Italien Hacker wollen Cyber-Polizei ausgespäht haben

Hacker aus dem Umfeld von Anonymous haben die Veröffentlichung von über acht Gigabyte geheimer Daten der italienischen Internetpolizei Cnaipic angekündigt. Sie wollen die "korrupten" Machenschaften der Behörde anprangern - und sich für die Festnahmen der letzten Woche rächen.
Hacker in Aktion: Angeblich hat es die italienische Cyber-Polizei getroffen

Hacker in Aktion: Angeblich hat es die italienische Cyber-Polizei getroffen

Foto: DPA

Die italienische Hacker-Gruppe "Legion of Anonymous Doom" behauptet, durch einen Hackerangriff an acht Gigabyte brisanter Daten aus der digitalen Asservatenkammer der italienischen Cyber-Behörde Cnaipic (auf Deutsch: Nationales Antikriminalitäts-Informationszentrum zum Schutz kritischer Infrastruktur ) gelangt zu sein.

Glaubt man den Hackern, so enthalten die Daten Informationen von Firmen und Institutionen, die auf die ein oder andere Weise mit kritischen Infrastrukturen zu tun haben: Öl- und Kernenergiefirmen wie Gazprom und Exxon Mobile, Behörden wie das australische Verteidigungsministerium oder das amerikanische Landwirtschaftsministerium, ukrainische Botschaften, Weißrusslands Außenministerium. In einem Bekennerschreiben erklären die Hacker, dass die Daten auf Rechnern gefunden wurden, die italienische Strafvollzugsbehörden bei Häftlingen beschlagnahmt hatten. Das Cnaipic verwende die Daten "ungestraft im großen internationalen Spionagespiel"; Strukturpläne der Cnaipic-Organisation und Auszüge aus dem Datenberg sollen diese Vorwürfe unterstützen.

Bald schon werde man weitere Daten veröffentlichen, um die "illegalen und amoralischen Praktiken" der Strafverfolgungsbehörden aufzudecken, erklären die Hacker.

Der Hack ist aber auch als Racheaktion für die Hausdurchsuchungen und Festnahmen bei mutmaßlichen italienischen Anonymous-Mitgliedern zu verstehen. Im Bekennerschreiben heißt es dazu: "Unsere Bewegung im Namen [der Hack-Bewegung] #Antisec hat nun viele Mitglieder, die die bevorstehenden italienischen Hackaktionen unterstützen werden. Dies ist ein Aufruf zum Kampf für unsere Anonymous-Freunde, die kürzlich in Italien, Europa und den USA verhaftet wurden."

Eine Sprecherin der italienischen Polizei bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass man von dem angeblichen Hackerangriff wisse. Man untersuche den Fall und müsse erst einmal herausfinden, ob - und wenn ja, welche - Daten abhanden gekommen seien. Eine ausführliche Stellungnahme werde folgen, sobald die Untersuchung abgeschlossen sei. Eine Stellungnahme der italienischen Anonymous-Mitglieder steht noch aus.

Die losen Hackervereinigungen Anonymous und LulzSec hatten zuvor angekündigt, ihre Angriffe auf Unternehmen und Regierungen fortzusetzen. Vergangene Woche hatten Ermittler in den USA, den Niederlanden und Großbritannien nach offiziellen Angaben insgesamt 21 mutmaßliche Hacker festgenommen.

fko