Internet-Telefonie Skype läuft wieder

Nach einem mehr als eintägigen Ausfall gibt der Voice-Over-IP-Service Skype Entwarnung: Die Störung im Kommunikationsnetz sei weitgehend behoben. Wie es zu dem System-Crash kam, erklärte das Unternehmen nicht - dementierte aber Vermutungen, der Dienst sei gehackt worden.


San Francisco - Gegen zwei Uhr morgens gab das Unternehmen Skype in seinem Heartbeat-Blog Entwarnung. Die Probleme beim Einstieg in das System seien weitgehend gelöst, schrieb Mitarbeiter Villu Aruk. Bei den Diensten Skype Presence und der Chat-Funktion könne es weiterhin zu Problemen kommen, man werde diese jedoch in den nächsten Stunden beheben. "Wir haben Extra-Vorräte an Pizza und Kaffee bestellt und versprechen, dass niemand das Firmengebäude verlassen wird, ehe nicht alles wieder normal läuft", schreibt Aruk. Nutzern, bei denen der Telefondienst noch immer hakt, empfiehlt das Unternehmen, das Programm einfach laufen zu lassen. Die Störung behebe sich auf Nutzerseite von selbst. Ein Neustart des Computers oder Änderungen in den Einstellungen seien nicht erforderlich.

Nähere Erklärungen, wie es zu dem massiven Ausfall gekommen ist, gab das Unternehmen hingegen noch immer nicht. Nach Angaben der "New York Times" basiert der Skype-Crash auf einem systemimmanenten Fehler, der bereits besteht, seit der Service im Jahre 2003 aus der Taufe gehoben wurde: Das Skype-Netzwerk funktioniert einerseits über eine sogenannte P2P-Infrastruktur, bei der jeder ans Netzwerk angeschlossene Computer zeitweilig als Server fungiert. Andererseits existieren zentrale, vom Service-Provider verwaltete Knotenpunkte, sogenannte "supernodes", die den Zugang der Kunden zum Gesamtnetzwerk regeln.

Anscheinend befindet sich in der Skype-Software ein Fehler, der eine Verbindung zwischen Kundensoftware und Supernode-Servern erschwert. Warum dieser offenbar vier Jahre alte Software-Fehler gerade jetzt das Netzwerk lahmlegt, ist noch weitgehend unklar.

Offenbar kein Hacking-Angriff

Skype-Techniker redeten gegenüber der "New York Times" von "Problemen im Basisnetz des Internets in manchen Teilen der Welt". Skype-Sprecher betonten im Heartbeat-Blog, dass man nicht Opfer eines Hacker-Angriffs geworden sei. Darüber war spekuliert worden, nachdem im Internet Anleitungen kursierten, wie man Skype angreifen könne.

Der Internet-Telefondienst, bei dem über 220 Millionen Nutzer registriert sind, war am Donnerstag und Freitag massiv gestört gewesen Millionen Nutzer waren stundenlang offline. Betroffen waren viele Kleinunternehmen, die ihre herkömmlichen Telefonanschlüsse gekündigt haben und ausschließlich über Skype telefonieren. Ihnen war es über Stunden unmöglich, Kunden und Kollegen telefonisch zu kontaktieren.

Mit der Software von Skype können Nutzer über das Internet kostenlos telefonieren und untereinander Textnachrichten verschicken. Das 2002 gegründete Unternehmen hat seinen Hauptsitz Sitz in Luxemburg. Im September 2005 kaufte die Internet-Auktions-Plattform eBay Skype für umgerechnet 2,45 Milliarden Euro.

ssu/dpa



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