Internet in der Coronakrise Telekom hat "die Notfall- und Pandemiepläne aktiviert"

Die Coronakrise lässt in Italien den Internetverkehr um etwa 70 Prozent steigen. Grund dafür sind offenbar vor allem Onlinevideospiele wie "Fortnite". Hierzulande sieht sich die Telekom gerüstet.
Fortnite-WM 2019

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Foto: Johannes EISELE / AFP

Italien hat radikale Konsequenzen aus der Coronakrise gezogen. Das Land ist abgeschottet, Restaurants und viele Läden haben dichtgemacht, Schulen bleiben noch mindestens für drei Wochen geschlossen. Wer nicht dringend zur Arbeit muss, soll zu Hause bleiben. Diese Maßnahmen sollen dafür sorgen, dass sich nicht noch mehr Menschen infizieren. Aber die Isolation hat noch einen anderen Effekt.

Die Langeweile in den eigenen vier Wänden wirkt sich auch auf die Hobbys der Italiener aus. Videospiele erleben einen Boom in dem Land, das in Europa bislang am härtesten vom neuen Coronavirus betroffen ist. Nach Angaben des Telekommunikationsunternehmens Telecom Italia ist der Datenverkehr in den vergangenen zwei Wochen um mehr als zwei Drittel angestiegen. Das berichtete "Bloomberg" am Donnerstag .

Doch nicht die Angestellten im Homeoffice, die sich bei Videokonferenzen absprechen, seien der Grund für den Anstieg. Einen großen Anteil machten Onlinevideospiele aus. Die Datenmenge über Festnetzleitungen sei um 70 Prozent gestiegen "mit einem großen Anteil an Onlinespielen wie Fortnite", wird Firmenchef Luigi Gubitosi zitiert. Zu Beginn der Woche soll es immer wieder Probleme mit Internetanschlüssen gegeben. Jetzt laufe das Netz wieder.

Telekom schaltet in den Krisenmodus

Die Telekom lässt sich von diesen Zahlen nicht aus der Ruhe bringen. "Wir haben die Notfall- und Pandemiepläne aktiviert", teilt Unternehmenssprecher Husam Azrak dem SPIEGEL mit. "Wir sind gut gerüstet." Aktuell sei noch kein signifikanter Anstieg spürbar. Doch selbst 70 Prozent mehr Internettraffic wie in Italien aufgrund der Schulschließungen seien kein Problem. "Die zu erwartende Last, die auf uns zukommt, können wir bewältigen."

Als Anbieter einer kritischen Infrastruktur sei die Telekom darauf vorbereitet, den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagt Azrak. Niemand müsse sich aus jetziger Sicht sorgen, dass er keine Filme mehr streamen oder Videospiele spielen könne.

Der Datenverkehr wird in den kommenden Wochen wohl auch in Deutschland zunehmen. In den meisten Bundesländern in Deutschland sollen die Schulen bis zu den Osterferien geschlossen werden.

Meldungen, dass Xbox-Spieler am Donnerstagabend aufgrund höherer Zugriffszahlen auf Onlineduelle verzichten mussten, bestätigten sich derweil nicht. Der Mehrspieler-Dienst Xbox Live war zwar stundenlang nicht verfügbar, allerdings sollen die Störungen nicht aufgrund erhöhter Nutzerzahlen aufgetreten sein. "Wir haben ein Problem gelöst, das eine begrenzte Anzahl an Nutzern beim Anmeldeprozess erfahren haben", teilte ein Microsoft-Sprecher dem SPIEGEL auf Anfrage mit.