Twitter-Chef über Donald Trump "Es ist kompliziert"

Auf einer Konferenz in San Francisco wurde Twitter-Chef Jack Dorsey zu seiner Haltung zu Donald Trump befragt. Die Antwort fiel ausweichend aus - und ist symptomatisch für die Bosse im Silicon Valley.
Twitter-CEO Jack Dorsey

Twitter-CEO Jack Dorsey

Foto: Richard Drew/ AP

Jack Dorsey ist offensichtlich nicht wohl dabei, wenn er zu seiner Haltung zum künftigen US-Präsidenten Donald Trump befragt wird. Bei einer Konferenz in San Francisco wollte Kara Swisher, Chefredakteurin des Tech-Magazins "re:code", von Dorsey wissen, wie er Trump gegenüber empfinde. Dorseys Antwort lautete schlicht: "kompliziert".

Zuvor war es Dorsey "The Verge " zufolge noch recht leicht gefallen, sich aus der Frage herauszuwinden, ob er sich dafür verantwortlich fühle, dass Trump zum nächsten Präsidenten der USA gewählt worden ist. Dorsey fand: "Amerika ist dafür verantwortlich, dass Donald Trump Präsident ist." Zudem ermögliche Trumps intensive Twitter-Nutzung jedermann, jederzeit mitzuerleben, was dem künftigen Präsidenten gerade durch den Kopf gehe.

Er fände das interessant und faszinierend, erklärte Dorsey, wohl darauf bedacht, keine Wertung über Trumps oft aufsehenerregenden Aktivitäten auf Twitter abzugeben. Trump hat derzeit rund 17 Millionen Follower, die jeden seiner Tweets empfangen. Mitarbeitern des künftigen Präsidenten zufolge schreibt Trump seine Tweets stets selbst auf seinem Smartphone. Computer benutze er nicht, heißt es.

Welche Macht Trumps Tweets haben, zeigte sich gerade erst, als er die Kosten für die künftigen Präsidentenflugzeuge kritisierte. Auf Twitter drohte Trump, den Vier-Milliarden-Dollar-Auftrag für den Bau zweier neuer Boeing 747 zu stornieren. Mit Erfolg. Zuerst brach der Kurs der Boeing-Aktie ein, dann gelobte der Flugzeughersteller, die Kosten für die neuen US-Präsidentenmaschinen unter Kontrolle zu halten.

Twitter hat sich bisher nicht klar zu Trumps Gebahren auf dem sozialen Netzwerk positioniert. Und genau so hielt es dann auch Dorsey auf jener Konferenz in San Francisco. Er sei stolz auf die Rolle, die Twitter spiele, wofür das Unternehmen stehe und auf alles, was die Firma bisher getan habe, sagte er. "Vor allem weil es durch seine Nutzung und durch die Wahlen so im Rampenlicht steht."

Dorseys Haltung ist exemplarisch für das, was in der amerikanischen Hightech-Branche gerade vor sich geht. Viele Unternehmen aus dem Silicon Valley hatten sich im Wahlkampf klar gegen Trump und für Hillary Clinton positioniert. Nach der Wahl fielen die meisten in einen Zustand, der als "verwundert und ablehnend" beschrieben wird.

Trumps Übergangsteam um PayPal-Gründer Peter Thiel bemüht sich nun offenbar darum, die Wogen zu glätten und die Unternehmen zur Zusammenarbeit zu bewegen. Für den 14. Dezember hat Thiel eine Reihe von IT-Chefs zu einem Treffen mit Trump eingeladen. Während die genaue Liste der Eingeladenen nicht bekannt ist, haben die Chefs von Cisco und Oracle laut "USA Today"  bereits zugesagt. Apple-Chef Tim Cook hingegen hat Informationen von "Appleinsider " zufolge angeblich wegen eines schon lange angesetzten anderen Termins abgesagt.

mak
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