Router-Software Kabel Deutschland lässt Dritte bei Kunden mitsurfen

Die Privat-Router der Kunden mutieren automatisch zu Hotspots für Fremde. Kabel Deutschland schaltet die Zugänge vieler Nutzer automatisch für einen neuen Homespot-Service frei. Langsamer soll der Internetzugang dadurch nicht werden.
Kabel Deutschland Logo: Der Konzern öffnet die Zugänge seiner Kunden

Kabel Deutschland Logo: Der Konzern öffnet die Zugänge seiner Kunden

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Seit Oktober ist bekannt, dass Kabel Deutschland einen eigenen Homespot-Service  plant - nun scheint der Aufbau rasch voranzugehen. Der Internetdienstanbieter habe Festnetzkunden mit geeigneter Hardware Briefe geschickt, um das Angebot anzukündigen, berichtet Heise Online . Laut Heise ist bei Kabel Deutschland das Teilen des Anschlusses mit anderen der Normalfall. Kunden müssen aktiv werden, wenn ihnen die Idee missfällt. Wer nicht innerhalb von sechs Wochen widerspricht, dem richtet Kabel Deutschland per Fernkonfiguration automatisch einen Homespot ein.

Das Prinzip einer Homespot-Community ist simpel: Kabel-Deutschland-Kunden mit geeigneter Hardware teilen ihren Internetanschluss mit anderen Kunden - in Form eines Homespot genannten Hotspots. Die sogenannte Multi-SSID-Technik, die etwa bei Routern von Hitron und Compal zum Einsatz kommt, macht es möglich, dass das Gerät mehrere virtuelle Funknetze aufbaut. Die pro einem Kabel-Deutschland-Homespot maximal fünf Fremdsurfer sollen so keinerlei Zugriff auf die Daten des Anschlussinhabers haben.

Wer einen Homespot anbietet, darf im Gegenzug auch fremde Homespots nutzen, wenn er selbst unterwegs ist. Voraussetzung dafür ist eine Anmeldung im Kundencenter. Die Telekom bewirbt einen ähnlichen Service unter dem Namen "W-Lan to go".  Das Programm ist eine Kooperation mit dem aus Spanien stammenden Unternehmen Fon , das ein System geteilter W-Lan-Hotspots schon seit Jahren propagiert.

Angeblich keine Geschwindigkeitseinbußen

Mit der standardmäßigen Homespot-Aktivierung geht Kabel Deutschland einen Weg, der eine hohe Homespot-Zahl erwarten lässt, manchen Kunden aber auch verunsichern dürfte. Bislang können private Betreiber eines Hotspots für eine unberechtigte Nutzung durch Fremde haften, das Prinzip nennt sich Störerhaftung. Union und SPD haben sich bei den Koalitionsverhandlungen gerade auf eine Einschränkung dieser Haftung geeinigt.

Gegenüber "Heise Online" kommentiert ein Kabel-Deutschland-Sprecher das Thema Haftung so: Jeder Homespot-Nutzer erhalte eine eigene IP-Adresse - infolgedessen würde der Hotspot-Bereitsteller nicht für die unsachgerechte Nutzung anderer Kunden haften. Auf einer Kabel-Deutschland-Infoseite  heißt, an Anschlussinhaber adressiert: "Sie haften nicht für Rechtsverletzungen Dritter bei der Nutzung des Kabel Deutschland Homespots."

Zum Thema Geschwindigkeit sagt Sprecher Böhler, die Bandbreite für die Homespots - zehn Megabit pro Sekunde - würde zusätzlich zur garantierten Bandbreite des Kundenanschlusses bereitgestellt. Die Homespot-Aktivierung soll sich laut "Heise Online" in den Kundencenter-Einstellungen rückgängig machen lassen - mit sieben Tagen Vorlaufzeit.

mbö
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