Kinderpornografie Täglich 50.000 Foto-Downloads im WWW

Die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet hält unvermindert an. Auf rund vier Millionen Seiten werden Videos und Bilder vertrieben. Und auch der Kinderhandel im Netz boomt munter weiter.


Weimar - Etwa ein Prozent des World Wide Web enthalte strafbare Pornografie auf rund vier Millionen Seiten, wurde am Wochenende im thüringischen Weimar auf einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu Kindesmissbrauch mitgeteilt. Experten schätzen, dass täglich bis zu 50.000 Bilder mit Kinderpornografie aus dem Netz heruntergeladen werden.

Nach Angaben des Augsburger Journalisten Detlef Drewes werden Videos und Bilder mit Kinderpornografie nicht nur elektronisch vertrieben, sondern inzwischen speziell für das Datennetz hergestellt. Das Netz werde außerdem für den Kinderhandel missbraucht. Die pädophile Szene habe vor allem Newsgroups und virtuelle Treffs über online-Chats für sich entdeckt.

Die Verfolgung durch die Behörden sei deutlich verbessert worden. "Die Kritik an einer ahnungslosen Polizei - Anfang 1995 noch durchaus zurecht erhoben - hat damit an Berechtigung verloren", sagte Drewes. Inzwischen seien bei Landeskriminalämtern und Polizeipräsidien mehrere Sonderdezernate und -kommissariate gebildet.

Hauptproblem seien die nach wie vor bestehenden internationalen Rechtsunterschiede. Nicht einmal in Europa gebe es Konsens, was unter Kinderpornografie zu verstehen sei. Dennoch seien Fortschritte zu verzeichnen, sagte Staatssekretär Hansjörg Geiger. So sei ein konsensfähiger Entwurf für ein Zusatzprotokoll zu einer Vereinbarung der Vereinten Nationen über die Bekämpfung von Kinderhandel, -pornografie und -prostitution erarbeitet worden. In einem zweiten Schritt sollen die Staaten verpflichten werden, entsprechende Handlungen unter Strafe zu stellen.



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