Internet-Radio Auf der Lauer

Die "Podcasts", gestreamte Netz-Radiosendungen im Abo, sollen das nächste große Ding werden - wenn denn die Rechte an den Musik-Dateien geklärt sind. Die Industrie steht schon in den Startlöchern.


"Wenn das Publikum groß genug ist, dann kommt auch das Geld": Evan Williams, ehemaliger Gründer von Blogger.com, macht jetzt sein Podcast-Portal Odeo.com
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"Wenn das Publikum groß genug ist, dann kommt auch das Geld": Evan Williams, ehemaliger Gründer von Blogger.com, macht jetzt sein Podcast-Portal Odeo.com

Die ungeheure Popularität der Online-Tagebücher, der so genannten Blogs, mit denen jedermann seine eigenes Nachrichtenforum betreiben kann, erwischte die etablierten Medien noch eiskalt. Die Industrie versucht jetzt zu verhindern, dass ihr das noch einmal bei den Podcasts passiert, mit denen praktisch jeder zum eigenen Rundfunksender werden kann. Podcasts sind Tondateien, die über das Internet verbreitet werden und auch abonniert werden können.

Inzwischen bietet in den USA fast jedes Medienunternehmen Podcasts an, von Disney über Newsweek bis zum öffentlich-rechtlichen National Public Radio (NPR). Apple integrierte die Suche nach Podcasts im Internet jetzt auch in sein Programm iTunes. Die Podcasts erfreuen sich zwar wachsender Beliebtheit, Geld verdienen kann man damit aber bisher kaum. Das könnte sich in Zukunft ändern, vor allem für denjenigen, der sich als erste Anlaufstelle für die Suche nach Podcasts etabliert. Hier winken dann interessante Verträge mit Anbietern von Inhalten und der Werbung. Eine noch schnellere Verbreitung von Podcasts wird derzeit noch dadurch verhindert, dass es sich meist um Wortbeiträge handelt. Musik findet sich selten, was vor allem mit der schwierigen Lizenzpolitik zusammenhängt. Experten erwarten eine Explosion der Podcasts, sollte sich ein Weg finden, Musik legal in die Tondateien zu integrieren und eine Bezahlung der Musiker zu garantieren.

Dessen ungeachtet hat der Kampf um den Platz im Rampenlicht der Podcast-Suche schon begonnen. Mit dabei ist auch Evan Williams, einer der Mitgründer von Blogger.com, der seine Anteile vor drei Jahren an Google verkaufte und der jetzt mit diesem Geld hinter Odeo.com steht. Hier werden Podcasts nach Themenbereichen sortiert, wobei von Kunst über Politik bis Sex und Technik alles dabei ist. Noch ist zwar nicht ganz klar, wie Geld verdient werden soll, aber Williams ist zuversichtlich: "Wenn das Publikum groß genug ist, dann kommt auch das Geld."

Bei schlechter Audio-Qualität hört keiner zu

Ein Weg könnte dabei über die Software führen, die man braucht, um Podcasts in ordentlicher Tonqualität zu erstellen. Dafür ist so mancher Podcaster auch bereit Geld auszugeben, wie Matt Galligan sagt. Er betreibt den Podcast "The Spotlight", wo Musik von noch eher unbekannten Künstlern vorgestellt wird. "Wenn du keine gute Audio-Qualität hast, dann hören die Leute auch nicht zu."

Hilfen und Software zur Podcasts-Erstellung bietet Chris McIntyre auf seiner Web-Site "Podcast Alley" an, die inzwischen rund 4.100 Podcasts auflistet. In den vergangenen drei Monaten habe sich die Zahl verdreifacht, sagt der 26-Jährige, der die Site allein betreibt. Inzwischen, sagt er, decke die Werbung schon seine Unkosten. Für McIntyre sind Podcasts besonders etwas für Nischenmärkte. Die Werbung könne ihre Zielgruppe hier ganz gezielt ansprechen. Ein Podcast für Ausdauersportler etwa habe schon Werbegeld vom Sport-Drink Gatorade bekommen. Auch andere Firmen scheinen daran Interesse zu finden. So unterstützt der Autohersteller Toyota für ein halbes Jahr die Podcasts des Senders KCRW, wie dessen Geschäftsführerin Ruth Seymour sagt. Dafür gibt es in jeder Show eine Einblendung für Toyota von zehn Sekunden. Gut positioniert ist in dem Wettbewerb natürlich Apple mit seiner iTunes-Software und den populären iPods. Und die Verbindungen, um interessante Musikrechte auszuhandeln, sind wohl auch da.

Aber Apple ist keineswegs allein. Auch NPR verhandelt schon mit der Musikindustrie über Podcasting-Rechte, wie Seymour sagt, deren Sender einige Beiträge auch von NPR erhält. Sie wartet nur darauf, endlich auch Musik mit in die Podcasts aufnehmen zu können. "Bislang sind die Podcasts noch nicht durchgestartet", sagte Seymour. "Das geschieht aber in dem Moment, in dem einer die Musikrechte bekommt."

Greg Sandoval, AP



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