JIM-Jugendstudie Facebook verliert, WhatsApp gewinnt

Der Medienwandel hin zur mobilen Nutzung schlägt bei Jugendlichen besonders massiv durch. Die große Mehrheit der Deutschen unter 20 hat ein Smartphone, wie eine aktuelle Studie zeigt. Bitter sind die Ergebnisse für Facebook.
Jugendliche mit Smartphone: Das wichtigste Gerät

Jugendliche mit Smartphone: Das wichtigste Gerät

Foto: Corbis

Hamburg/Stuttgart - Für die sogenannte JIM-Studie  werden jedes Jahr 1200 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt. Im Laufe der Jahre ist so ein Abbild des dramatischen Wandels entstanden, dem die Mediennutzung von Jugendlichen derzeit unterliegt. Ein aktuelles Beispiel aus der heute vorgestellten Studie für 2014 : Vergangenes Jahr nutzten eigenen Angaben zufolge noch 54 Prozent der 12- und 13-Jährigen Facebook - im Jahr 2014 sind es nur noch 34 Prozent. Von mehr als der Hälfte ist der Anteil auf ein Drittel gefallen.

"Die Jüngsten steigen da schon gar nicht mehr ein", sagte Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg, die die Studie unterstützt hat, der dpa. Auf die Frage, welche Communitys sie überhaupt nutzen, nennen nur noch 69 Prozent der Gesamtstichprobe zwischen 12 und 19 Jahren Facebook, 2013 waren es noch 80 Prozent. 94 Prozent der Nutzer von internetfähigen Handys haben dagegen WhatsApp installiert, praktisch unabhängig vom Alter und Geschlecht der Befragten.

Eine Internetplattform, ohne die viele Jugendliche tatsächlich nicht auskommen wollen, ist YouTube. 30 Prozent der Befragten nennen Googles Videoseite auf die Frage nach einem Angebot, "das du zur Zeit besonders gut findest". 81 Prozent der Jungen und 68 Prozent der Mädchen nutzen täglich oder mehrmals pro Woche Videoportale.

Prepaid ist auf dem Rückzug

Gleichzeitig aber nennen 86 Prozent Instant-Messaging-Apps wie WhatsApp als wichtigste Funktion ihrer Telefone, Kommunikation liegt mit weitem Abstand vorne, wenn es um die Handynutzung geht. Im Schnitt wird die App der Befragung zufolge 26-mal pro Tag aufgerufen. Diese Entwicklung dürfte eine maßgebliche Rolle dabei gespielt haben, dass Facebook WhatsApp für den spektakulären Preis von 19 Milliarden Dollar aufgekauft hat. Communitys wie Facebook landen mit 46 Prozent nur auf Platz zwei der als besonders wichtig eingestuften Angebote.

Ein Handy besitzen nahezu alle Jugendlichen, bei 88 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ist es sogar ein Smartphone, und zwar ein ziemlich neues: Im Schnitt sind die Geräte 16 Monate alt, bei den Jüngeren noch neuer. Knapp drei Viertel der Befragten haben zudem eine Flatrate inklusive Internetzugang. Selbst die 12- bis 13-Jährigen haben bereits zu 50 Prozent Flatrate-Verträge. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Prepaid-Nutzer ab, die der Handybesitzer mit Vertrag zu. Die Verteilung liegt jetzt bei etwa halbe-halbe. Je älter ein Jugendlicher ist, desto wahrscheinlicher nutzt er oder sie ein Handy mit Vertrag.

Das Handy ist mittlerweile zwar das wichtigste Gerät im Leben der meisten Jugendlichen, 87 Prozent der Befragten nutzen es eigenen Angaben zufolge täglich. Dennoch besitzen drei Viertel einen eigenen Computer oder Laptop. Einen eigenen Fernseher besitzen nur 56 Prozent, und nur noch 57 Prozent sehen täglich fern. Tageszeitungen nutzen nur noch 32 Prozent der Jugendlichen regelmäßig.

cis