Illegale Anbauten Behörden finden Bausünder mit Google Earth

Ein Pool im Garten, ein Anbau, die Zweit-Garage: Nicht jeder Hausbesitzer holt dafür eine Baugenehmigung ein. Oft bleibt das ohne Folgen, wenn etwa eine hohe Hecke den Blick aufs Grundstück versperrt. Doch damit ist jetzt Schluss, denn die Baubehörden habe Google Earth entdeckt.

Privatanwesen in Riverhead, New York: Ob der gut versteckte Pool wohl angemeldet ist?

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Berlin - Bausünder könnte Googles digitaler Satellitenkarten-Weltatlas Earth teuer zu stehen kommen. Denn wer bisher ungenehmigte An- und Umbauten am Eigenheim und drumherum hinter hohen Hecken oder einem Konstrukt aus Hausfassade und Garage vor fremden Blicken zu verbergen suchte, könnte jetzt enttarnt werden. Mit Hilfe der Satellitenbilder, die Google kostenlos verfügbar macht, entdecken Baubehörden immer öfter illegale Bauten auf bislang uneinsehbaren Grundstücken. Darauf weist die Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht) im Deutschen Anwaltverein hin.

Schwarzbauten sind und bleiben illegal und werden auch durch sogenannten Zeitablauf nicht in ihrem Bestand geschützt. Selbst wenn sich viele Jahre lang niemand am formell illegalen Schwimmbad oder am nicht genehmigten Anbau gestört hat, kann die Bauaufsicht jederzeit auf das Baurecht pochen und die Herstellung baurechtsgemäßer Zustände verlangen. Sie kann den Besitzer auffordern, den Bau nachträglich genehmigen zu lassen, den Rückbau - Beamtendeutsch für "Abriss" - fordern oder ein Nutzungsverbot für den Schwarzbau aussprechen.

Dass sich per Google Earth bequem vom Schreibtisch aus Bausünder enttarnen lassen, die ohne Baugenehmigung bauen, um Kosten zu sparen und bürokratische Hürden zu umgehen, haben andere Länder längst erfolgreich vorgemacht. Die griechischen Behörden etwa haben im Kampf gegen die Staatsverschuldung bereits im Sommer damit begonnen, unerlaubte Bauten per Google Maps und Google Earth aufzuspüren. Laut Ioannis Kapeleris, dem Chef der neuen griechischen Steuerfahndungsbehörde, wurden damit allein in den Vorstädten von Athen 16.650 illegal errichtete Swimmingpools gefunden. Welche Einnahmen die damit verbundenen Strafgelder gebracht haben, kann man nur schätzen.

Da ist die Stadtverwaltung von Riverhead im amerikanischen Long Island auskunftsfreudiger. Sie hat mit Hilfe der Google-Technik Anfang August auf die Schnelle 250 nicht genehmigte Pools in ihrem Stadtgebiet entdeckt - und das Stadtsäckel damit um 75.000 Dollar anschwellen lassen.

Die Juristen von der ARGE Baurecht raten Hausbesitzern deshalb, sie sollten sich alle Um- und Anbauten vor Baubeginn genehmigen lassen. Das Bauen ohne Baugenehmigung stellt auch in Deutschland in allen Bundesländern eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit empfindlichen Geldbußen geahndet werden kann.

mak/dapd

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insgesamt 78 Beiträge
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masterblaster2000 11.12.2010
1. Schwachsinn
Das ist bei deutschen Baubehörden seit Jahren Standard, dass man von der Gemeinde Luftaufnahmen hat und diese ausgewertet werden... Was sollen die denn mit jahrealten Aufnahmen von Google?
Knütterer, 11.12.2010
2. Satelliten Luftaufnahmen....
Zitat von masterblaster2000Das ist bei deutschen Baubehörden seit Jahren Standard, dass man von der Gemeinde Luftaufnahmen hat und diese ausgewertet werden... Was sollen die denn mit jahrealten Aufnahmen von Google?
... liegen bei allen bayerischen Behörden in stets aktueller Version vor und ich verzichte gerne auf die "ollen Kamellen", die uns Google vorsetzt!
A-Schindler, 11.12.2010
3. Kommt aufs Alter drauf an
Vor paar Jahren wollte die Stadt bei mir in der nähe eine neue Durchgangsstraße bauen wegen Neubaugebiet. Wie sich aber raus stellte standen auf dem Gelände 2 Einfamilienhäuser die vor Jahrzehnten schwarz gebaut wurden. Daher wurde aus der Durchgangsstraße eine Sackgasse.
mcb, 11.12.2010
4. Wohl eher zufällig darauf gestossen
Zitat von masterblaster2000Das ist bei deutschen Baubehörden seit Jahren Standard, dass man von der Gemeinde Luftaufnahmen hat und diese ausgewertet werden... Was sollen die denn mit jahrealten Aufnahmen von Google?
Genau so machen es auch schon die Wasserversorger seit Jahren, dass sie mit AKTUELLEN Luft- und Satellitenbildern die Angaben zu den versiegelten Flächen überprüfen. Sollte Behörden die Bilder von Google oder Microsoft benutzen, würden sie sogar Gefahr laufen, Gebäude zu finden, die schon seit Jahren abgerissen sind und man würde überhaupt keine aktuellen illegalen Bauten finden können. mfg mcb
GM64 11.12.2010
5. Nur sind die Behörden manchmal auch nicht bereit sich zu äußern
Habe einen kleinen Verkaufsstand auf mein Grundstück stellen wollen, aber die Gemeinde hat mich an das Landratsamt verwiesen und die waren nicht bereit mir zu sagen ob es zulässig ist oder nicht da etwas hinzustellen. Die haben alle gesagt ich soll es hin stellen aber einen Genehmigung gab es nicht. Irgendwie haben die gar nicht gewusst wie man so etwas anstellen soll, eine Genehmigung. Finde da sind nicht nur die Leute Schuld. Auch was man sich bei den zuständigen Behörden leistet ist ein Skandal. Verbindlich ist da auch nichts. Natürlich habe ich nichts gemacht, weil ich ja das Geld nicht im Lotto gewonnen hatte.
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