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Vorab-Version: Der neue Internet Explorer 9

Internet Explorer 9 Microsoft bastelt einen Google-Browser

Klare Struktur, gut versteckte Menüs, hohe Geschwindigkeit: Microsoft hat sich beim neuen Internet Explorer ein Beispiel an der Gestaltung von Googles Suchmaschine genommen - und der Windows-Konzern hat sogar ein paar eigene gute Ideen untergebracht.

Extrem reduzierte Optik, eine Eingabezeile, keine Menüs, überhaupt kein Schnickschnack - die Vorabversion  des neuen Microsoft-Browsers Internet Explorer mit der Seriennummer 9 (IE9) erinnert ausgerechnet an die Startseite der Suchmaschine Google.

Mit dem IE9 will Microsoft Marktanteile auf dem Browsermarkt zurückgewinnen. Größter Konkurrent des IE ist der Firefox des Mozilla-Projekts. Weltweit lag er den Statistiken der Marktbeobachter von Net Applications zufolge im August bei knapp 23 Prozent, in Deutschland konnte Firefox sogar am Internet Explorer vorbeiziehen und kam Anfang dieses Jahres auf 45,6 Prozent Marktanteil - die verschiedenen Versionen des Internet Explorers brachten es auf 44,4 Prozent.

Der neue IE unterscheidet sich optisch stark von den Vorgängern: Eine Menüleiste ist standardmäßig gar nicht zu sehen , man muss sie mit der Alt-Taste einblenden. Die Webadressen und Suchanfragen tippt man in dasselbe Eingabefeld. Das macht die Bedienung so geradlinig wie bei Suchmaschinen: Einfach ein Stichwort eintippen. Der neue Internet Explorer schlägt dann Treffer aus den eigenen Lesezeichen, dem Protokoll aufgerufener Seiten und einer voreingestellten Suchmaschine vor (standardmäßig ist es die Microsoft-Suchmaschine Bing).

Google Nutzungszeit abnehmen?

Man kann auch weitere Suchdienste hinzufügen - nach einem Klick auf das entsprechende Logo in der Vorschlagsliste tauchen dann die passenden Treffer dieser Quelle auf. Dieses neue Bedienelement ist einerseits hilfreich. Andererseits dürfte die Funktion dazu führen, dass die nicht voreingestellten Suchdienste, namentlich Google, Aufenthaltszeit von Nutzern des Internet Explorers verlieren.

Bei der Bedienung fallen viele gute Ideen auf - einige hat sich Microsoft bei der Konkurrenz abgeschaut. Zum Beispiel die Voransicht der besonders häufig aufgerufenen Seiten: Wer einen neuen Tab (ein Unterfenster im Browser) öffnet, ohne eine Seite aufzurufen, sieht eine Übersicht der zehn in der Vergangenheit am häufigsten mit dem Browser aufgerufenen Seiten - samt kleiner Logos. Diese praktische Voransicht bietet Googles Browser Chrome schon länger.

Eine Microsoft-Besonderheit ist die Integration des IE9 mit dem Betriebssystem Windows 7: Man kann bestimmte Seiten auf der Taskleiste des Systems ablegen, ganz so wie Programme. Wenn die Seitenbetreiber ihr Angebot auf den neuen Microsoft-Browser angepasst haben, lassen sich dann direkt aus der Taskleiste mit einem rechten Mausklick bestimmte Unterseiten direkt aufrufen. So kann man zum Beispiel bei der Internet Movie Database von der Taskleiste aus direkt auf Kino-Programme, Vorschauen neuer Filme oder andere Spezialangebote zurückgreifen.

Die Grenze zwischen Web und Desktop verschwimmt

Microsoft verwischt hier die Grenze zwischen Webseiten und lokalen Anwendungen. Dazu tragen viele weitere Details bei der Gestaltung bei: So kann man Tabs aus dem Browser herausziehen, so dass sie in einem eigenen Fenster dargestellt werden, und sie dann wieder in den Browser zurückschubsen. Ruht die Maus kurz auf dem Symbol des Explorers in der Taskleiste, sieht man kleine Vorschaufenster aller im Browser geöffneten Tab und kann sie direkt ansteuern.

Die anderen wesentlichen Neuerungen bemerkt man erst beim Aufrufen bestimmter Webseiten: Der Browser unterstützt viele der verabschiedeten Elemente der neuen Standards HTML5 und CSS3. MP3-Dateien, Vektorgrafiken (SVG-Standard) und Videos (kodiert mit WebM oder H.264) kann der Internet Explorer direkt abspielen (ohne einen Umweg über Flash), bei der Wiedergabe nutzt der IE9 die Hardware-Beschleunigung von Grafikkarten aus. Das soll die Darstellung solcher Elemente beschleunigen, verspricht Microsoft.

Einige Seiten, die neue HTML5-Elemente nutzen, präsentiert Microsoft in einer speziellen Sammlung  für Nutzer des IE9. Ruft man zu Beispiel das Fotoarchiv der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe auf, das als Hängeregister gestaltet ist, wirkt die Darstellung der Animationen im Internet Explorer tatsächlich flüssiger als im aktuellen Firefox-Browser und in Google Chrome. Allerdings ist dieser Vergleich nicht ganz statthaft - bis Jahresende wird eine völlig neue Firefox-Version veröffentlicht, und auch Google dürfte bei Chrome nachbessern.

Fest steht: Die neuen Browser werden ein Web zeigen, wie es Nutzer bislang nicht gesehen haben. Die Gestaltungsmöglichkeiten wachsen seit langem zum ersten Mal wieder radikal.

mit Material von APD
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