Interview mit Urs Hölzle, Google "Wir suchen Problemlöser"

Der Suchmaschinen-Gigant Google wächst gegen den weltweiten Trend. Nun expandiert die Firma erstmals in großem Stil nach Europa. Google-Vizepräsident Urs Hölzle erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE, warum die Firma einige Probleme hat, dafür die passenden Mitarbeiter zu finden.


Urs Hölzle

Urs Hölzle

SPIEGEL ONLINE

: Herr Hölzle, Google will seine neue Europa-Niederlassung in der Schweiz aufbauen. Warum gehen Sie ausgerechnet nach Zürich - und nicht nach München, Dresden oder Saarbrücken?

Urs Hölzle: Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Da spielen geografische Fragen eine Rolle, also Transportsystem oder Erschließung und auch die Steuern. Am wichtigsten ist aber das allgemeine Lohnniveau.

SPIEGEL ONLINE: Und da wählen sie ausgerechnet das Höchst-Lohnland Schweiz?

Hölzle: Die hohen Löhne sind für uns ein Vorteil, kein Nachteil. Versetzen Sie sich in unsere Situation: Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit unserer Mitarbeiter nicht vom Standort Zürich kommen wird und versuchen, die besten Talente von überall heranzuziehen. Und in einem Hochlohnland ist es viel einfacher, Leute aus anderen Ländern dazu zu bringen, zu uns zu kommen. Wir brauchen hoch qualifizierte Fachkräfte. Es ist nicht so, dass es die im Übermaß gibt.

SPIEGEL ONLINE: Aber alleine in den USA bekommen Sie jeden Tag 1000 Bewerbungen ...

Hölzle: Es sind sogar gut 1500. Aber von denen stellen wir nur einen ganz kleinen Bruchteil ein, vielleicht einen Mitarbeiter am Tag.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele neue Mitarbeiter wollen Sie denn für Ihre Europa-Niederlassung anheuern?

Hölzle: Wir haben keine konkreten Zahlen im Kopf. Anfangs werden wir es wohl ein bisschen langsamer angehen lassen, um sicherzustellen, dass das neue Office perfekt mit unserem Stammsitz vernetzt wird. Im ersten Jahr werden wir vielleicht ein paar dutzend Leute einstellen.

SPIEGEL ONLINE: Was muss ein zukünftiger Mitarbeiter von Google können?

Hölzle: Im Allgemeinen schauen wir auf ein breites und tiefes Fachwissen aus dem Informatik-Studium. Die meisten unserer Leute in den USA haben einen Master oder einen PhD in Informatik. Weil es nicht so viele erfahrene Suchmaschinen-Ingenieure gibt, kommt es uns gar nicht so sehr auf die Erfahrung an, sondern auf das Können. Wir suchen Problemlöser.

SPIEGEL ONLINE: Worauf wollen Sie sich in Zürich spezialisieren?

Hölzle: Das kommt ein bisschen darauf an, welche Leute wir einstellen können. Wir wollen uns auch - aber nicht nur - mit der Suche in Europa beschäftigen, also sicher sein, dass wir auch auf deutsch oder französisch die beste Suchmaschine sind. Davon abgesehen wird es viele gemeinsame Projekte mit Arbeitsgruppen in den USA geben.

SPIEGEL ONLINE: Google expandiert in Zeiten der anhaltenden Dot-Com-Tristesse. Sehen Sie das auch als Aufbruchsignal für andere Unternehmen?

Hölzle: Wir leben ein bisschen in einer anderen Welt. Google unterscheidet sich stark von einem "normalen" IT-Unternehmen. Erstens sind wir in einem Markt, der sich noch immer stark ausdehnt und zweitens sind wir eine Firma, die besonders stark technisch geprägt ist. Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir neue Märkte eröffnen können, wenn es uns gelingt, ein bestimmtes Problem technisch zu lösen.

SPIEGEL ONLINE: Berichte über einen bevorstehenden Börsengang von Google haben vor einiger Zeit für längst verloren geglaubte Euphorie bei Banken und Anlegern gesorgt. Doch seit langem hat man nichts konkretes mehr dazu gehört. Haben Sie die Pläne wieder begraben?

Hölzle: Wir haben uns nie öffentlich zu diesen Berichten geäußert. Von uns aus gesehen hat sich also nichts geändert: Wir geben keine Auskunft dazu.

Das Interview führte Christoph Seidler.



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