IT-Legenden heute Microsoft-Mitgründer bastelt an Mobilfunk-Imperium

Software-Milliardär Paul Allen dichtet Songs über die Einsamkeit und finanziert, was immer ihn interessiert: Raumschiffe, Science-Fiction-Museen, Basketballteams. Jetzt will Allen US-Mobilfunk-Frequenzen ersteigern und seinen Traum vom Drahtlos-Internet erfüllen.


Paul Allen sammelt gern: Für 200 Millionen Dollar hat er sich ein Footballteam gekauft, für etwas weniger eine Basketballmannschaft. Der Microsoft-Mitgründer – ledig, 54 Jahre alt, laut "Forbes" 18 Milliarden Dollar schwer – listet auf seiner Webseite seine Sammlung detailliert auf, in thematischen Kategorien wie Kreativ (Kinos, Proberäume), Luftfahrt (Raumschiff-Produktion) und Museen (Musik, Science-Fiction, Flugzeuge, Computer).

Nun will sich der superreiche Sammler Allen ein paar US-Sendefrequenzen für Mobilfunk und Drahtlos-Datenverkehr einverleiben. Seine Investment-Firma Vulcan wird Ende Januar bei der Versteigerung der US-Breitbandfrequenzen mitbieten – gegen Konzerne wie Google. Die Frequenzen werden frei, weil TV- und Radiosignale von 2009 an nur noch digital übertragen werden. Marktbeobachter sehen die Auktion als letzte Chance ür Neueinsteiger in den Markt für Drahtlos-Datentransfers.

Allen träumt von der "vernetzten Welt"

Auf den Drahtlos-Markt hat Paul Allen offenbar schon lange ein Auge geworfen. Seine Unternehmen haben 2002 und 2003 mehrere Funk-Lizenzen gekauft, berichtet das "Wall Street Journal". Was Allen mit seiner Funk-Sammlung vorhat? Ein Sprecher Allens lehnte gegenüber dem "Wall Street Journal" jeden Kommentar dazu ab.

Natürlich könnte der Microsoft-Milliardär die attraktiven Lizenzen bunkern und irgendwann mit Gewinn verkaufen. Andere Möglichkeit: Allen erfüllt sich seinen Traum der "vernetzten Welt". Unter diesem Leitmotiv ("Wired World") kaufte Allen sich in den neunziger Jahren ein Firmenimperium zusammen. Allens Vision: Computer, Heimunterhaltung, TV und das Internet verschmelzen zu einem großen, neuen, einheitlichen Etwas. Allen kaufte Satelliten-Fernseh-Anbieter, Kabelnetzfirmen und das Start-Up Metricom, das große US-Städte mit einem Drahtlos-Netzwerk überziehen wollte.

Gates über Allen: "brillant, aber naiv"

Das Problem bei all diesen Investitionen: Die vernetzte Welt wurde nicht so schnell Wirklichkeit, wie Allen sich das erträumte. Allen war einfach zu schnell. Sein Schulfreund Bill Gates kommentierte Allens Investitionen 2004 in "Business Week" so: "Er war brillant, naiv und zu früh dabei." Zwölf Milliarden Dollar sollen Allen seine Investitionen in die vernetzte Welt gekostet haben, vor allem für Kabelfirmen hat er zu viel bezahlt.

Angesichts dieser Misserfolge verhöhnte das US-Magazin "Wired" Allen als "Milliardär aus Zufall", aus dem Artikel ist sogar eine Biografie mit demselben Titel geworden. Allen wehrt sich gegen solche Schmähungen. Er mag als Investor manchmal eher seinen Träumen als den Bilanzen gefolgt sein, doch das Spielgeld dafür hat er sich ebenso hart erarbeitet wie sein Schuldfreund Bill Gates. Sie lernten sich in der Lakeside School kennen, einem Elite-Schule in Seattle. Hier haben die Teenager Allen und Gates zusammen ein Tic-Tac-Toe-Spiel für den Schulcomputer programmiert.

Nach der Schule studierte Allen ein wenig, brach nach zwei Jahren ab, um als Programmierer in Boston zu arbeiten. In der Nähe studierte Allens Schuldfreund Gates in Harvard, die beiden programmierten zusammen Software für Rechner mit den ersten Intel-Chips, entwickelten Versionen der Programmiersprache Basic für verschiedene Rechner, nahmen zusammen den Auftrag von IBM an, ein Betriebssystem für den ersten PC zu entwickeln.

Paul Allen finanziert, was ihn interessiert

Dieses Geschäft machte Microsoft groß: Mit dem IBM-PC wuchs die kleine Programmierer-Klitsche zum Konzern. Bill Gates hat öffentlich immer den Anteil Allens am Erfolg betont. Gegenüber "Business Week" erklärte er: "Diese Firma haben zwei Freunde gegründet, die zusammen 18 Stunden täglich gearbeitet und Computer entdeckt haben. Ohne die Brillanz von Pauls Verstand wäre das nicht passiert."

IT-Legenden
Wir stellen in der Reihe "Blick zurück -: Was die IT-Legenden heute machen" in loser Folge die Gründer-Legenden (und die vergessenen Mütter und Väter!) des Webs, der Computer und Spiele vor. Wen wünschen Sie sich in dieser Übersicht? Schicken Sie uns Ihre Anregungen mit einer kurzen Begründung. Am besten per E-Mail.
Paul Allen zog sich mit 30 Jahren vom Microsoft-Geschäft zurück: Er war an Krebs erkrankt. Nach seiner Genesung kehrte Allen nicht mehr zum Microsoft-Tagesgeschäft zurück. Er verkaufte Zug um Zug Microsoft-Aktien, um seine eigenen Investitionen zu finanzieren: 1986 gründete er seine Beteiligungsfirma "Vulcan Ventures". Schaut man sich die Vulcan-Beteiligungen - an, scheint nur dieser gemeinsame Nenner sie zu verbinden: Paul Allens Interesse.

Microsoft-Milliardär dichtet über die Einsamkeit

Der Microsoft-Milliardär – er lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester auf einem Anwesen bei Seattle - macht, was ihm Freude bereitet. Er besitzt eine der größten Privatyachten der Welt (126 Meter lang), ließ sich für die "Octopus" von der Berliner Porzellanmanufaktur sogar ein Service mit Oktopus-Motiven fertigen. Aber Allen prasst nicht nur, er ist auch einer der größten Spender der Vereinigten Staaten.

Nebenbei bezahlte der Jimi-Hendrix-Fan Allen 240 Millionen Dollar für den Bau eine Rock'n'Roll-Museums in Seattle – das Gebäude entwarf Stararchitekt Frank O. Gehry. Allen spielt selbst Gitarre – auf der Webseite seiner Band "Grown Men" kann man Allens Kompositionen hören und seine Texte lesen.

Allen dichtet ausschließlich in Paarreimen, schreibt traurige Zeilen wie "Ich bin verloren, verloren in einem Labyrinth."



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