Parteigründung Kim Dotcom sagt Riesen-Geburtstagsparty ab

Seinen 40. Geburtstag wollte der umstrittene Internet-Unternehmer Kim Dotcom mit der Gründung einer eigenen Partei zusammenlegen und groß feiern. Doch nachdem sich Zehntausende Partygäste angekündigt hatten, sagte er nun ab - aus rechtlichen Gründen.

DPA

Auckland - Bescheiden war Kim Dotcom nie. Schon vor zehn Jahren wollte der deutsche Internet-Unternehmer zu den zehn reichsten Männern der Welt gehören, heute bewohnt er eine Art moderne Neverland-Ranch. In seiner "Dotcom Mansion" nahe der neuseeländischen Metropole Auckland hat er sein privates Tonstudio, einen Videospielraum und eine lebensgroße Plastik-Giraffe. Manchmal fährt der schwergewichtige Unternehmer mit einem elektrischen Golfauto oder einem überdimensionierten Segway die grünen Hügel des Anwesens ab. "Ich bin einfach ein Typ, der es liebt, neue Dinge auszuprobieren", sagt er über sich selbst.

Im Januar 2012 stürmten Spezialeinheiten seine Villa. US-Behörden werfen ihm sowie drei seiner Vertrauten Urheberrechtsverletzungen in großem Stil vor und drängen auf seine Auslieferung. Auf der von ihm gegründeten Datenplattform Megaupload sei geschütztes Material verbreitet worden, ohne dass Copyright-Gebühren bezahlt worden seien. Der Schaden für die Urheber liege bei 500 Millionen Dollar. Dotcom bestreitet, für die Urheberrechtsverletzungen auf seiner Plattform verantwortlich zu sein. Ein großer Teil seines Millionenvermögens ist eingefroren, Neuseeland darf er derzeit nicht verlassen, seinen 40. Geburtstag wird er in seiner Wahlheimat verbringen. In den USA droht Dotcom jahrelange Haft.

Angefangen hat alles in Kiel. Hier erlebte Kim - damals war sein Nachname noch Schmitz - eine harte Kindheit, wie er in seiner Biografie berichtet. "Mein Vater ist Alkoholiker, und er hat mich und meine Mutter manchmal krankenhausreif geschlagen", wird Dotcom in dem Buch zitiert. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit seiner finnischen Mutter aus. Kim besuchte die Hauptschule, interessierte sich aber vor allem für Computer.

"Fertig mit Deutschland"

Als Hacker wurde er in der Szene bekannt. Der Jungunternehmer gründete verschiedene Computerfirmen und hinterließ - wie in vielen anderen Fällen in dieser Zeit - einige unglückliche Investoren. Wegen seiner Geschäfte geriet er ins Visier deutscher Fahnder, wurde wegen Insiderhandels verurteilt. Die folgende Berichterstattung kränkte ihn. Er sei fertig mit Deutschland, sagte er damals öffentlich.

Schließlich zog Dotcom ein neues Projekt in Hongkong und Neuseeland hoch. Das Flaggschiff war Megaupload. Nutzer konnten dort Daten, unter anderem Musik und Filme, für andere zum Download zur Verfügung stellen. Auch von der inzwischen geschlossenen Streaming-Plattform kino.to aus wurde nach Erkenntnissen der Ermittler häufig zu Dotcoms Servern verlinkt.

48 Millionen Dollar Jahreseinkommen

Während der Internetmillionär in Neuseeland zum Teil als Star hofiert wird, hat er in der deutschen Internetszene einen schlechteren Ruf. Der Netzaktivist Stephan Urbach kennt ihn noch aus der Anfangszeit der Datenkommunikation. "Kim präsentiert sich heute als Freiheitskämpfer, aber ihm ging es immer nur um die Kohle", sagt Urbach.

Bei Megaupload verdiente Dotcom Geld mit Werbung und dem Verkauf von Premium-Paketen für schnellere Downloads. US-Ermittlern zufolge hatte er 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar.

Mit dem Geld finanzierte er sich sein Leben als exzentrisches Spielkind. Er sammelte Luxusautos, eine Zeitlang führte er die Weltrangliste in dem Ego-Shooter "Call of Duty" an. Er benannte sich von Schmitz in Dotcom um. Der Name stehe heute tatsächlich so in seinem Pass, sagt sein Sprecher.

Keine Mega-Party zum Geburtstag

Inzwischen seien die wilden Zeiten aber vorbei. "Meine Prioritäten haben sich geändert", sagte er kürzlich einem Reporter des Szene-Magazins "Vice". Autorennen, Luxusyachten, Privatjets - das bedeute ihm heute nicht mehr viel. "Alles worauf ich mich freue ist, meine Kinder zu sehen, mit ihnen zu spielen, Spaß mit ihnen zu haben."

Nebenbei hat er ein Musikalbum aufgenommen und gründet derzeit die "Internet Party", die bei der neuseeländischen Parlamentswahl im November antreten soll. Selbst wählen lassen kann er sich zwar nicht, aber zur Gründung wollte er es mal wieder richtig krachen lassen. Da traf es sich gut, dass Dotcom am Dienstag auch noch 40 Jahre alt wird. 25.000 Menschen hatten sich bereits für seine "Party Party" angemeldet, doch die Wahlbehörde machte ihm einen Strich durch die Rechnung. In Neuseeland ist es illegal, Essen, Getränke oder Unterhaltung anzubieten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Deshalb blies der Neu-Politiker die Feier ab.

Felix Frieler, dpa



insgesamt 8 Beiträge
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panameño 19.01.2014
1. Man wird älter
Legendar sein Auftritt bei Harald Schmidt, der ihn geschickt decouvrierte, indem er mit ihm über Yachten und Jets plauderte. Wenn er heute sagt, das bedeute ihm nicht mehr viel - hat er womöglich endlich Selbstvermarktung gelernt oder ist tatsächlich auch lebensklüger geworden. Zu gönnen ist es ihm; meine Feindbilder jedenfalls sehen anders aus.
polarwolf14 19.01.2014
2. finde den gut
weiter so kim, gute Arbeit bisher! Natürlich geht's ihm um Geld, was ist so verwerflich daran? Nur weil er kein Bwl/vwl Studium oder Informatikstudium vorweisen kann mit einem 1A Lebenslauf wie Banker oder sonstige Millionäre wird er regelmäßig auseinander genommen. Er hat noch viel mehr verdient, wenigstens macht er kein hehl daraus, insofern weiter so! Wrn interessiert schon das öde Leben eines klassischen Vorstandes ;)
Freidenker10 19.01.2014
3. optional
Na wenigstens musste er nie einen nervtötenden langweiligen Job machen...
Marcus_XXL, 20.01.2014
4. Der Mann ist wenigstens ehrlich.
Außerdem ist nichts falsch daran Geld zu verdienen und grundsätzlich brauchen wir jeden Menschen der sich dafür einsetzt, dass das Internet frei bleibt.
ADie 20.01.2014
5. Voll daneben
Solche Typen diskreditieren fett das Ideal der Internetfreiheit. Sie liefern den Schnüfflern und Greifern die besten Argumente.
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