Killerspiel-Debatte Innenminister fordert staatliche Prüfstelle

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hält die Freiwillige Selbstkontrolle bei Computerspielen für nicht ausreichend: Kriminologen sollen Spiele prüfen, der Staat die Altersfreigabe übernehmen.


Uwe Schünemann (CDU) will die Altersfreigabe von Computerspielen dem Staat übertragen. Grund: Die freiwillige Selbstkontrolle hat Schünemanns Einschätzung nach versagt: "Es gibt inakzeptable Beispiele, dass die freiwillige Selbstkontrolle sogar brutalste Spiele zum Verkauf ab 16 Jahren freigegeben hat", sagte der Minister der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Innenminister Schünemann (CDU): Fordert eine komplett staatliche Computerspiel-Freigabe
DDP

Innenminister Schünemann (CDU): Fordert eine komplett staatliche Computerspiel-Freigabe

Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, um welches Spiel es sich handele, nannte Klaus Engemann, Pressesprecher des niedersächsischen Innenministeriums GTA San Andreas: "Kettensägen, brutalste Tötungsszenen - aber freigegeben ab 16."

Brutalste Tötungsszenen? Jochen Färber, Pressesprecher des GTA-Entwicklers Take2 zu SPIEGEL ONLINE: "Es gibt in dem Spiel eine Kettensäge und wenn man mit ihr Menschen berührt, fallen sie um. Brutalste Tötungsszenen sind nicht möglich, man kann keine Gliedmaßen absägen oder so etwas."

Schon im Juni vorigen Jahres hatte Schünemann ein Verbot gewalttätiger Computer- und Videospiele gefordert, konnte im Gespräch zum Thema mit SPIEGEL ONLINE aber kein konkretes gewaltverherrlichendes Onlinespiel nennen.

Kriminologen sollen Spiele prüfen

Jetzt schlägt Schünemann vor, die Freigabe von Computerspielen komplett in staatlicher Hand zu organisieren: "Es ist sinnvoll, dass man die Bundesprüfstelle für den Jugendschutz und die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zusammenführt und eine rein staatliche Prüfstelle schafft." Außerdem verlangt Schünemann, den Kreis der Prüfer zu erweitern. Es reiche nicht, wenn sich Pastoren und Sozialarbeiter mit möglicherweise Jugend gefährdenden Computerspielen beschäftigten: "Zusätzlich müssen auch Kriminologen eingeschaltet werden, die bisher überhaupt nicht beteiligt sind."

Schünemann: Amokläufer haben so etwas gespielt

Schünemann betonte in diesem Zusammenhang: "Nicht jeder, der Killerspiele auf dem Computer hat, wird zum Amokläufer. Aber die überwiegende Zahl der Amokläufer, die wir in den letzten Jahren hatten, hat solche Spiele betrieben. Es gibt also Zusammenhänge."

Der Minister plädierte außerdem erneut für ein Herstellungsverbot extrem brutaler Computerspiele und plädierte für mehr Aufklärung. Hier seien auch Eltern und Lehrer gefragt. Zudem arbeitet nach seinen Worten eine interministerielle Arbeitsgruppe in Hannover an Strategien zur Verbesserung der Medienkompetenz.

lis/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.