Internet Saftige Strafe für illegale Musik-Downloads

Der erste Prozess in den USA um Musikpiraterie im Internet ist mit einer hohen Geldstrafe für die Angeklagte ausgegangen. Die alleinerziehende Mutter muss 220.000 Dollar zahlen, weil sie 24 Songs illegal verbreitet hatte.


Chicago - In ihrem Kampf gegen Musikpiraterie hat die amerikanische Musikindustrie einen Sieg errungen. Eine Geschworeren-Jury in Minnesota fällte am Donnerstag ein entsprechendes Urteil. Die 30-jährige Angeklagte Jammie Thomas wurde zur Zahlung einer Geldstrafe von insgesamt mehr als 220.000 Dollar (156.000 Euro) verurteilt.

Verurteilt: Jammie Thomas muss 220.000 Dollar zahlen
AP

Verurteilt: Jammie Thomas muss 220.000 Dollar zahlen

Die Jury befand die Frau für schuldig, durch die Weitergabe von Musikdateien an andere Internetnutzer die Urheberrechte großer Plattenfirmen verletzt zu haben.

Thomas hatte zuvor eine außergerichtliche Einigung abgelehnt, bei der sie mit einer geringeren Strafe davon gekommen wäre. Stattdessen zog sie vor Gericht und stritt die Vorwürfe von Verbreitung illegaler Downloads ab.

Nach dem Urteil muss sie nun je 9250 Dollar Strafe für jeden von insgesamt 24 illegal verbreiteten Songs zahlen. Wäre sie für die mehr als 1700 Downloads auf ihrem Computer zur Kasse gebeten worden, wäre ein Bußgeld in Millionenhöhe fällig geworden.

Der einflussreiche Verband Recording Industry Association of America (RIAA) warf ihr vor, unter dem Benutzernamen "tereastarr" über den Service Kazaa die Musik-Dateien verbreitet zu haben. Der Verband strengte in den vergangenen Jahren Verfahren gegen Tausende Tauschbörsennutzer an.

ler/AFP/dpa



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M@ESW, 05.10.2007
1.
Bevor man sich über die Gerechtigkeit dieses Urteils äußern kann müsste man eigentlich wissen auf welcher Basis der Schaden ermittelt wurde. Etwa $10k pro Song klingt auf sich allein gestellt erst mal weder viel noch wenig, dazu müsste man wissen wie oft jeder weiterverteilt wurde und wie diese weiterverteilung gewertet wurde. Wenn jeder Song jetzt 10.000x geladen wurde und die davon ausgehen das jeder davon einem entgangenen Verkauf entspräche, dann wäre das Urteil ein Witz. Wenn jeder Song jetzt 100.000x geladen wurde und die davon ausgehen das jeder 10. davon den Song deshalb nicht gekauft hat, dann wärs schon akzeptabler.
Zwietracht, 05.10.2007
2.
Zitat von M@ESWBevor man sich über die Gerechtigkeit dieses Urteils äußern kann müsste man eigentlich wissen auf welcher Basis der Schaden ermittelt wurde. Etwa $10k pro Song klingt auf sich allein gestellt erst mal weder viel noch wenig, dazu müsste man wissen wie oft jeder weiterverteilt wurde und wie diese weiterverteilung gewertet wurde. Wenn jeder Song jetzt 10.000x geladen wurde und die davon ausgehen das jeder davon einem entgangenen Verkauf entspräche, dann wäre das Urteil ein Witz. Wenn jeder Song jetzt 100.000x geladen wurde und die davon ausgehen das jeder 10. davon den Song deshalb nicht gekauft hat, dann wärs schon akzeptabler.
Wenn ich das Urteil richtig verstehe, dann geht es hier nicht oder nicht allein um Schadenersatz sondern um eine Strafe für eine Straftat in Form einer Geldbuße.
Coolie, 05.10.2007
3.
Zitat von sysop220.000 Dollar für 24 Lieder US-Grundsatzurteil: Wer Musikdateien auf seinem Rechner für andere freigibt, macht sich strafbar. Ganz egal, ob jemand die Songs tatsächlich lädt, kostet das 10.000 Dollar Strafe je Lied. Ein gerechtes Urteil?
Dass die Musikpiraterie nunmehr nicht mehr als Kavaliersdelikt, sondern als Straftatbestand angesehen wird, ist m.E. ein längst überfälliger Schritt gewesen. Die Strafe, die hier allerdings verhängt wurde, ist hoffnungslos überzogen. Sie sollte - wie es z.B. in Deutschland üblich ist - sich nach dem Einkommen richten.
Emmi 05.10.2007
4. Natürlich nicht!
Die Verhältnismäßigkeit ist hier völlig abhanden gekommen. Die Musikindustrie erfindet irgendwelche Phantasiesummen, die angeblich als Schaden entstanden sein sollen, und die Richter legen das dann auf eine Privatperson um, die den Fehler gemacht hat, einige Musikdateien weiterverbreiten lassen zu haben (das ist ja bei Kazaa und Konsorten kein aktives Tun a la "ich brenne eine CD und verteile sie auf dem Schulhof" sondern geschieht automatisch, indem andere Benutzer des Dienstes diese Dateien von dem PC herunterladen). Wenn dieses Tun, bei dem kein Diebstahl o.ä. stattgefunden hat (wenn ich eine Datei kopiere, ist sie hinterher immer noch da, also habe ich niemandem was weggenommen, egal was irgendwelche Rechtsverdreher auch behaupten mögen), mit derartigen Strafen bedacht wird, wird auf Ladendiebstahl wohl bald die Todesstrafe stehen...
lichtschalter 05.10.2007
5. Falscher Eigentumsbegriff
An dem Urteil ist über nichts zu begrüßen. Erstens zerstören die Richter und Anwälte das Leben einer Frau. Zweitens tun sie das wegen einer Handlung, die niemanden anderes Leben in seinem Wesen berührt. Drittens liegt der Grund in einem völlig überzogenen Eigentumsbegriff, welcher auf die Maxime zurückzuführen ist, daß alles Leben nach seinem Geldwert taxiert und ökonomischen Regeln unterworfen werden soll. Welches Eigentum ist aber schützenswert? Für die meisten Menschen betrifft der Eigentumsschutz vor allem ihre Gebrauchsgegenstände, mit denen sie das tägliche Leben bestreiten. Für wenige schützt er vor allem Dinge, die sie nicht brauchen und nicht benutzen: Reichtümer, Eitelkeiten, Land daß sie nicht beackern und niemals betreten haben- manche besitzen vor allem, um andere von dem Besitz auszuschließen. Und was ist die Leistung eines Musikers wert, wenn sie tot auf einem Medium gespeichert ist? Jeder Mensch würde einsehen, daß er für ein Konzert bezahlen soll- schliesslich arbeitet da jemand. Bei einer Aufnahme, die man sich vielleicht einmal anhört ist der Kaufpreis dabei völlig überzogen. Wenn man ein Album wirklich mag, kauft man es sich ohnehin. Die Rechtsordnung orientiert sich am Schutz der Macht und dem Reichtum der Mächtigen, sie geht dabei am Leben vor bei. Auch Ökonomie ist nicht "das Leben", sondern nur ein Teil davon- mehr nicht.
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