Quarantäne-Kontrolle Hongkong legt Neuankömmlingen elektronische Armbänder an

Die Einhaltung der Quarantänevorschriften wird in Hongkong rigoros kontrolliert. Der Datenschutz wird ausgehebelt.
Hongkongs CIO Victor Lam demonstriert das Tracking-Armband

Hongkongs CIO Victor Lam demonstriert das Tracking-Armband

Foto: news.gov.hk

Seit Donnerstag werden alle Menschen, die Hongkong betreten, für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Die Maßnahme soll helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Auf die Vernunft der Einreisenden mag sich die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone dabei nicht verlassen. Jedem Neuankömmling wird ein elektronisches Armband angelegt, das helfen soll zu überprüfen, ob er oder sie sich an die Quarantäneregeln hält.

Das Armband wird dafür drahtlos mit dem Smartphone des Betroffenen verbunden und soll es den Behörden ermöglichen, zu kontrollieren, ob sich jemand an seinem Wohnort aufhält. Das System stelle aber "kein Problem für die Privatsphäre " dar, heißt es in einer Erklärung der Regierung vom Mittwoch.

Bei einer Veranstaltung am internationalen Flughafen der Stadt erklärte Hongkongs Chief Information Officer Victor Lam, man habe auch den Datenschutzbeauftragten in die Überlegungen einbezogen. Dieser habe "grundsätzlich zugestimmt, dass wir diese Technologie nutzen können, um den Aufenthaltsort der unter Quarantäne gestellten Personen zu verfolgen".

Alarmmeldung an die Polizei

Schließlich würde man den Aufenthalt des Trägers eines solchen Armbands ja nicht kontinuierlich nachverfolgen. Vielmehr würde das System nur Ortsänderungen melden. Den Ausführungen entsprechend analysiert das System dazu auch die Signalstärke der "Telekommunkations- und Kommunikationssignale", also der umliegenden WLAN- und Mobilfunknetze, und laut "Forbes" auch GPS-Signale . Sobald die Software feststellt, dass jemand seinen Wohnort verlassen hat oder wenn die Verbindung zwischen Armband und Smartphone gelöst wird, werden die Gesundheitsbehörde und die Polizei alarmiert.

Die Interpretation der Regierung, dass es sich nicht um eine ständige Überwachung des Aufenthaltsorts handelt, ist gewagt. Zwar müssen die Träger nirgends ihre Anschrift angeben, stattdessen aktivieren sie das System allein in ihrer Wohnung oder ihrem Haus. Aber WLAN-, Funkzellen- und erst recht GPS-Daten würden ausreichen, um den Stand- und damit den Wohnort einer Person recht genau festzustellen. Damit wüsste die Regierung also durchaus zu jeder Zeit, wo sich eine Person aufhält.

Darüber hinaus soll die Einhaltung der Quarantänevorschriften über Ortsdaten von WhatsApp und WeChat kontrolliert werden. In einer Pressemitteilung heißt es zudem: "Um sicherzustellen, dass sie sich an ihren Wohnorten aufhalten, überprüfen Mitarbeiter der Kommunikationszentren den Aufenthaltsort der unter Quarantäne stehenden Personen von Zeit zu Zeit durch unangemeldete Videoanrufe."

Einer Pressemitteilung der Regierung von Hongkong  zufolge stehen in der Stadt bereits 50.000 Menschen unter häuslicher Quarantäne. Bisher habe man 60.000 Exemplare der elektronischen Armbänder bestellt, die ersten 5000 seien nun geliefert worden, der Rest werde nach und nach folgen. Ein Regierungssprecher preist das Überwachungssystem als ein perfektes Beispiel für den Einsatz von vor Ort entwickelter Technologie "zum Nutzen der lokalen Bevölkerung".

mak