Internet-Geld in der Kritik Wirtschaftsverband erwartet Bitcoin-Verbot

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft warnt vor der Internet-Währung Bitcoin. Das virtuelle Geld könne der Gesellschaft nachhaltig schaden und sei "schlichtweg gefährlich". Verbraucher und Händler sollten bewährten Zahlungsmitteln vertrauen.
Virtuelle Bitcoin-Münze: "Einzelne, zersetzende Kräfte"

Virtuelle Bitcoin-Münze: "Einzelne, zersetzende Kräfte"

Hamburg - Steuerhinterziehung, Geldwäsche und illegale Geschäfte: Die Internet-Währung Bitcoin hat laut dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) das Potential, der gesamten Gesellschaft "nachhaltig zu schaden". Das erklärte der Lobbyverband, dem rund 600 Unternehmen angehören, am Mittwoch. Die Nutzung von Bitcoins verhindere die notwendige Kontrolle durch den Staat.

Bitcoins bestehen aus verschlüsselten Zeichenfolgen, die über ein Peer-to-Peer-Netzwerk ausgetauscht werden - Landesgrenzen sind dabei egal. Die Transaktionen lassen sich prinzipiell nicht nachverfolgen, Eingriffe von Banken und Staaten zur Steuerung der Währung funktionieren nicht. Herkömmliches Geld lässt sich in Bitcoins umtauschen - zu tagesaktuellen Wechselkursen. Außerdem belohnt das System Nutzer, die Rechenkapazität für das Netzwerk zur Verfügung stellen, nach mathematischen Regeln mit frischen Bitcoins.

Die Unabhängigkeit von staatlichen Stellen kritisiert der BVDW.  Nicht nur, weil mit Bitcoins illegale Geschäfte abgewickelt werden können - sondern auch, weil durch die automatische Steuerung der Geldmenge durch Algorithmen keine Konjunkturpolitik funktioniert. Bei kriselnden Währungen können Staaten sonst die Notenpresse anwerfen und frisches Geld in den Kreislauf pumpen.

"Wir gehen davon aus, dass 'Ersatzwährungen' wie Bitcoins über kurz oder lang auch durch den Gesetzgeber verboten werden", so der Vizepräsident des BVDW, Christoph N. von Dellingshausen. "Einzelne, zersetzende Kräfte" würden immer wieder versuchen, unabhängige Währungen zu schaffen. Die Politik stehe aber in der Verantwortung, Bürger und Gesellschaft weitreichend zu schützen.

Der Währungsfachmann Gerhard Rösl hatte gegenüber SPIEGEL ONLINE hingegen gesagt, er könne keine offensichtlichen Probleme der Währung ausmachen. Bei der Konzeption sei offenbar darauf geachtet worden, dass die Wechselkurse sowohl im Hinblick auf andere Währungen als auch im Hinblick auf zu bezahlende Leistung flexibel seien.

Der BVDW schürt trotzdem Panik: Durch "den" zu erwartenden staatlichen Eingriff, heißt es in der Mitteilung, würde eine Ansammlung von Bitcoins von einem auf den anderen Tag entwertet.

ore
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