Mordfall Walter Lübcke In 20 einfachen Schritten zum Rechts-Rhetoriker

In seiner satirischen Anleitung, wie man eine Debatte nach rechts verschiebt, entlarvte Sascha Lobo die sprachlichen Verrenkungen der Rechten. Im Podcast spricht er mit "taz"-Redakteurin Malaika Rivuzumwani.

Kundgebung gegen rechte Gewalt vor dem Sitz der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung
Christoph Soeder/DPA

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Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #99 - Anleitung in 20 Schritten: So verschieben Sie eine Debatte nach rechts

Nach dem Mord an Walter Lübcke hat der CDU-Politiker Peter Tauber seiner ehemaligen Parteikollegin Erika Steinbach eine Mitschuld zugeschrieben. Schließlich habe auch sie öffentlich gegen den Kasseler Regierungspräsidenten gehetzt und sei daher "verantwortlich für die Folgen und Reaktionen". Was Tauber und viele andere meinen: Öffentliche Debatten in Deutschland rutschen mittlerweile schnell nach rechts.

Welche rhetorischen Tricks dafür eingesetzt werden, hat Sascha Lobo in seiner jüngsten Kolumne "So verschieben Sie eine Debatte nach rechts" aufgelistet. 20 Kategorien hat er dafür identifiziert, vom Beschönigen über die Schuldumkehr bis zur Passivierung und Positivierung.

Lobo schreibt etwa: "Reden Sie niemals über Rechtsextreme, ohne auch Linksextremismus zu erwähnen. Dass in Deutschland Linksextreme meist Autos anzünden und Rechtsextreme Menschen, können Sie übergehen, ist ja beides Gewalt." Natürlich ist das nicht ernst gemeint, hat aber einen ernsten Hintergrund - Lobo hat diese Mechanismen nicht erfunden, sondern in sozialen Netzwerken, öffentlichen Reden oder Leitartikeln entdeckt. Im Podcast spricht er darüber mit Malaika Rivuzumwani. Die "taz"-Redakteurin produziert selbst einen Podcast. Er heißt "Weißabgleich" und behandelt das Thema Alltagsrassismus.

