Homeshopping im Web Alter Wein in nagelneuen Schläuchen

Ebay macht es Amazon nach und eröffnet ein reguläres Onlinekaufhaus, Amazon peppt sein Angebot derweil mit einer Homeshopping-Sendung auf. Die allerdings soll per Internet verbreitet werden - mit Kaufklicks aus dem laufenden Programm heraus.


Schon lange sind die Zeiten vorbei, in denen sich hauptsächlich private Nutzer beim Online-Auktionierer Ebay einloggten, um alte Möbel, Bücher oder Schnäppchen zu verkaufen oder zu ersteigern. Immer stärker wird das Geschehen von Power-Sellern bestimmt, die ganz normal Neuware mehr oder weniger zu Festpreisen verkaufen.

Amazon-Chef Jeff Bezos: Er setzt auf TV-hafte Verkaufsshows im Netz
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Amazon-Chef Jeff Bezos: Er setzt auf TV-hafte Verkaufsshows im Netz

Dem hat Ebay schon seit längerem mit der "sofort kaufen"-Option Rechnung getragen, die die normale Wartezeit bis zum Ende der Auktion abkürzt: Der Interessent kann zum vorher vom Verkäufer festgesetzten Preis sofort zuschlagen - allerdings nur, solange noch keine Gebote eingegangen sind.

Das soll sich nun ändern. Am Mittwoch teilte Ebay-Nordamerika-Vorstand Bill Cobb mit, das Unternehmen werde sein Angebot im Frühling um ein Online-Kaufhaus mit dem Namen Ebay Express erweitern. Wie es der Verbraucher bereits von Anbietern wie Amazon gewohnt ist, können verschiedene Artikel in einen Warenkorb gelegt und zusammen bezahlt werden, wobei allerdings Festpreise gelten. Verkäufer mit sehr positiven Käuferbewertungen sollen die Möglichkeit erhalten, Artikel gleichzeitig im Auktionsbereich wie auch der Festpreissparte einzustellen. Der neue Service wird zunächst nur Verkäufern aus den USA offen stehen, soll aber später international erweitert werden.

Eines scheint allerdings schon jetzt sicher: Was es in der Festpreissektion von Ebay nicht mehr geben wird, sind charmante Angebote wie aktuell der "Schneemannkopf im Glas", der mittlerweile natürlich geschmolzen ist, aber immerhin noch die obligatorische Karotte aufweist.

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Wirken schon die Ebay-Pläne nicht gerade wie ein Ausbund von Kreativität, so recycelt auch Amazon bereits existierende Formate und plant nun einen TV-Homeshoppingkanal - den allerdings via Internet.

Während in Deutschland noch am Schleichwerbungs-"Skandal" herumgekaut wird, sind die Amerikaner diesbezüglich von großer Unbekümmertheit. Entertainment und Kommerz sind seit langem zwei Seiten derselben Medaille, was liegt näher, als daraus ein handfestes Angebot zu schmieden?

Das Online-Kaufhaus Amazon geht mit der Talkshow "Amazon Fishbowl" (= Amazons Präsentierteller") an den Start, in der sich Stars über ihren neuesten Film, Song oder Buch auslassen. Der US-Entertainer Bill Maher soll jeden Donnerstag um 23 Uhr Ostküstenzeit (EST) nach dem obligaten Eröffnungsmonolog seinen Studiogästen Promotionshilfe leisten. Das via Amazon-Webcast verbreitete Format bietet auch gleich die Links an, die den Zuschauer zum entsprechenden Online-Angebot führen, sodass der geneigte Kaufinteressent sogar ohne Telefonanruf zu seinem Produkt kommen kann.

Der Start ist für den 1. Juni u.a. mit dem Autor Stephen King als Gast vorgesehen, zwölf weitere Shows sind in der Planung. Amazon-Vorstand Kathy Savitt erklärte den Start der Verkaufsshow mit dem Erfolg, den ähnliche Unterhaltungsangebote in der Vergangenheit bereits gehabt hätten, so wurden z.B. 2004 fünf Kurzfilme und im vergangenen Jahr ein Livekonzert zum zehnjährigen Firmenjubiläum via Webcast angeboten. Auch für das aktuelle Projekt erhofft man sich angesichts der ca. 50 Millionen Besucher, die jeden Monat die Amazonseite besuchen, genügend Aufmerksamkeit.

Auch wenn man sich für das "Internet-Fernsehen" der Zukunft erheblich spannendere Formate als eine "Oh, was für ein tolles, tolles Produkt"-Talkshow vorstellen kann, die zunehmende Verschmelzung von TV und Internet ist alle Aufmerksamkeit wert. Schließlich können via Internet verbreitete Sendungen im Prinzip überall auf der Welt empfangen werden. Zukünftig werden sich auch kleinere Anbieter kostengünstig wie nie an ihre jeweiligen Zielgruppen wenden können. Das alte Fernsehen mit seinen starren Programmschemata scheint dagegen ein Auslaufmodell zu sein.



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