"Katrina"-Hilfe im Netz Britneys BHs und ein falscher Pilot

Sofort im Anschluss an die Hurrikan-Katastrophe in den USA begannen findige Spendensammler mit ihrem Werk. Manche sind ehrlich - so wie Britney Spears, die jetzt Büstenhalter zugunsten von "Katrina"-Opfern versteigert. Manche sind Betrüger - so wie ein Mann, der für virtuelle Rettungsflüge Geld sammelte.


Spears-Auktion: Karitativer Büstenhalter

Spears-Auktion: Karitativer Büstenhalter

Katastrophen legen Grundsätzliches bloß. Sie bringen das Beste in den Menschen zum Vorschein - wie auch die weltweiten Sympathiebekundungen und Spenden für die Opfer der Hurrikane "Katrina" und "Rita" wieder zeigen. Britney Spears verkauft jetzt sogar ihre Unterwäsche, um den Sturmopfern zu helfen - davon später.

Katastrophen locken aber auch Fieslinge und Abzocker aus ihren Löchern - angefangen bei den professionellen Plünderern in New Orleans bis hin zu Gary K.

Der steht jetzt in Florida vor Gericht. Und zwar, weil er Spenden gesammelt hat, auf einer Webseite mit dem Namen AirKatrina.com. Auf der Seite behauptete K., er habe ein Flugzeug - und veröffentlichte blumige, aber offenbar frei erfundene Berichte über dramatische Rettungsaktionen, die er selbst damit durchgeführt haben wollte.

"Sie bekommt jetzt eine Transplantation"

"Wenn wir das Flugzeug nicht hätten - ich glaube nicht, dass das kleine Baby überlebt hätte", schrieb K. beispielsweise am 31. August. "Sie bekommt jetzt eine Transplantation, in diesem Moment, während ich dies schreibe."

Über PayPal und per Überweisung ließ sich der fiktive Retter mit Spenden versorgen. Etwa 50 Menschen ließen sich von ihm im Verlauf von zwei Tagen überzeugen, Geld für seine angeblichen Medikamententransporte und Evakuierungsflüge zur Verfügung zu stellen. Über 40.000 Dollar kamen so zusammen, berichtet CNet.com.

Eine Nachrichtenorganisation namens "Marketwire" berichtete sogar, die "Organisation" AirKatrina bestehe aus "Piloten-Veteranen", die "jahrelange Erfahrung in Spezialoperationen und Luftrettung" vorweisen könnten. Das US-Justitzministerium sieht das anders: K. sei der erste, der wegen mutmaßlichen Internet-Betrugs im Zusammenhang mit "Katrina" vor Gericht gestellt werde, heißt es in einer Mitteilung. Weitere Prozesse wegen betrügerischer "Hurrikanhelfer" werden vermutlich folgen.

Auch ein deutscher Blogger fiel übrigens auf K. herein, verlinkte die Seite und rief dazu auf, für "AirKatrina" zu spenden.

Britneys Büstenhalter und Barhocker

Ganz ehrlich bemüht sich derweil Britney Spears um die Opfer des Hurrikans. Hunderte privater Habseligkeiten versteigert die Popsängerin seit gestern bei Ebay. Ein strassbesetzter Büstenhalter, der auch in einem Video prominent vorkam, ist ebenso im Angebot wie hölzerne Barhocker Marke "Hobbykeller in Wanne-Eickel". Die "Britney Spears Foundation" bietet all die schönen Flohmarktsachen an und versichert, die Echtheit werde garantiert und in seperater Post bestätigt - von Britneys Anwalt. Spears selbst wuchs im Bundesstaat Mississippi auf, der von "Katrina" schwer getroffen wurde.

"Dies ist eine großartige Gelegenheit, ein paar coole (und seltene) Britney-Sachen zu bekommen und gleichzeitig eine sehr wichtige Sache zu unterstützen" heißt es auf der Webseite der Sängerin. Wer im Moment keine coolen und seltenen Sachen braucht, und auch keine 10.000 Dollar für einen BH übrig hat, kann sich auf den speziell eingerichteten Ebay-Seiten zumindest einen Überblick über die geschmacklichen Untiefen im Hause Spears verschaffen.

Christian Stöcker



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.