Am Jahrestag des Tiananmen-Massakers Microsoft blendet berühmtes Protest-Bild aus

Das Bild des sogenannten »Tank Man« vom Platz des Himmlischen Friedens ist aus Bing-Suchergebnissen zeitweise verschwunden. Microsoft spricht von einem »unbeabsichtigten menschlichen Fehler«, andere fürchten Zensur.
Der »Tank Man« steht allein vor vier heranrollenden Panzern

Der »Tank Man« steht allein vor vier heranrollenden Panzern

Foto: Jeff Widener/ AP

Wer am Freitagabend in der Suchmaschine Bing nach einem Bild zum »Tank Man« suchte, bekam statt Fotos nur den knappen Hinweis angezeigt: »Keine Suchergebnisse für ›Tank Man‹.« Eigentlich sollte die Bildersuche von Microsoft unter dem Begriff das Bild eines Demonstranten zeigen, der sich einer chinesischen Panzerkolonne entgegenstellt.

Das Bild war laut Berichten von Nutzerinnen und Nutzern sowohl in den USA als auch in anderen Ländern wie Singapur, Großbritannien oder Deutschland aus der Bildersuche verschwunden . Laut Microsoft handelte es sich dabei um ein Versehen. Das Verschwinden des Bildes sei auf einen »unbeabsichtigten menschlichen Fehler« zurückzuführen, sagte ein Microsoft-Sprecher am Freitagabend. Man arbeite daran, das Problem zu beheben, so der Sprecher. Seit den frühen Morgenstunden wird das Bild wieder angezeigt.

Der Vorfall ereignete sich ausgerechnet am 32. Jahrestag des Tiananmen -Massakers. Bei der blutigen Niederschlagung von Demokratie-Protesten am 4. Juni 1989 in Peking entstand auch das nun gesperrte Foto des Mannes im weißen Hemd. Weil der Mann nie identifiziert worden ist, wird er oft als »Tank Man« bezeichnet.

Chinesische Suchmaschinen-Zensur schwappt sonst nicht auf andere Länder über

Die chinesischen Behörden verlangen laut Berichten von Suchmaschinendiensten, die in dem Land operieren, dass sie bestimmte Ergebnisse zensieren. Allerdings werden selten Fälle bekannt, in denen diese Beschränkungen auch auf die Suchergebnisse in anderen Ländern Auswirkungen haben.

Der Chef der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation kritisierte den Vorfall. Die sogenannte Content-Moderation, also zu entscheiden, was blockiert wird und was online bleibt, sei zwar unmöglich perfekt umzusetzen, und es komme ständig zu Fehlern. Aber hier könnte es eine sehr viel problematischere Erklärung geben: »Im schlimmsten Fall haben wir es hier mit einer absichtlichen Unterdrückung auf Ersuchen eines mächtigen Staates zu tun«, so Greene.

Ein bedeutsamer Anteil der für die Suchmaschine Bing zuständigen Microsoft-Belegschaft arbeitet laut ehemaligen Mitarbeitern in China. Dazu zählten auch Mitarbeiter, die an Bilderkennungsprogrammen arbeiten. Auch in der Suchmaschine DuckDuckGo, die einen Privatsphäre-freundlichen Ansatz verfolgt, war das »Tank Man«-Bild zeitweise verschwunden. Das könnte daran liegen, dass die Suchmaschine einige ihrer Ergebnisse von Bing bezieht.

Über die Suche des Bing-Konkurrenten Google war das Foto am Freitag hingegen erreichbar. In China, wo das Internet strikt von den Behörden kontrolliert wird, ist der Zugriff auf Google allerdings blockiert. Im wichtigsten chinesischen Suchdienst Baidu wird das Bild zensiert.

afp/reuters/hpp