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03. November 2016, 14:29 Uhr

Fotoformat RAW

Profi-Fotos mit dem iPhone knipsen

Von Markus Schelhorn

Seit dem Update auf iOS 10 können aktuelle iPhones Fotos auch im Rohdaten-Format RAW aufnehmen. Die Technik bietet erstaunliche Möglichkeiten, Schnappschüsse zu verbessern. Wir zeigen, wie man sie nutzt.

Für Hobbyfotografen bietet das aktuelle iPhone-Betriebssystem iOS 10 eine bemerkenswerte Neuerung: Die Software ermöglicht es, Fotos auch im RAW-Format aufzunehmen. Dieses sogenannte Rohdatenformat ermöglicht es, mehr Details aus einer Aufnahme zu kitzeln, als es mit dem sonst üblichen JPEG-Format möglich wäre.

Um von diesem Vorteil profitieren zu können, muss man allerdings ein wenig Zeit investieren, jedes Bild nach der Aufnahme bearbeiten, es sozusagen per Software entwickeln, so wie früher einen analogen Fotofilm. Doch das bisschen Arbeit lohnt sich und tiefes Fachwissen ist dafür nicht nötig. Per App lassen sich Rohdaten-Bilder unkompliziert am iPhone bearbeiten.

Die Voraussetzung, um RAW-Fotos knipsen zu können ist allerdings, ein relativ aktuelles iPhone, also ein Modell der 6S-Serie, ein iPhone 7 oder ein iPhone SE. Beim iPhone 7 Plus funktioniert RAW bislang nur mit der Weitwinkel-Kamera. Von den iPads beherrscht ausschließlich das kleine iPad Pro die neue Fototechnik. Ein Alleinstellungsmerkmal für Apple ist RAW aber nicht. Auch Firmen wie Samsung, LG, Motorola, Google, Sony und HTC bieten Smartphones an, die RAW-Aufnahmen machen können.

RAW braucht mehr Speicher

Das iPhone speichert die Fotos normalerweise als JPEG-Datei, die man sofort verwenden kann. Dabei peppt Apples iOS die Fotos automatisch auf: Starker Kontrast, starke Schärfung und sattere Farben lassen die Bilder knackig erscheinen. Doch damit gehen auch Bildinformationen verloren, die man insbesondere dann braucht, wenn man die Fotos nachträglich korrigieren möchte. Bemerkbar macht sich dies vor allem in Aufnahmesituationen, die für eine Kamera schwierig sind, etwa ein Motiv mit strahlendem Himmel und Wald.

Mit einem Foto im Rohdaten-Format lassen sich aus solchen Aufnahmen mehr Details herauskitzeln. Das Ausgangsbild bleibt dabei erhalten. Erst wenn das Bild zur eigenen Zufriedenheit nachbearbeitet wurde, speichert man eine Kopie davon beispielsweise als JPEG-Datei.

Allerdings sollte man den Einsatz von RAW-Bildern sorgsam planen, denn sie belegen etwa dreimal so viel Speicherplatz wie ein JPEG-Bild. Bei den Rohdaten-Aufnahmen eines iPhones sind dies, abhängig vom Bildinhalt, rund 15 Megabyte pro Bild.

Mit Apples Kamera-App selbst lassen sich keine Fotos im Rohdaten-Format aufnehmen, stattdessen muss man dafür auf Apps von Drittanbietern zurückgreifen. Zur Wahl stehen beispielsweise Adobe Photoshop Lightroom, die 4,99 Euro teure App Pro Cam 4 und die Gratis-App Flannl. Mit den Suchbegriffen "RAW Camera" und "DNG" findet man im App Store weitere RAW-taugliche Kamera-Apps.

Die mobile Version von Adobe Photoshop Lightroom wird kostenlos angeboten, bietet bereits eine Vielzahl von Möglichkeiten. Einige Funktionen setzen jedoch ein Creative-Cloud-Abo bei Adobe voraus, für das mindestens 142 Euro pro Jahr fällig werden.

Nur mit einem solchen Abo lassen sich Fotos im RAW-Format auf andere Geräte übertragen, um diese beispielsweise auf einem Windows-PC oder Apple-Rechner weiter zu bearbeiten. Ohne Creative-Cloud-Abo lassen sich die per Lightroom-App bearbeiten Fotos nur als JPEG-Datei exportieren. Das allerdings auf Wunsch in voller Auflösung.

Die Kamera-Funktion von Lightroom ist übersichtlich: Man kann zunächst zwischen dem JPEG- und RAW-Format wählen, beide Formate gleichzeitig, wie es einige Fotoapparate bieten, lassen sich indes nicht aufnehmen. Die Bildsteuerung beschränkt sich auf Einstellungen für den Blitz, den Weißabgleich, Belichtungskorrektur und Selbstauslöser. Dazu kommen einblendbare Gitter für eine bessere Bildkomposition sowie die Möglichkeit, per Fingertipp den Fokuspunkt zu ändern.

RAW-Bilder auf dem iPhone bearbeiten

Sehr umfangreich sind dagegen die Bearbeitungsmöglichkeiten von Lightroom, die man in der mobilen Version kostenlos verwenden kann. Gezielt und in hoher Qualität lassen sich die Fotos korrigieren, das Bildrauschen verringern oder verschiedene Bildstile anwenden.

Praktisch ist die Möglichkeit, nur bestimmte Bildbereiche zu bearbeiten. So lässt sich beispielsweise schnell und gezielt nur der Himmel abdunkeln oder, ganz im "CSI-Miami"-Stil, purpurn einfärben.

Fazit

Es ist beeindruckend, welche zusätzlichen Bildinformationen sich aus dem Rohdaten-Format herausholen lassen. Einige Beispiele dafür finden Sie in unserer Fotostrecke. Allerdings bekommt man bessere Bilder nicht umsonst, muss etwas Zeit investieren und im iPhone genug Speicher für die großen Bilddateien haben. Ein Adobe-Abo braucht man dafür hingegen nicht. Alle wichtigen Funktionen, zum Aufnehmen und Bearbeiten von RAW-Fotos lassen sich auch kostenlos mit der Lightroom-App nutzen.

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