Kakerlaken und Altruisten Die Gutmenschen der Entertainment-Branche

Ist das nun eine Kampfansage oder ein Friedensangebot? "Stoppt den Raubkopien-Wahnsinn" und "Lasst uns zusammenarbeiten" appellieren Peter Chernin, Manager der News Corporation sowie der Fox Group, und Starregisseur George Lucas im Rahmen der Tech-Messe Comdex in Las Vegas an die Hightech-Branche und die Internet-Gemeinde.
Von Jochen A. Siegle

"Der Unterhaltungszirkus besteht nicht nur aus fünf superreichen CEOs und tausend überbezahlten Filmstars", sagte Chernin in der Wüstenmetropole. "Der Diebstahl geistigen Eigentums wirkt sich in unserer Branche schließlich bis ganz nach unten aus." Gemeint sind damit gemäß Chernin die "kleinen" Leute im Entertainment-Geschäft, etwa Maskenbildner, Cutter, Beleuchter, aber auch Putzleute am Set, die der Medienboss in seiner Comdex-Keynote zum Teil auch in Videointerviews zu Wort kommen ließ.

Um die Raubkopieproblematik endlich unter Kontrolle zu bekommen, forderte Chernin die Technologie-Industrie dazu auf, partnerschaftlich den millionenfachen Diebstahl digitaler Medien zu bekämpfen. "Schließlich sitzen wir im selben Boot und inspirieren uns gegenseitig", so Chernin. "Zudem verursachen ja nicht nur illegale Kopien von Musik und Filmen Milliardenschäden, sondern auch von Software."

Digi-Kopien sind okay

Zur allgemeinen Verwunderung war von Chernin zudem zu erfahren, dass die "faire" Duplizierung digitaler Medien für den privaten Bereich vollkommen in Ordnung gehe. Die wahre Sorge der Medienunternehmen sei es schließlich vielmehr, "eine vernünftige Balance zwischen Kundenfreundlichkeit und der Vermeidung des Diebstahls digitaler Medien zu finden", so Chernin.

Definitiv eine der am brillantesten vorgetragenen Reden, die Comdex-Gänger jemals zu hören bekommen haben - jedoch voller Widersprüche. Stichwort Kundenfreundlichkeit: Was die Unterhaltungsindustrie bislang in der Webwelt ablieferte, ist alles andere als "consumer friendly". Die Filmindustrie im besonderen lieferte - mal abgesehen vom kürzlich aufgeblasenen Testballon "Movielink" - außer jahrelang währenden Ankündigungen nur heiße Luft.

Zweites Stichwort "Digi-Kopien sind okay": War da nicht was mit Klagen gegen die Hersteller digitaler Videorekorder, über deren Geräte sich TV-Sendungen aufzeichnen lassen? Auch da klaffen salbungsvolle Reden und praktisches handlen teils deutlich auseinander.

Medienmultis sind Kakerlaken

Schützenhilfe erhält Chernin von George Lucas. Auch der oberste Sternenkrieger sieht die einfachen Angstellten im Moviebusiness am stärksten vom Digital-Diebstahl betroffen. Nach Lucas schaden Raubkopien zudem vor allem auch der Vielfalt und Qualität der Filmangebote und vor allem den Nachwuchscineasten. "Nur solange die großen Streifen viel Geld einspielen, wird auch in kleinere Produktionen, junge Talente und neue Kinos investiert", erklärte der menschenscheue "Star Wars"-Macher in Las Vegas. "Die großen Medienkonzerne sind dagegen wie Kakerlaken, die alles überleben werden."

So wohl auch Lucas selbst, der mit seiner Firma LucasArts ein geschätztes Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar angehäuft haben soll und seit Jahren selbst von Branchenmagazinen wie "Entertainment Weekly" immer wieder als noch mächtigerer Unterhaltungsmacher als Spielberg bezeichnet wird.

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