Kinderpornografie im Gmail-Postfach Google-Hinweis führt zu Festnahme

Offenbar aufgrund eines Hinweises von Google haben amerikanische Polizisten einen Mann festgenommen, der wohl im Besitz von Kinderpornografie war. Aber woher wusste Google überhaupt von den Bildern?
Google-Schriftzug (in Brüssel): Angeblich Hinweis auf Kinderpornografie-Besitz gegeben

Google-Schriftzug (in Brüssel): Angeblich Hinweis auf Kinderpornografie-Besitz gegeben

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

In den USA macht ein Fall aus Houston Schlagzeilen, bei dem ein Mann wegen des Verdachts auf Kinderpornografie-Besitz festgenommen wurde. Google waren drei kinderpornografische Bilder im Gmail-Postfach des Täters aufgefallen, heißt es in einem Fernsehbericht , vermutlich schlug ein automatisches Warnsystem auf ein als problematisch bekanntes Bild an. Über das amerikanische National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) wurde die Polizei vor Ort informiert, die den Mann schließlich festnahm.

Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung fanden die Beamten auf dem Telefon und dem Tablet-Computer des Mannes mutmaßlich kinderpornografisches Material, ebenso entdeckten sie Textnachrichten, in denen er sich über sein Interesse an Kindern auslässt. Videoaufnahmen sollen außerdem Kinder zeigen, die mit ihren Familien das Fastfood-Restaurant besuchten, in dem der Mann als Koch arbeitet. 1994 war der Verdächtige bereits wegen sexuellen Missbrauchs an einem achtjährigen Kind verurteilt worden. Ein Prozess soll nun die neuen Vorwürfe klären.

Noch ist nicht bekannt, wie genau erst Google, dann das NCMEC und schließlich die Polizei von den Bildern im E-Mail-Konto erfuhren. Im Fernsehbericht von KHOU.com  halten sich auch die mit dem Fall betrauten Beamten mit Informationen zurück. Auf eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage zum Thema erklärte Google, das Unternehmen kommentiere keine Einzelfälle. Außerdem verwies Googles PR-Agentur auf einen Gastbeitrag, den der Chefjustiziar des Unternehmens, David Drummond , vor gut einem Jahr für den britischen "Telegraph" verfasst hatte. Darin ist nicht von E-Mail-Anhängen die Rede, sondern von Googles Bemühungen, Bilder, die sexuellen Missbrauch an Kindern zeigen, aus den Suchergebnissen zu entfernen.

Datenbank mit bekannten Bildern sexuellen Missbrauchs

Erwähnt wird darin allerdings eine Technik, die auch im vorliegenden Fall eine Rolle gespielt haben könnte: "Seit 2008 nutzen wir eine 'Hashing'-Technologie um bekannte Missbrauchsbilder zu markieren, so dass wir Kopien dieser Bilder an anderer Stelle identifizieren können." Dazu erstellt das Unternehmen sogenannte Hashwerte, mathematische, eindeutige Abstraktionen von Bildern. Diese Hashwerte und der jeweilige Algorithmus, um aus Bildern diese Hashwerte zu erstellen, können öffentlich zugänglich gemacht werden. Andere Software-Hersteller, aber auch staatliche Einrichtungen, Forscher und Nichtregierungsorganisationen, können so die Google-Datenbank zur Kinderpornografie  für eigene Lösch- und Blockierzwecke benutzen, ohne selbst mit dem strafbaren Material in Berührung zu kommen.

Auch angesichts älterer Meldungen zum gleichen Thema scheint ein Szenario wie dieses möglich: Der Täter versendet ein Missbrauchsbild über Googles Maildienst. Google gleicht automatisch alle über Google-Dienste verschickten Bilder mit einer Datenbank von digitalen Fingerabdrücken bekannter Missbrauchsbilder ab. Bei einem Fund wird das NCMEC gewarnt , das den Fall beurteilt und die Polizei informiert. Die Tech-Seite "Golem" verweist in ihrer Berichterstattung auf einen im November bekannt gewordenen Fall . Damals war ein Kalifornier festgenommen worden, der kinderpornografische Fotos in Googles Fotodienst Picasa gespeichert hatte.

Der Nutzen der Systeme ist umstritten

Aufgrund von Selbstverpflichtungen und öffentlichem Druck setzen immer mehr Internet-Dienstleister auf solche Systeme. Facebook und Twitter etwa nutzen PhotoDNA , Microsofts Kinderpornografie-Datenbank . Der Nutzen solcher Systeme ist allerdings umstritten - es besteht die Gefahr, dass sie missbraucht werden, um Inhalte zu sperren oder Personen und Firmen gezielt in Misskredit zu bringen.

Und natürlich geht es auch um die Frage, ob ein Unternehmen - ob automatisiert oder nicht - in den Postfächern seiner Kunden stöbern darf. Im März hatte sich bereits Googles Konkurrent Microsoft mit Spionagevorwürfen konfrontiert gesehen. Als Teil einer internen Ermittlung hatte das Unternehmen das Hotmail-Postfach eines Bloggers ausgespäht - ohne Gerichtsbeschluss.

In Googles deutschen Nutzungsbedingungen  heißt es derzeit: "Mit der Nutzung von Google-Services erkennen Sie an und stimmen zu, dass Google Informationen zu Ihrem Konto und den mit diesem Konto verbundenen Content möglicherweise aufruft, erhält oder weitergibt, wenn dies aus rechtlichen Gründen erforderlich ist oder Google sich in gutem Glauben befindet, dass der Zugriff auf diese Informationen, die Beibehaltung oder die Weitergabe notwendig sind." Andere Anbieter wie Yahoo und Apple haben ähnliche Bedingungen .

fko
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