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11. Oktober 2011, 16:56 Uhr

Jugendschutz

Britische Internet-Anbieter führen Pornosperre ein

Der Plan von Premierminster Cameron ist aufgegangen: Die vier größten britischen Internet-Provider führen sogenannten Opt-in-Sperren für Sex im Netz ein. Wer online nackte Körper sehen will, muss das seinem Anbieter künftig explizit mitteilen.

Internet-Nutzer in Großbritannien müssen sich künftig entscheiden: Porno oder nicht? Wie die vier größten Internet-Anbieter des Landes am Dienstag mitteilten, sollen ihre Kunden künftig gezwungen sein, beim Aufruf pornografischer Inhalte "eine aktive Entscheidung" zu treffen. Wer Nacktbilder oder -filme im Netz sehen möchte, müsse dies seinem Provider per Opt-In-Verfahren mitteilen, sich also ausdrücklich dazu bekennen, pornografische oder andere jugendgefährdende Inhalte sehen zu wollen. Kunden, die das nicht tun, wird ein Filter vorgeschaltet, der derartige Inhalte blockiert.

Bisher bieten Internetprovider in Großbritannien und vielen anderen Ländern ihren Kunden in der Regel die Möglichkeit, Jugendschutzfunktionen zu aktivieren oder entsprechende Software zu installieren. Bürgerrechtler kritisieren, das Vorgehen der Provider sei ein erster Schritt hin zu einer Internet-Zensur.

Die Netzanbieter reagieren mit ihrem Schritt auf einen im Juni veröffentlichten Bericht über die Sexualisierung von Jugendlichen. Der Autor des von der Regierung in Auftrag gegebenen Berichts, der Familienrechtsanwalt Reg Bailey, hatte kritisiert, dass die Jugendschutzfilter der Anbieter standardmäßig abgeschaltet seien, also eine aktive Handlung der Eltern erfordern. In seinem Bericht hatte er ein Opt-In-Verfahren gefordert, wie es jetzt umgesetzt werden soll.

Quasi zeitgleich stellt Premierminister David Cameron heute die Website Parentport vor. Sie soll besorgten Eltern als Anlaufstelle dienen. Das neue Internetangebot soll Bürgern die Möglichkeit geben, sich über Fernsehsendungen, Werbung, Produkte und Dienstleistungen zu beschweren, die ihrer Ansicht nach jugendgefährdend sind. Als Betreiber der Seite fungieren dem "Guardian" zufolge die Advertising Standards Authority, der BBC Trust, das British Board of Film Classification, die Regulierungsbehörde Ofcom, die Press Complaints Commission, das Video Standards Council und die Organisation Pan European Game Information (PEGI), die Jugendschutz-Klassifikationen für Videospiele vornimmt.

Die vier Provider, die sich für das Opt-In-Verfahren entschlossen haben sind BT, Sky, TalkTalk und Virgin. Angaben darüber, ab wann sie die neuen Funktionen einführen wollen, blieben die Anbieter bislang schuldig.

mak

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