Überwachung in den USA Polizei späht Handydaten per Flugzeug aus

Mit fliegenden Mobilfunkstationen suchen US-Strafverfolger flüchtige Straftäter. Bei den geheimen Einsätzen sammeln sie auch die Daten von Zehntausenden unverdächtigen Bürgern.
Cessna in Texas (Symbolbild): Handy-Ausspähung aus der Luft

Cessna in Texas (Symbolbild): Handy-Ausspähung aus der Luft

Foto: Brandon Wade/ picture alliance / dpa

Die Strafverfolger in den USA spähen offenbar mit einer fragwürdigen Technik den Aufenthaltsort von Verdächtigen aus. Nach Angaben des "Wall Street Journal"  setzt eine Abteilung des US-Justizministeriums Mobilfunksender an Flugzeugen ein, um Telefonsignale von Smartphone- und Handynutzern abzufangen.

Die Zeitung beruft sich dabei auf Quellen, die mit diesen Überwachungsaktionen vertraut sein sollen. Mit einem Überflug lassen sich demnach die Daten von Zehntausenden Nutzern abrufen, deren Aufenthaltsort sich auf bis zu drei Meter genau bestimmen lässt. Wenn sich der Verdächtige in einem Gebäude befindet, dann lässt sich sogar der Raum bestimmen, in dem sich die Person aufhält.

Mit dieser Technik werden jedoch nicht nur die Daten der Verdächtigen angezapft, sondern auch die Mobiltelefone von vielen unverdächtigen Menschen erfasst. Laut dem Informanten des "Wall Street Journal" erkennt das System automatisch, welche Informationen von einem Verdächtigen stammen, und verwirft die Daten der Unschuldigen.

Telefongespräche können unterbrochen werden

Die Antennen-Boxen der Firma Boeing, sogenannte IMSI-Catcher, imitieren dabei die Mobilfunkmasten der großen Provider in den USA, womit sich die Handys eindeutig identifizieren lassen. Sobald die Antennen am Flugzeug ein stärkeres Signal senden als der nächstgelegene Mobilfunkmast, wenden sich die Telefone automatisch zum vermeintlich besseren Empfang. Die Überwachung kann dazu führen, dass Telefongespräche unterbrochen werden. Notrufe sind davon offenbar nicht betroffen.

Das Überwachungsprogramm läuft laut dem Bericht seit dem Jahr 2007. Für die Spähangriffe werden demnach Propellermaschinen vom Typ Cessna eingesetzt, die von mindestens fünf der größten Flughäfen in den USA ihre Einsätze starten.

Dem "Wall Street Journal"  sagte ein Sprecher des Justizministeriums, man äußere sich nicht dazu, ob das Programm tatsächlich existiere. Die Begründung: Eine solche Debatte würde es Verdächtigen und fremden Mächten ermöglichen, die US-Überwachungsmethoden zu durchschauen. Die Behörden hielten sich an das Bundesgesetz, das gelte auch bei einer Fahndung mit Gerichtsbeschluss. Auch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerte sich das Justizministerium nicht zu den fliegenden Mobilfunkstationen.

jbr/dpa/Reuters
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