Deutschland im Homeoffice Internetnutzung nimmt drastisch zu

Die Ausgangsbeschränkungen machen deutlich, wie essenziell das Internet für das Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Vor allem für die Kommunikation ist das Netz unerlässlich - das zeigen aktuelle Zahlen zum Datenverkehr.
Videochat der Enkel mit den Großeltern: Auch das ist eine Videokonferenz

Videochat der Enkel mit den Großeltern: Auch das ist eine Videokonferenz

Foto: Cabalar/EPA-EFE/Shutterstock

Die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice und die Schließung von Schulen und Universitäten macht sich immer deutlicher im Internet bemerkbar. Allein in der vergangenen Woche hat sich der durch Videokonferenzen verursachte Datenverkehr am weltgrößten Internetknoten in Frankfurt am Main verdoppelt, meldet die Betreiberfirma DE-CIX. Programme wie Skype, Teams und Webex sind derzeit die Kommunikationskanäle, über die sich Kollegen absprechen, Freunde und Familienmitglieder über ihre Situation austauschen.

Ganz ähnlich sieht es mit dem Zeitvertreib aus, der sich zusehends von der realen in die virtuelle Welt verlagert. So hat sich DE-CIX zufolge die Zahl der Nutzer von Online- und Cloud-Gaming-Plattformen im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt. Wer sich nicht physisch mit Freunden treffen darf, verabredet sich mit ihnen offenbar immer öfter zum Onlinespielen.

Facebook unter Leistungsdruck

Auch die Nutzung sozialer Netzwerke hat sich im Vergleich zu vor der Coronakrise erheblich erhöht. Facebook etwa meldet, dass die Nutzung seiner Messaging-Dienste Messenger und WhatsApp um 50 Prozent gestiegen  sei. Die Verweildauer in Gruppentelefonaten soll sogar um 1000 Prozent länger sein als zuvor.

Bei Facebook bemühe man sich nun, dass "die Apps schnell, stabil und zuverlässig" liefen, heißt es. Dies sei aber aus verschiedenen Gründen schwierig. So habe man sich auf die erhöhte Nutzung im Zuge der aktuellen Krise nicht vorbereiten können, wie man es sonst etwa für Olympische Spiele tun würde. Zudem sei die Situation besonders herausfordernd, weil auch bei Facebook viele Mitarbeiter vom Homeoffice aus arbeiteten. Um auf Nutzungsspitzen reagieren zu können, erweitere man nun die Kapazitäten der Systeme.

Keine Angst vor Engpässen

Ähnlich ist die Lage bei Videostreaming-Anbietern wie Netflix, Amazon Prime Video, YouTube und jetzt auch Disney+. Obwohl die meisten derartigen Angebote bereits ihre Videoqualität und damit die Datennutzung reduziert haben, haben diese Firmen ihre Kapazitäten am DE-CIX-Internetknoten in Frankfurt teilweise verdoppelt.

Insgesamt sei der durchschnittliche Datenverkehr an den Internetknoten dennoch um nur knapp 10 Prozent gestiegen, erklärt DE-CIX. Der CTO der Firma, Thomas King, sagt, dass sich das Nutzungsverhalten der Anwender deutlich verändert habe, jetzt, wo mehr Menschen tagsüber über längere Zeiträume online seien: "Normalerweise bewegt sich der Datenverkehr am Internetknoten entlang von Wellenbewegungen und spiegelt den täglichen Internet-Nutzungsrhythmus wider", so King, "beginnend morgens um 6 Uhr mit seinem Höhepunkt gegen 21 Uhr. Jetzt sind fast alle zu Hause, sodass sich diese Wellen abflachen." Der Datenverkehr verteile sich über den ganzen Tag und steige im Schnitt an.

Ein Problem für die Stabilität der Internetversorgung sieht DE-CIX aber auch angesichts dieser Veränderungen nicht. Das Unternehmen betont erneut, dass es seine Kapazitäten immer ein Jahr im Voraus plant und immer dann erweitert, wenn sie zu 63 Prozent aufgebraucht sind. Um der aktuellen Situation gerecht werden zu können, habe man Wartungsarbeiten auf ein Minimum reduziert, um die Systeme jederzeit verfügbar zu behalten. Der Ausbau der Kapazitäten werde priorisiert.

Und wenn es am privaten Internetanschluss doch mal haken sollte, empfiehlt der DE-CIX, solle man sich an seinen lokalen Provider wenden. Der werde dem Problem schon auf den Grund gehen.

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