Klimaschutz-Initiative Wie Google die Welt retten will

Erst krempelte Google das Web um, jetzt wollen die Gründer Page und Brin auch die Klimaerwärmung stoppen. Hunderte Millionen Dollar will das Unternehmen in die Entwicklung sauberer Energien stecken und dafür bis zu 30 Forscher einstellen. Experten glauben: Diesmal verhebt sich der Gigant.

Googles Ziel: Mindestens ein Gigawatt Ökostrom, der billiger als Kohlestrom ist, will man produzieren können. Die Kosten sollen 20 bis 50 Prozent unter denen herkömmlicher Energieerzeugung per Solarzellen liegen. Und das nicht etwa in einer fernen Zukunft, sondern bereits in wenigen Jahren. Die angestrebte Energiemenge würde laut Google ausreichen, um San Francisco mit Strom zu versorgen und ist dem Produktionsvolumen eines kleinen Atomkraftwerks gleichzusetzen.

Mit der Initiative wolle man helfen, das Klimaproblem zu bekämpfen. Bislang, so Google, sei Kohle die primäre Energiequelle der Welt. Insgesamt 40 Prozent der globalen Stromproduktion würde von Kohlekraftwerken geleistet. Und das mit den bekannten Problemen: Beim Verstromen von Kohle werden riesige Mengen Treibhausgase freigesetzt.

Das Unternehmen hat nun angekündigt, Millionen in die Erforschung ökologischer Energiequellen zu investieren. Googles Forscher sollen sich zunächst auf die Nutzung von Sonnenenergie und Erdwärme spezialisieren. Für 2008 sind mehrere zehn Millionen Dollar eingeplant. Langfristig will man allerdings einige Hundert Millionen in die Energieforschung stecken, denn Geld ist für Google kein Problem. Allein im dritten Quartal dieses Jahres machte Konzern mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn. Insgesamt sollen sich Finanzreserven in Höhe von 13 Milliarden Dollar aufgetürmt haben. Und die wollen ausgegeben werden - und zwar sinnvoll.

Die 70-20-10-Regel

Von den grünen Investitionen erhofft sich Google-Gründer Larry Page freilich nicht nur saubere Energie. "Wir erwarten, dass dies auch ein gutes Geschäft für uns wird", sagte Page im Rahmen einer Telefonkonferenz. Den Strom billiger zu erzeugen als Kohlestrom, dürfte dabei essentiell sein. Würde Google das schaffen, wäre die Frage, ob man sich mit grüner Energie versorgt, keine Frage der Überzeugung mehr, sondern würde schlicht von marktwirtschaftlichen Kriterien bestimmt. "Wenn wir unser Ziel erreichen, wird die Welt die Möglichkeit haben, einen substanziellen Teil ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken und CO2-Emissionen signifikant zu verringern", frohlockt Page.

Auf die Frage, wie die Energieforschung denn in Googles bisheriges Geschäftskonzept passe, verwies der zweite Google-Gründer, Sergey Brin, auf Googles 70-20-10-Regel. Zu 70 Prozent fokussiere sich das Unternehmen auf Suchtechnologie und Online-Werbung, 20 Prozent würden in Internet-Anwendungen investiert und 10 Prozent seien "für alles andere" reserviert. "Ich würde sagen, das hier ist 'für alles andere'", sagte Brin.

Fixierung auf die Sonne

Solarenergie und Erdwärme sind ohnehin Lieblingsthemen der Google-Gründer. Schon jetzt dienen die Dächer des Google-Campus im kalifornischen Mountainview als riesige Energiequelle. Kaum eines der Gebäude wird nicht von Solarzellen bedeckt. Sogar die Parkplätze wurden mit Solardächern abgedeckt, was nebenbei verhindert, dass sich die Wagen der Mitarbeiter in der kalifornischen Sonne übermäßig aufheizen. Insgesamt 1,6 Megawatt produziert die Anlage.

