Internet-TV Stage6 ist tot - die Klone kommen

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2. Teil: Erste illegale Stage6-Klone füllen die Lücke in der Web-TV-Landschaft - und die Industrie antwortet mit kostenlosen Inhalten


Der Markt ist da

Doch es gibt noch ein neues Phänomen auf den Aggregatorenseiten, das erklären könnte, warum dem DivX-Board Zweifel über die Chancen eines Web-Filmvertriebs gekommen sein könnten. Erstmals finden sich dort seit Dienstag massiv Links hin zu legalen Filmquellen: Hulu ist online.

Das in YouTube-Kreisen lange als "Clown Inc." verlachte Videoportal ist der erste Versuch der Entertainment-Industrie, selbst mit werbefinanzierten Web-Videos in den Markt einzugreifen. Fox, MGM, Sony and Universal machen mit und offerieren Top-TV-Serien und einzelne Filme.

Und anders als die Musikindustrie, die sich zur Zeit der ersten P2P-Börsen jahrelang streitend gegenseitig auf den Füßen stand, statt auf die Herausforderung zu antworten, scheinen die Film- und TV-Firmen die Sache gleich ernsthaft anzugehen: Überraschend liberal ist vor allem der Umgang mit der Video-Ware bei Hulu. Nicht genug, dass Hulu seine Inhalte an Partner ausliefert, es erlaubt auch, die Inhalte auf privaten Webseiten und auf den Profilseiten von Social Networks einzubinden - klar, die Werbung nimmt man ja mit.

Zumindest in den USA könnte das die Web-TV-Landschaft völlig auf den Kopf stellen. Bisher waren es gar nicht die so hoffnungsvoll gestarteten Videoseiten selbst, über die Film- und TV-Sucher ihre Inhalte fanden, sondern die Aggregatorenseiten, die die auf fremden Servern versteckten Raubkopien zugänglich machten. Auch der Erfolg, an dem Stage6 angeblich erstickte, kam so zustande: Über die Stage6-Seite fand man Kurzfilme und (fast immer legale) Musikvideos. Durch die Hintertüren von Aggregatoren wie Joox fand man auf den Stage6-Servern aktuelles Kino.

Abschied vom Graumarkt?

Jetzt deutet sich an, dass Angebote wie Hulu diesen Graumarkt zwischen den Videoseiten für sich instrumentalisieren könnten. Die Effekte könnten massiv sein: Ein Raubkopien-Parkplatz wie das weitgehend unbekannte Tudou aus China liefert täglich fünfmal mehr Video-Minuten aus als das in den Medien beachtete YouTube. Geschuldet ist das der Lauflänge der dort hinterlegten Filme: Netz-Nutzer suchen im Web schon lange nicht mehr nur nach körnigen YouTube-Häppchen, sie wollen fernsehen.

Und dabei ist ihnen die Quelle eines Streams völlig egal - Hauptsache, die Qualität stimmt: Sie suchen nicht nach Raubkopien, sondern nach Inhalten. Mag sein, dass das Ende von Stage6 und der Beginn von Hulu eine Wende in der Geschichte des gestreamten Web-TV markiert - zumindest in den Staaten. Denn hierzulande bekommt man attraktive legale Inhalte wie Hulu nicht zu sehen.

Legal oder illegal, die Zukunft ist auf jeden Fall HD - und hier stehen sich derzeit nur zwei diskutable Optionen gegenüber: Videos, die wie bei Hulu via Flash ausgeliefert werden und mit dem von der Aachener Firma Main Concept entwickelten H.264-Codec kodiert sind auf der einen, der DivX-Mpeg4-Codec auf der anderen. Der findet nun zum Beispiel auf Microsofts Xbox und ihren Online-Filmdiensten seinen Einsatz.

Mag sein, dass DivX zu diesem Thema am Donnerstag noch mehr zu sagen hat.

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