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30. Mai 2013, 11:38 Uhr

HTML5

Web-Gremium muss über Browser-Kopierschutz entscheiden

Bürgerrechtler wenden sich gegen Pläne der Unterhaltungsindustrie, im kommenden Web-Standard HTML5 Kopierschutzmechanismen zu integrieren. Damit würden technische Neuerungen ebenso blockiert wie der freie Zugang zum Netz.

Soll Kopierschutz Teil des neuen Webstandards HTML5 werden? Dafür machen sich Unternehmen wie Google, Microsoft und Netflix stark. Bürgerrechtler befürchten, dass solche Standards in Zukunft zu stark eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten im Netz führen. Deshalb hat die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) beim World Wide Web Consortium (W3C) am Mittwoch eine formale Beschwerde eingereicht .

Das Webstandard-Konsortium W3C hatte zuvor eine erste Beschlussvorlage fertiggestellt, die eine entsprechende Kopierschutz-Erweiterung vorsieht. Damit aber, so die EFF, bestehe die Gefahr, dass Innovationen ausgebremst und der Zugang zum Internet in aller Welt blockiert werden könnte.

Die sogenannte Encripted Media Extension (EME) erlaube es etwa Produzenten von Musik oder Filmen, besser zu kontrollieren, was mit ihren Produkten im Netz geschieht. Was auf Netz-Surfer ungefähr zukommen könnte, kann jeder Computer-Nutzer schon heute abschätzen. Denn bereits jetzt werden DRM-Systeme dazu verwendet, um Digitalwelten unterschiedliche Anbieter abzugrenzen. Für ein System erworbene Filme sind auf einem anderen nicht abspielbar.

Die EFF will eine ähnliche Entwicklung im WWW verhindern: "Dieser Vorschlag unterscheidet sich von allen anderen Aspekten der HTML-Standardisierung", so EFF-Chef Danny O'Brien. "Er definiert eine neue Art von 'Black Box' für die Unterhaltungsindustrie, die jeder Kontrolle durch den Browser oder den End-User entzogen ist."

Die Beschwerde der EFF erhält durch den Umstand zusätzliches Gewicht, dass die digitalen Bürgerrechtler dem WC3-Konsortium beigetreten sind und ihre Argumente nun als Mitglied vortragen können. Es sei nicht die Aufgabe des WC3-Konsortiums, Konzerninteressen zu schützen, so die EFF weiter. Zwar seien die Drohungen der Unterhaltungsindustrie, Nutzer könnten ihre Geräte nur bei Beachtung aller Kopierschutzregeln verwenden, leer. Denn kommerzielle Inhalte gingen dorthin, wo die Nutzer seien. Und die wiederum würden die Orte bevorzugen, an denen ihre Rechte und Bedürfnisse am meisten respektiert würden. Die Aufgabe des WC3-Konsortiums bestehe darin, der Hüter dieser Rechte zu sein .

Die Kritik am geplanten Kopierschutz im neuen Webstandard hatte sich schon unmittelbar im Anschluss an den Vorstoß der Inhalteanbieter entzündet. US-Bürgerrechtler konnten in einer Online-Petition auf der Plattform Defective by Design nach eigenen Angaben mehr als 27.000 Unterschriften sammeln .

meu

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