Informationsinitiative Google startet Webseite gegen Klickbetrüger

Suchmaschinen-Gigant Google bündelt seine Aktionen gegen Online-Klickbetrug auf einer Webseite. Die wirkt bislang wie ein Schnellschuss gegen ein Informationsportal, das Yahoo vergangene Woche startete. Dabei bedroht die Schummelei mit den Online-Ads Googles Kerngeschäft.


"Ad Traffic Quality Resource Center" nennt Google seine neue Webseite. Für Werbetreibende im Internet soll sie zur zentralen Anlaufstelle werden, um sich über Methoden und Aktionen von Klickbetrügern zu informieren, sagte Google-Sicherheits-Manager Shuman Ghosemajumder der "PC World".

Google-Präsentation: Kampfansage an alle Klickbetrüger

Google-Präsentation: Kampfansage an alle Klickbetrüger

Das Ressourcenzentrum ist die bislang letzte von mehreren Aktionen gegen Klickbetrüger, die Google seit Mitte 2006 gestartet hat. Bereits online ist ein Service zum Filtern von IP-Adressen, der es Anzeigenkunden ermöglicht, einzelne Computer gezielt für den Aufruf ihrer Anzeigen zu sperren. Bereits 2006 fing Google an, seine Werbekunden darüber zu informieren, wie viele ungültige Klicks ihre Anzeigenkampagnen aufweisen.

Googles neuste Informationsoffensive ist bislang allerdings wenig ergiebig. Mehr als ein paar Basisinformationen werden auf der Seite nicht geliefert, diese haben zudem für Kenner der Materie wenig Neuigkeitswert. Im technischen Bereich werden beispielsweise die "Anatomie eines Klickbot-Netzes" und mehrere Methoden des Klickbetrugs erläutert. Das schafft durchaus Transparenz, wird die Sabotage von Werbebanner-Statistiken aber nicht stoppen können.

In der Netzwelt zeigt man sich von Googles Ressourcenzentrum wenig beeindruckt. "Vielleicht wollte man zumindest irgendetwas als Gegenstück zum Yahoo Traffic Quality Center präsentieren. Das ist bereits letzte Woche gestartet", ätzte beispielsweise das Blog "Internetmarketing News".

Google-Sprecher Ghosemajumder beteuert hingegen, die Webseite hätte eigentlich schon im März online gehen sollen. Der Start sei dann aber verschoben worden, "da andere Aktivitäten gegen Klickbetrüger Priorität gewannen" - beispielsweise ein Klickbetrug-Forum, das Google im Mai für Werbekunden in seiner Zentrale veranstaltete.

Bis zu 30 Prozent aller Anzeigenklicks könnten ungültig sein

Googles Aktionen gegen Klickbetrug haben durchaus Selbstzweck - schließlich bedrohen die Fälscher massiv das Kerngeschäft des Suchmaschinen-Giganten: die Pay-per-Klick-Werbung, bei der Anzeigenkunden jedes Mal zahlen, wenn eines ihrer Werbebanner angeklickt wird. Manche Organisationen vermuten, dass bis zu 30 Prozent aller Anzeigenklicks durch Schwindel zustandekommen.

Der Missbrauch dieses Abrechnungssystems ist relativ leicht: Wer oft genug auf die Anzeigen von Konkurrenzunternehmen klickt, kann deren Werbekosten massiv in die Höhe treiben - vor allem, wenn er die Klick-Arbeit von sogenannten Bots erledigen lässt - von Programmen, die selbständig immer wieder dieselbe Seite aufrufen. Auch Betreiber von Webseiten schönen Klickstatistiken, rufen ihre eigenen Online-Auftritte möglichst oft auf, um ihre Werbeeinnahmen künstlich zu erhöhen.

Google überwacht die eigenen Anzeigenklicks ziemlich genau. Nur zehn Prozent der Anzeigenklicks seinen nach Angaben des Unternehmens ungültig. Bei früheren Versuchen, dem Problem der Klickbetrüger Herr zu werden, hat sich Google mehrfach mit Firmen in die Haare gekriegt, die die Klickstatistiken von Online-Bannern überwachen. Stets zweifelte Google an der Gründlichkeit der angewandten Methoden.

Anzeigenvermarkter wie Google und Yahoo sind bereits mehrfach von Kunden dafür verklagt worden, dass Klickbetrügereien auf ihren Seiten stattfinden. Erst vergangenes Jahr starteten mehrere hundert Werbetreibende eine Sammelklage gegen Google, die der Suchmaschinen-Gigant zum Teil verlor - und umgerechnet 66,7 Millionen Euro dafür zahlte. Google plädierte damals darauf, für den entstandenen Schaden nicht haftbar zu sein. Im Falle einer totalen Niederlage vor Gericht, hätte der Webgigant mehrere hundert Millionen Euro Schadensersatz zahlen müssen, schätzen Experten.

ssu



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