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21. Juli 2014, 14:17 Uhr

Satireclip

Nordkorea bittet China um Löschung von Kim-Video

Kim Jong Un als Tänzer, Kämpfer, Pechvogel - so zeigt ein chinesisches Satirevideo das nordkoreanische Staatsoberhaupt. Jetzt hat Nordkorea angeblich in China eine Sperrung des Videos gefordert - vergeblich.

Die nordkoreanische Führung hat sich einem Medienbericht zufolge in China darum bemüht, die Verbreitung eines Spottvideos zu unterbinden: Das Video zeigt den "Obersten Führer" der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Un, in einer Videomontage mal als Tänzer, mal als Kämpfer, mal als Tollpatsch. Das Video ist in China und Südkorea populär - in einer Version ist es koreanisch untertitelt: "Satirevideo … Obama macht einen Aufstand in China, Kim Jong Un nervt. Hahaha."

Laut der englischen Ausgabe der südkoreanischen Nachrichtenseite "Chosun Ilbo" sieht die nordkoreanische Führung in dem Video eine Kränkung von Kims Würde und Autorität - Peking sei der Bitte um Sperrung aber nicht nachgekommen.

Das Video ist ein Mashup aus einem Hit der chinesischen Popband "Chopstick Brothers" und einer Sammlung von Internetvideos, in denen unter anderem die Köpfe von Kim Jong Un, Barack Obama und Wladimir Putin auf Tänzer, Kampfkünstler und Pechvögel montiert wurden. Mal prügeln sich Obama und Putin, dann erledigt Kim einen Spielzeugdrachen oder tanzt mit Osama Bin Laden durch ein Kornfeld. Der ursprüngliche Autor soll ein chinesischer Student sein.

"Chosun Ilbo" nennt keine konkrete Quelle, nicht die Dringlichkeit und Autoritätsebene des angeblichen nordkoreanischen Interventionsversuchs. Aber die Nachricht erinnert an den Protest Nordkoreas gegen die Kim-Komödie "The Interview" Anfang Juli.

Damals hatte Nordkorea offiziell Beschwerde bei der Uno über die Hollywood-Komödie eingelegt, in der es um ein geplantes Attentat auf Machthaber Kim Jong Un geht. Einen Film über die Ermordung eines amtierenden Staatschefs zu produzieren und zu veröffentlichen, sei nicht nur eine "Kriegshandlung" sondern auch eine "unverhohlene Unterstützung von Terrorismus", erboste sich Nordkoreas Botschafter Ja Song Nam damals bei den Vereinten Nationen.

fko

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