwaltschaft werden inzwischen 500.000 Filme pro Tag von Nutzern aus dem Internet heruntergeladen. Das Web sei so zur "größten Kopierwerkstatt der Welt" geworden. Studiomanager Chernin weist darauf hin, dass allein am Wochenende nach ihrer Premiere vier Millionen Nutzer Kopien der Filme Star Wars und Spider-Man erfolgreich heruntergeladen hätten. "Diebstahl ist Diebstahl ist Diebstahl. Es hat vier Jahre gedauert, die Filme zu drehen, und vier Mausklicks, sie zu stehlen. Wenn Plünderer vier Millionen Kleider bei Wal-Mart rauben würden, gäbe es einen nationalen Aufschrei".

Die Filmliebhaber selbst und auch manche unabhängige Experten sind naturgemäß weniger radikal in ihrem Urteil. Sie weisen darauf hin, dass nicht jeder Nutzer, der sich Filmkopien aus dem Internet zieht, deswegen seltener ins Kino geht oder weniger Videos oder DVDs kauft.



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