IMDB, Metacritic und Rotten Tomatoes Welches Portal für Filmbewertungen wirklich weiterhilft

Das Netz ist voller Filme und Serien. Portale wie IMDB, Metacritic und Rotten Tomatoes versprechen verlässliche Qualitätseinstufungen. Doch wie sehr sollte man sich auf ihre Empfehlungen verlassen?
"Die Verurteilten" als Nummer Eins: Hitliste auf dem Bewertungsportal IMDB

"Die Verurteilten" als Nummer Eins: Hitliste auf dem Bewertungsportal IMDB

Das müssen Sie sehen!
Und das auch!

Neben klassischen Hollywoodstudios fluten mittlerweile auch Amazon, Apple und Netflix die Streamingwelt mit neuen Inhalten . Allein in den USA und Kanada sind im vergangenen Jahr knapp 900 Filme gedreht worden - fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren . Der Kampf der Videoflatrates setzt auch die Zuschauer immer mehr unter Druck, die Merklisten werden länger. Doch niemand will seine kostbare Fernsehzeit mit zähen Sitcoms oder albernen Actionfilmen vergeuden.

Onlineportale wie die Internet Movie Database (IMDB), Metacritic und Rotten Tomatoes versprechen Hilfe: Sie wollen die Zuschauer mit einfachen Punkt- und Prozentbewertungen zur richtigen Serie fürs Binge-Watching und den richtigen Blockbustern für den Filmabend lotsen. Dabei verlassen sich die Portale auf die Urteile von zahlreichen Nutzern und Kritikern und fassen diese zusammen.

Filmwissenschaftler Jan-Hendrik Bakels von der Freien Universität Berlin lobt den schnellen Überblick, den die Seiten geben. "Die Portale bieten eine extrem gute erste Orientierung", sagt der Professor. "Viele Menschen schätzen das, weil sie ihren Bildschirm eben auch nach Zollgröße und ihr Auto nach PS-Zahl auswählen."

Ganz ohne Empfehlungen sei die Auswahl mittlerweile sehr schwierig. "Immer mehr Menschen realisieren, dass man sehr selektiv vorgehen muss." Allein Netflix stelle jede Woche so viele neue Titel ins Programm, dass man sich schon fragen müsse, "wer sich das alles noch anschauen soll".

Kein Platz für komplexe Kritiken

Das Problem: Die Portale bilden teils nur einen schlichten Punktestand ab, der ganz schön in die Irre führen kann. Wenn etwa die Hälfte der Nutzer einen Film liebt und die andere ihn abgrundtief hasst, kann die daraus entstehende Durchschnittsbewertung den Film belanglos wirken lassen - auch wenn er jede Menge Emotionen weckt. "Komplexe Kritiken können diese Portale nicht wiedergeben", findet Bakels. Journalistische Filmkritiken seien besser geeignet, um etwa Sinneseindrücke zu vermitteln, die sich mit einem einfachen Wert nicht wiedergeben lassen.

Der Filmwissenschaftler warnt daher davor, anhand der Punktwertungen auf den Portalen zu schnelle Schlüsse zu ziehen. "Man sollte die Zahlen mit Vorsicht betrachten", so Bakels, da die Bewertungen von Filmstudios und Zuschauern beeinflusst werden könnten. Das lasse sich im Nachhinein aber kaum noch rekonstruieren.

Rotten Tomatoes etwa sah sich zu Beginn des Jahres mit einer Schmutzkampagne konfrontiert. Noch vor der Premiere des Superheldinnenfilms "Captain Marvel" ließen die Nutzer wütende Kommentare auf das Portal niederprasseln und werteten das Werk ab, das mit einem "Audience Score" von 50 Prozent immer noch als "verfault" gekennzeichnet ist.

Mit dem Film hatte das nur am Rande zu tun. Die Hauptdarstellerin hatte im Vorfeld gesagt, dass ihr an Pressetagen hauptsächlich weiße Männer als Filmkritiker aufgefallen seien . Außerdem hatte sie in einem Interview erwähnt , mit Marvel darüber gesprochen zu haben, einen "großen Feministen-Film" zu drehen. Das missfiel den Nutzern - ganz im Gegensatz übrigens zu den professionellen Filmkritikern, die bei Rotten Tomatoes ihre eigene Bewertung haben. Den Experten zufolge verdient der Film ein Frischesiegel mit 74 Prozent. Auf die Schmutzkampagne reagierte Rotten Tomatoes damit, dass die Filme seither nicht mehr vor Filmstart bewertet werden können.

Chancenlos gegen den Sexismus-Shitstorm

Kritiker führen solche Sexismus-Shitstorms darauf zurück, dass deutlich mehr Männer als Frauen auf den Portalen unterwegs sind. Laut dem Statistikblog "FiveThirtyEight"  sind bei IMDB sogar fünf Mal mehr männliche Nutzer angemeldet.

Das hat Folgen: Männliche Nutzer sollen unter anderem den vor allem mit Frauen besetzten Film "Ghostbusters" aus dem Jahr 2016 rund 40 Prozent schlechter bewertet haben als weibliche Nutzer. Der Film sei ein "perfektes Beispiel dafür, warum Internetfilmbewertungen kaputt sind", heißt es in einem Bericht des Portals.

