Umgang mit Enthauptungsvideos Soziale Netzwerke wehren sich gegen IS-Propaganda

Soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook und YouTube versuchen, die Verbreitung von "Islamischer Staat"-Propaganda einzudämmen. Beim zweiten Enthauptungsvideo der Terrormiliz hat das anscheinend geklappt.
Anhänger des "Islamischen Staats" (Archivbild): Die Miliz hofft darauf, dass sich ihre Videos im Netz verbreiten

Anhänger des "Islamischen Staats" (Archivbild): Die Miliz hofft darauf, dass sich ihre Videos im Netz verbreiten

Foto: © STRINGER Iraq / Reuters/ REUTERS

Die großen sozialen Netzwerke verzeichnen Erfolge dabei, die Verbreitung von Propagandavideos des "Islamischen Staats" (IS) einzudämmen. Sie scheinen die Verbreitung eines Clips der Terrormiliz weitestgehend verhindert zu haben, der augenscheinlich die Enthauptung des US-Journalisten Steven Sotloff zeigt. Dabei waren sie erfolgreicher als beim Video von der Enthauptung des Fotoreporters James Foley. Das Foley-Video hatte sich im August rasant über diverse Plattformen verbreitet. Auch traditionelle Medien zeigten Ausschnitte aus dem Video und zogen damit Kritik auf sich .

Stephen Balkam, Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation Family Online Safety Institute, sagte nun, es sei sehr interessant, wie wenige Bilder des zweiten Enthauptungsvideos im Umlauf seien. Es sei schwierig, sie zu finden, wenn man nicht einige der "dunkleren Orte des Internets" kenne.

"Die Plattformen waren diesmal besser vorbereitet", sagte ein anonymer Silicon-Valley-Insider der Nachrichtenagentur AP. Seiner Ansicht nach versuchen die großen sozialen Netzwerke, den IS aus ihren Diensten herauszudrängen, "Plattform für Plattform". Ein Mitarbeiter eines anderen Technologiekonzerns sagte, sein Unternehmen habe kurze Zeit, nachdem das Sotloff-Video im Netz auftauchte, mehrere Nutzeraccounts geschlossen.

Der IS hat den Ruf, in Sachen Online-Eigenwerbung vergleichsweise professionell zu agieren. Dabei soll die Miliz sogar eher unpopuläre Netzwerke wie Diaspora verwenden. Twitter-Nutzer nutzen mittlerweile den Hashtag #ISISmediaBlackout, um gegen die Verbreitung von IS-Propaganda und insbesondere der Hinrichtungsvideos zu protestieren. Auch Medien werden dabei für ihre Berichterstattung angegriffen.

Twitter geht aktiv gegen IS-Videos vor

Twitter, Facebook und YouTube haben bekundet, ihnen sei nicht daran gelegen, dass ihre Plattformen zum Verbreiten von IS-Propaganda genutzt werden. So kündigte Twitter Mitte August an, gegen die Weitergabe des Foley-Videos vorzugehen. "Wir haben bereits aktiv Nutzerkonten gesperrt und werden dies weiter tun, wenn die Nutzer uns im Zusammenhang mit diesen drastischen Aufnahmen auffallen", schrieb Twitter-Chef Dick Costolo.

Im Fall Foley hieß es, das Außen- und das Verteidigungsministerium der USA hätten sich an die Betreiber von Online-Diensten gewandt, mit der Bitte um einen angemessenen Umgang mit den Aufnahmen.

Von Googles Videoplattform YouTube heißt es auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage: "YouTube hat klare Richtlinien, die Inhalte wie grundlose Gewalt, Hassreden und Anstiftungen zu gewalttätigen Handlungen verbieten, und wir entfernen Videos, die gegen diese Richtlinien verstoßen, sobald sie gemeldet werden." Zudem entferne die Plattform jeden Account, der von Mitgliedern bekannter terroristischer Organisationen betrieben werde oder "in einer offiziellen Funktion zur Verfolgen ihrer Interessen genutzt wird".

Bürgerrechtler kritisieren die Löschungen

Aktiv sucht das Unternehmen allerdings nicht nach IS-Inhalten, es verlässt sich auf Meldungen durch Nutzer und zum Beispiel staatliche Stellen. Man werde die Überprüfung von Inhalten "niemals automatisieren, weil eine Maschine den Kontext eines Videos nicht bewerten kann", schreibt YouTube außerdem. "Im Kontext einer Dokumentation gepostetes Material wird zum Beispiel anders behandelt als Material, das Hass schüren soll."

Von einem Facebook-Sprecher heißt es, das Unternehmen erlaube terroristischen Gruppen wie dem IS nicht, sein Netzwerk zu nutzen. Außerdem sei es Personen oder Gruppen nicht erlaubt, für Terrorismus zu werben oder bildliche Inhalte mit sadistischer Absicht zu verbreiten. Die Plattform wolle ihren Nutzern einerseits ermöglichen, die oft brutale Welt um sie herum zu dokumentieren, anderseits wolle Facebook Menschen vor besonders einschlägigem Inhalt schützen.

So vernünftig es klingt, dass zum Beispiel Enthauptungsvideos offline genommen werden, die US-Konzerne handeln sich mit ihrem Vorgehen auch Kritik ein. Jillian York etwa, eine Mitarbeiterin der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), findet, dass Firmen wie Twitter und Facebook Inhalte niemals entfernen sollten, wenn sie nicht das Gesetz dazu zwingt. Das Problem sei, dass die Regeln der Netzwerke bislang ungleichmäßig durchgesetzt würden, findet York. Die Accounts mancher Nutzer, die das Foley-Video weitergereicht haben, hätte Twitter blockiert. Als Zeitungen oder der israelische Premierminister dasselbe getan hätten, sei das Unternehmen aber nicht eingeschritten.

mbö/AP
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