Bilder von Kindesmissbrauch Jugendschützer kritisieren Tumblr scharf

Die Blogging-Plattform tut zu wenig gegen kinderpornografische Inhalte und ignoriert Nutzerbeschwerden, findet Jugendschutz.net. Die Organisation fordert auch andere Standardeinstellungen für Accounts von Minderjährigen.

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Jens Büttner/DPA

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Mehr als 6500 Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Mobbing, Rechtsextremismus und andere Verstöße gegen den Jugendmedienstaatsvertrag hat die Organisation jugendschutz.net im vergangenen Jahr registriert. Rund 90 Prozent davon entfielen auf ausländische Dienste, vor allem auf YouTube, Facebook, Instagram, Tumblr und Twitter.

Jugendschutz.net überprüft als gemeinsame Initiative von Bund und Ländern Verstöße gegen den Kinder- und Jugendschutz im Netz. In ihrem neuen Jahresbericht (PDF) zieht sie eine Bilanz, die in weiten Teilen der aus dem Vorjahr entspricht oder nahekommt:

Die Zahl der Missbrauchsdarstellungen, die jugendschutz.net entdeckte, ist 2018 auf 3441 gestiegen, das sind 459 mehr als im Vorjahr. 89 Prozent der Aufnahmen zeigten sexuellen Missbrauch von Kindern, vier Prozent den Missbrauch von Jugendlichen.

Der größte Teil der Bilder und Videos wurde über Server in Russland, den Niederlanden und den USA verbreitet. Besonders hart kritisiert die Organisation die Blogging-Plattform Tumblr, die gerade von Verizon an Automattic, die Firma hinter Wordpress.com, verkauft wurde. Auf Tumblr fänden sich immer wieder frei verfügbare kinderpornografische Bilder. Aber auch auf Instagram und WhatsApp würden solche Inhalte geteilt, allerdings nicht öffentlich.

Die Löschquote immerhin ist hoch. Deutsche Angebote wurden zu 100 Prozent schnell entfernt, Angebote aus dem Ausland zu 92 Prozent. Im Gesamtschnitt dauerte es nach der entsprechenden Meldung 6,5 Tage, in Deutschland 3,5 Tage.

Beschwerden von Nutzern bringen zum Teil nichts

Ein anhaltendes Problem bei der Löschung gemeldeter Inhalte ist jedoch die Form der Beschwerde. Zum einen seien die Meldeoptionen "teils schwer auffindbar und umständlich zu handhaben".

Zum anderen mache es immer einen Unterschied, ob eine Organisation wie jugendschutz.net einen Inhalt beim Anbieter meldet, oder ob das normale Nutzer tun. Deren Beschwerden würden zu selten beachtet, etwa wenn es um Belästigung oder Cybermobbing geht. In einem Test von 950 Fällen auf Snapchat, Facebook, Instagram, YouTube, Tumblr und Twitter löschten die Betreiber nur etwa ein Drittel der von Nutzern beanstandeten Inhalte. Nach einer Meldung von jugendschutz.net aber wurden weitere 39 Prozent gesperrt oder entfernt.

Besonders krass war das Missverhältnis bei Tumblr. Nur vier Prozent der Nutzermeldungen führten zu einer Löschung, aber immerhin 56 Prozent der Meldungen durch die Jugendschutzorganisation.

Außerdem analysierte die Organisation 17 YouTube-Kanäle von Kinder-Influencern mit jeweils mehr als 50.000 Abonnenten. Alle 17 "enthielten Indizien auf Persönlichkeitsrechtsverletzungen der Kinder", heißt es im Bericht. Sie würden im Bad oder im Schlafanzug gefilmt, in peinlichen Situationen, oder "in knapper Bekleidung, teilweise in kokettierender Weise".

Die Jugendschützer fordern vor allem sichere Voreinstellungen für Accounts von Minderjährigen. Profile dürften nicht sofort öffentlich einsehbar und Kommunikation auf den Freundeskreis beschränkt sein, Standortdaten dürften nicht übermittelt werden. Außerdem führe keiner der überprüften Dienste eine verlässliche Altersprüfung durch.

pbe



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