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insgesamt 10 Beiträge
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gruen99 30.06.2019
1. Tricks ?
Wenn man davon ausgeht ob die "Rechten" "rhetorische Tricks" verwenden, wird ein Master-Plan unterstellt, den ich bei der Intellektualitätslage weder rechts, also bei denen der teilweise auch in der AfD vertretenden Bevölkerungsminderheit, noch bei linken Bevölkerungsminderheiten attestieren würde. Die ganze Rhetorik Debatte, die hier vom Zaun gebrochen werden soll, ist, aufgrund unterstellter, aber nicht vorhandener Intelligenz, bereits tot, bevor sie anfängt. Aber mal sehen was die anderen Foristen zu sagen haben.
claus7447 30.06.2019
2. Das mit der Intelligenz lass ich so stehen ....
Zitat von gruen99Wenn man davon ausgeht ob die "Rechten" "rhetorische Tricks" verwenden, wird ein Master-Plan unterstellt, den ich bei der Intellektualitätslage weder rechts, also bei denen der teilweise auch in der AfD vertretenden Bevölkerungsminderheit, noch bei linken Bevölkerungsminderheiten attestieren würde. Die ganze Rhetorik Debatte, die hier vom Zaun gebrochen werden soll, ist, aufgrund unterstellter, aber nicht vorhandener Intelligenz, bereits tot, bevor sie anfängt. Aber mal sehen was die anderen Foristen zu sagen haben.
... im schnitt sind das ja nicht die hellsten Kerzen am Christbaum, das ist ja schon mal erwiesen worden. Aber das Schema das die Rechten zu zurechtgelegt haben ist simpel. Es beherrscht sogar noch der letzte Hinterbänkler von denen. Wenn es eng wird dann: 1. Einzeltäter 2. Aus dem Zusammenhang gerissen 3 völlig falsch verstanden 4 die Anderen machen das ja auch (oder haben gemacht). Das sind schon mal die 4 Basisregeln - Vermutlich stehen die auch in Meuthens "Sprachkatalog" den die Braunen brauchen um sich korrekt auszudrücken. Das habe ich bisher von keiner Partei gehört, dass eine solche Sprech-Krücke angeboten werden muss. Aber ja - da war doch die Geschichte mit der Beobachtung von den Alu-Hüten.
zeichenkette 30.06.2019
3.
Zitat von gruen99Wenn man davon ausgeht ob die "Rechten" "rhetorische Tricks" verwenden, wird ein Master-Plan unterstellt, den ich bei der Intellektualitätslage weder rechts, also bei denen der teilweise auch in der AfD vertretenden Bevölkerungsminderheit, noch bei linken Bevölkerungsminderheiten attestieren würde. Die ganze Rhetorik Debatte, die hier vom Zaun gebrochen werden soll, ist, aufgrund unterstellter, aber nicht vorhandener Intelligenz, bereits tot, bevor sie anfängt. Aber mal sehen was die anderen Foristen zu sagen haben.
Das muss kein Masterplan sein, um das überall zu finden. Genauso wie Rechte überall nicht erst den Nationalsozialismus studieren müssen, um immer auf dieselben Ideen zu kommen. Das sind Muster, auf die jeder von ganz allein kommt, wenn ihm Fakten und Menschlichkeit, Anstand und Zivilisiertheit nicht nur völlig egal sind, sondern er sie sogar als Schwäche betrachtet, die er überwinden kann. Wie schon klügere Menschen vor mir gesagt haben: Das Ausmaß des Talents zum Faschisten erkennt man bei Leuten immer daran, wie tief sie sich in Worten und Taten bereitwillig sinken lassen.
vormaerz 01.07.2019
4. @gruen99 #1
Es existieren entsprechende Dokumente, die an die Öffentlichkeit gelangt sind, mir geläufig ist zunächst ein Strategiepapier zur PR der NPD, dann Anleitungen vom "Daily Stormer" bezüglich dem Erstellen von "Nachrichtenartikeln" und von "Reconquista Germania darüber, wie Debatten online zu führen sind. Wenn Sie diese gelesen haben, finden Sie die entsprechenden Muster heute ständig wieder. Die jüngeren Dokumente sind erkennbar von Forschungergebnissen zur Psychologie des Online-Marketings und dem Studium der Propaganda der NSDAP geprägt. Die Intelligenz, die rechtsextremen Führern abgeht, ist leider hauptsächlich die sogenannte Emotionale, also die Fähigkeit zur Empathie. Angesichts der Anzahl von Akademikern, die sich um die Parteiposten und ihre inhaltliche Ausrichtung prügeln, kann man von mangelnder Intelligenz höchstens bei denen sprechen, die ihnen folgen oder sie verharmlosen.
rleu 01.07.2019
5.
Zitat von zeichenketteDas muss kein Masterplan sein, um das überall zu finden. Genauso wie Rechte überall nicht erst den Nationalsozialismus studieren müssen, um immer auf dieselben Ideen zu kommen. Das sind Muster, auf die jeder von ganz allein kommt, wenn ihm Fakten und Menschlichkeit, Anstand und Zivilisiertheit nicht nur völlig egal sind, sondern er sie sogar als Schwäche betrachtet, die er überwinden kann. Wie schon klügere Menschen vor mir gesagt haben: Das Ausmaß des Talents zum Faschisten erkennt man bei Leuten immer daran, wie tief sie sich in Worten und Taten bereitwillig sinken lassen.
Die Realität (Fakten) muss nun aber nicht immer mit dem Gefühl und den eigenen moralischen Vorstellungen (der Rest) zusammenpassen. Gleichzeitig sind langfristige Ziele und Motivationen einzelner Gruppen/Individuen und ebenso die gewählten Wege dahin immer sehr unterschiedlich.
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