Internet in China Baidu will Browser- und Musikmarkt erobern

Vorbild Google: Der chinesische Suchmaschinen-Gigant Baidu hat die erste Betaversion seines eigenen Browsers veröffentlicht. Außerdem will das Unternehmen künftig kostenlos Musik zum Download anbieten.

Chinesischer Suchmaschinenanbieter Baidu: Jetzt auch im Browser- und Musikmarkt aktiv
REUTERS

Chinesischer Suchmaschinenanbieter Baidu: Jetzt auch im Browser- und Musikmarkt aktiv


Hamburg - Seit Montag steht die Betaversion des neuen Baidu-Browsers zum Download bereit. Der chinesische Suchmaschinen-Marktführer greift damit auch in Sachen Surfprogramme seinen Konkurrenten Google an. Optisch erinnert das Programm stark an Googles Browser Chrome, wie Blogger anmerken. Als "einfach und zuverlässig" preist Baidu den neuen Browser laut "PC World" an.

Am Dienstag legte Baidu dann gleich nach und verkündete eine neue Zusammenarbeit mit den größten Musiklabels der Welt. In einem Lizenzierungsvertrag mit One-Stop China, einem Joint Venture von Universal Music, Warner Music und Sony BMG, vereinbarten die Beteiligten, zum Start rund 500.000 Songs zur Verfügung zu stellen, die legal und kostenlos über Baidus Musik-Download-Plattform ting! heruntergeladen werden können - allerdings nur von chinesischen Rechnern aus.

Nach Informationen der "New York Times"wird Baidu den Musikverlagen für jeden Song-Download eine Gebühr entrichten und ab einem bestimmten Werbeerlös auch Anteile der Werbeannahmen abgeben. Genauere Details gaben die Beteiligten bislang aber nicht bekannt.

Offenbar haben sich die Baidu-Manager von Google inspirieren lassen: Das US-Unternehmen hatte im Mai einen eigenen Musik- und Videodienst vorgestellt. Der eigene Browser Chrome ist binnen kurzer Zeit zur ernsthaften Konkurrenz für Internet Explorer, Firefox und Safari aufgestiegen.

Der Vorstoß könnte den chinesischen Musikmarkt revolutionieren, der bisher vor allem für seine ausufernde Piraterie bekannt war. Schon öfter hatten in der Vergangenheit Plattenfirmen Baidu verklagt, weil das Unternehmen Piraterie über seine Suchmaschine befördert haben soll: Baidu ginge nicht genug gegen Deep-Links auf Piraterie-Seiten vor.

Solche Links wolle Baidu als Teil der Vereinbarung nun löschen, sagte Andrew Chan, ein Sprecher von One-Stop China, der Nachrichtenagentur AP: "Der Traffic wird auf legale Download-Links umgeleitet." Die Ifpi (International Federation of the Phonographic Industry), die Unternehmen der Musikindustrie vertritt, schätzt laut "New York Times" den Anteil illegaler Musikdownloads in China bislang auf 99 Prozent.

In China ist Baidu die Nummer eins im Suchmaschinenmarkt: Rund 75 Prozent der 500 Millionen Internetnutzer in China greifen laut dem Pekinger Marktforschungsinstitut Analysys International auf Baidu zurück, während Google mit seiner aus Hongkong betriebenen Suchmaschine mit knapp 19 Prozent abgeschlagen zurückliegt.

kad/AP



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
richsorge 19.07.2011
1. Abschied
Der Abstieg von Google beginnt in China
Ganaw09 19.07.2011
2. Einige Anmerkungen
Zitat von sysopVorbild Google: Der chinesische Suchmaschinen-Gigant Baidu hat die erste Betaversion seines eigenen Browsers veröffentlicht.*Außerdem will das Unternehmen künftig kostenlos Musik zum Download anbieten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,775215,00.html
Leider geht der Artikel etwas an der Sachlage vorbei bzw. stellt die Zusammenhänge nicht ganz richtig her. 1. Baidu ist in China vor allem deshalb so groß geworden, weil es eine gezielte MP3-Suche bereitgestellt hat, die Google so nicht hatte. 2. Bereits seit 2 Jahren hat Google einen eigenen Musikdienst nur für China. Bei diesem Musikdienst arbeitet Google mit den Majorlabels zusammen und bietet innerhalb Chinas einen kostenlosen Musikdownload an, der über Werbung refinanziert wird. Google wollte damit Baidu Konkurrenz bieten - das eben, wie bereits oben erwähnt, als großes Plus die oben erwähnte MP3-Suche angeboten hat. Daher ist es auch falsch, dass Baidu hier auf irgendeinen neuen Dienst von Google reagiere. Es geht hier zunächst einmal um einen älteren Dienst von Google, den es aber eben nur exklusiv in China gibt.
bismarck_utopia 19.07.2011
3. Größe
Zitat von Ganaw09Leider geht der Artikel etwas an der Sachlage vorbei bzw. stellt die Zusammenhänge nicht ganz richtig her. 1. Baidu ist in China vor allem deshalb so groß geworden, weil es eine gezielte MP3-Suche bereitgestellt hat, die Google so nicht hatte. 2. Bereits seit 2 Jahren hat Google einen eigenen Musikdienst nur für China. Bei diesem Musikdienst arbeitet Google mit den Majorlabels zusammen und bietet innerhalb Chinas einen kostenlosen Musikdownload an, der über Werbung refinanziert wird. Google wollte damit Baidu Konkurrenz bieten - das eben, wie bereits oben erwähnt, als großes Plus die oben erwähnte MP3-Suche angeboten hat. Daher ist es auch falsch, dass Baidu hier auf irgendeinen neuen Dienst von Google reagiere. Es geht hier zunächst einmal um einen älteren Dienst von Google, den es aber eben nur exklusiv in China gibt.
Ob es allein an der MP3-Suche liegt? Wenn man sich mal anschaut, was alles für Sucharten über www.alernia.de möglich sind (auch wenn's externe Ergebnisse sind), müsste dieses nach dieser Logik größer sein als Baidu und Google zusammen. Ich denke eher, dass Google und Baidu in ihren jeweiligen Ländern einfrach früh genug in den Markt eingetreten waren und den Vorsprung konsequent ausgebaut haben.
Gani, 19.07.2011
4. Karriere
Zitat von richsorgeDer Abstieg von Google beginnt in China
Und die Karrier von Traumtänzern hier im Forum.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.