Sexuelle Misshandlung von Kindern »Boystown«-Betreiber müssen lange in Haft

Auf der Darknet-Plattform hatten sich rund 400.000 Nutzer registriert, die Betreiber sollen auch selbst Kinder sexuell misshandelt haben. Gegen zwei der vier Angeklagten wurde Sicherungsverwahrung verhängt.
Die Angeklagten im Prozess um die Darknet-Plattform »Boystown«

Die Angeklagten im Prozess um die Darknet-Plattform »Boystown«

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Gegen die Betreiber der Darknet-Plattform »Boystown« hat das Frankfurter Landgericht am Dienstag hohe Haftstrafen verhängt. Den insgesamt vier Angeklagten wird die Herstellung sowie die bandenmäßige Verbreitung sogenannter kinder- und jugendpornografischer Inhalte sowie der zum Teil schwere sexuelle Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Einer der Männer muss zwölf Jahre ins Gefängnis, zudem verhängten die Richter gegen den 49-Jährigen aus Bayern Sicherungsverwahrung. Ein 42-Jähriger aus Paderborn muss zehneinhalb Jahre ins Gefängnis, auch hier wurde Sicherungsverwahrung verhängt. Ein 60-Jähriger, der in Paraguay festgenommen worden war, muss acht Jahre ins Gefängnis. Für einen 66-Jährigen aus Hamburg verhängten die Richter eine Strafe von sieben Jahren. (Lesen Sie hier mehr dazu, wie die Angeklagten den Betrieb der Plattform organisierten.)

Auf »Boystown« hatten sich rund 400.000 Nutzerinnen und Nutzer registriert. Damit war die Seite eine der größten Missbrauchsplattformen im Darknet, einem nur mit spezieller Anonymisierungssoftware erreichbaren Teil des Internets.

Tipps ausländischer Behörden brachten das BKA weiter

Die Plattform hatte Chatbereiche in verschiedenen Sprachen und war unterteilt in Foren wie »Hardcore«, »Kindergarten«, einen eigenen Bereich für Missbrauchsdarstellungen von Kleinkindern und einen für Bildwünsche. Überwiegend wurden Videos und Bilder von sexualisierter Gewalt gegenüber Jungen ausgetauscht und verbreitet.

Bereits kurz nach der Gründung der Plattform hatte das Bundeskriminalamt (BKA) einen verdeckten Ermittler bei »Boystown« eingeschleust, konnte zunächst jedoch keinen der Betreiber identifizieren. (Lesen Sie hier mehr darüber, wie verdeckte Ermittler gegen Pädokriminelle ermitteln). Das gelang erst dank eines Tipps des US-amerikanischen Ministeriums für Heimatschutz und der niederländischen Polizei. Mitte März 2021 nahmen das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt »Boystown« nach rund anderthalb Jahren vom Netz.

pbe/dpa
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