Algorithmen sollen Missbrauch auf diesen Portalen zwar verhindern, doch wie genau die Software arbeitet, wissen nur die Anbieter. Laut Bakels führe mitunter schon "eine falsche Rollenbesetzung oder eine misslungene PR-Aktion" dazu, "dass die Filmstudios auf den Portalen mit schlechten Bewertungen abgestraft werden".

Tipps von Freunden sind nach Meinung des Filmwissenschaftlers immer noch hilfreicher als Onlinefilmbewertungen, wobei viele Freunde "ihre Informationen eben auch aus dem Internet haben". Für eine schnelle Entscheidung ohne viel Arbeit seien die Bewertungen aber sinnvoll. Man solle darauf achten, dass eine gewisse Zahl an Kritiken in die Wertung mit eingeflossen sind. Und es sei wichtig zu wissen, dass der Massengeschmack auf den Portalen "sich nicht unbedingt mit dem der Menschen decke, die in Deutschland an den Kinokassen stehen".

Wie funktionieren die Rankings der drei populärsten Filmportale? Wir haben uns angeschaut, wie IMDB, Metacritic und Rotten Tomatoes ihre Bewertungen berechnen - und welches System am überzeugendsten ist.

  • IMDB

Die Internet Movie Database (IMDB) ist eine enorme Datenbank, die zahlreiche Details zu Filmen sammelt. Dort werden unter anderem Filmfakten wie Schauspieler, Drehorte und Umsätze an den Kinokassen aufgelistet. Das Filmranking ist nur eine Info von vielen. Die Titel werden auf einer Skala von eins bis zehn bewertet, ausgespielt wird die "gewichtete Durchschnittswertung ". Abstimmen können alle Nutzer, die auf dem Portal angemeldet sind. Einen eigenen Wert für Profikritiker wie auf den anderen beiden Portalen gibt es hier nicht.

Das größte Problem: Das Bewertungssystem ist undurchsichtig, da die Stimmen nicht gleichwertig zählen. Wie genau die Stimmen gewichtet werden, verraten die Betreiber nicht. Auf SPIEGEL-Nachfrage, wie man Missbrauch verhindern wolle, verweist eine Sprecherin lediglich auf einen Frage-und-Antwort-Bereich. Dort steht, dass es "keinen idiotensicheren Weg" gebe zu überprüfen, ob ein Nutzer den Film wirklich gesehen hat. "Wir sind abhängig davon und verlassen uns darauf, dass unsere Nutzer ehrlich sind und nur die Filme bewerten, die sie persönlich gesehen haben".

  • Rotten Tomatoes

Rotten Tomatoes bewertet ein wenig ausführlicher, hier gibt es zwei Bewertungen pro Film: Profikritiker und Nutzer dürfen hier jeweils einen Wert bestimmen. Rotten Tomatoes bedient sich aus einem Pool professioneller Kulturjournalisten, die sich zunächst registrieren müssen. Um in die Rotten-Tomatoes-Kritikerliste aufgenommen zu werden, muss ein Autor verschiedene Kriterien erfüllen und beispielsweise regelmäßig Filmbewertungen für ein populäres Nachrichtenmedium veröffentlichen.

Doch das Ergebnis der Kritiken wird stark vereinfacht. Denn die Filmkritiker werden gezwungen, ihre Einschätzung auf ein "frisch" oder "faulig" zu reduzieren. Grauzonen gibt es keine. Es gilt: Entweder gut oder schlecht. Aus allen Bewertungen der Kritiker berechnet die Software schließlich eine Prozentzahl und kürt den Film entweder mit einer roten Tomate bei 60 Prozent oder mehr positiven Bewertungen - und mit einem Matschklecks, wenn der Wert geringer ist.

  • Metacritic

Metacritic geht von den drei Websites am ausgewogensten mit Bewertungen um. Es gibt wie bei Rotten Tomatoes auch zwei Punkteskalen, je eine von Profikritikern und eine von Nutzern. Der Unterschied: Bei Metacritic werden Rezensionen detailliert erfasst, mit Punkten von 0 bis 100 bewertet und nicht auf gut oder schlecht reduziert. Dazu werden wenn möglich direkt die Punkte übernommen, die unter einer Filmkritik stehen. Ist keine Bewertung vorhanden, wandeln Metacritic-Mitarbeiter die Beschreibung manuell in eine Prozentangabe um.

Die Zahlen sind aufgrund feinerer Auswertungen aussagekräftiger als das Tomatometer von Rotten Tomatoes. Aber auch hier gibt es Minuspunkte: Wie bei IMDB werden einige Kritiker stärker gewichtet - auch hier ist unklar, welche. Außerdem ist die Auswertung aufwendiger, daher fließen deutlich weniger Bewertungen in das Kulturkritiker-Ranking ein. Beim Film "Joker" etwa bezieht sich der Metacritic-Wert auf knapp 60 Kritiken, während Rotten Tomatoes für den Film mehr als 500 Kulturjournalisten nach ihrer Meinung gefragt hat.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.