Man sei allerdings auch daran interessiert, andere Technologien weiterzuentwickeln, "die das Potential haben, kostengünstig und grün zu sein". So arbeitet Google bereits jetzt mit der kalifornischen Makani Power Inc, zusammen, einem Unternehmen, das sich auf die Nutzung von Windkraft spezialisiert hat. Wichtig, so betont Google unablässig, sei es aber, die Energie billig zu erzeugen. Schließlich wolle man "erneuerbare Energie in einem global signifikanten Maßstab erzeugen", so Page. Geld soll dabei nicht nur der Verkauf von Strom, sondern auch die Lizenzierung von Technologien in Googles Kassen spülen.

Zwei Milliarden in der Kasse

Gesteuert werden soll das Forschungsprogramm von Googles philanthropischem Ableger Google.org. Der wurde vor rund einem Jahr mit dem Ziel gegründet, Armut, Krankheiten und die globale Erwärmung zu bekämpfen - und dabei Gewinn abzuwerfen. An finanziellen Mitteln mangelt es den profitorientierten Wohltätern dabei nicht. Ausgestattet mit Google-Aktien im Wert von derzeit zwei Milliarden Dollar, sind sie bestens gerüstet, einige Jahre intensiver Energieforschung zu finanzieren.

Mindestens 20 bis 30 Wissenschaftler und Ingenieure will Google im kommenden Jahr für das Projekt engagieren. Man hofft allerdings darauf, dass sich möglicherweise noch mehr Energie-Spezialisten finden werden, die sich für einen Job bei Google erwärmen können. Schließlich gilt das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber, der seinen Mitarbeitern ganz offiziell erlaubt, einen bestimmten Teil ihrer Arbeitszeit eigenen Projekten zu widmen.

Googles geheimer Stromverbrauch

Daran, ob die von Google versprochenen Mittel aber tatsächlich ausreichen werden, einen Durchbruch in der Energieforschung zu erreichen, gibt es Zweifel. Piper-Jeffreys-Analyst Paul Clegg sieht Googles Ankündigung mit einiger Skepsis. "Mehrere zehn Millionen Dollar sind natürlich nicht wenig Geld", erklärt Clegg. Allerdings müsse diese Summe über diverse Bereiche verteilt werden, in denen jeweils bereits andere Firmen aktiv sind und ebenfalls hohe Summen investieren. "Ich glaube, sie müssten sehr viel mehr Geld in die Hand nehmen, um das nächste Manhatten-Projekt in Gang zu bringen", sagt Clegg und verweist damit auf das US-Atomforschungsprogramm der vierziger Jahre.

Ein sehr kruder Vergleich, schließlich mündeten die Forschungen damals in den Bau der ersten Atombombe. Eine Parallele findet man jedoch in der Geheimhaltung. Denn während Googles Vorstandschef Eric Schmidt den steigenden Energiebedarf des Unternehmens bereits seit langem als eine seiner größten Sorgen bezeichnet, bleibt es ein wohl gehütetes Geheimnis, wie viel Strom der Suchmaschinengigant tatsächlich verbraucht. Sicher ist jedoch, dass der schon jetzt gigantische Stromverbrauch der Firma in Zukunft weiter rasant ansteigen dürfte.

"Wir wollen ein Teil der Lösung sein"

Daran haben vor allem die vielen kostenlos angebotenen Webdienste wie Google Earth, Google Mail und das Videoportal YouTube Schuld. Sie erfordern riesige Rechenzentren vollgestopft mit Hochleistungsservern. Und der Bedarf an solcher Hardware wird weiter zunehmen.

Nur wenige Tage ist es her, dass im Web Berichte darüber auftauchten, dass Google in Kürze einen Online-Speicherdienst, also eine Art Web-Festplatte vorstellen werde. Darauf soll man künftig seine gesammelten Daten, also etwa Fotos, Videos und Texte speichern können. Zu den bereits installierten Rechnern müssten sich dann in Zukunft auch noch gigantische Festplattenberge gesellen.

Google hat also gute Gründe, sich angesichts seines eigenen Strombedarfs um saubere Energiequellen zu kümmern. Damit schließt sich das Unternehmen einer Reihe weiterer Firmen an, die sich zumindest zum Energiesparen bekannt haben, darunter die Kaufhauskette Wal Mart, IBM, Intel und Microsoft. So energisch wie Google hat das Ziel bislang aber kein Unternehmen angepackt. Die Motivation für diesen Schritt erklärt Google.org-Chef Larry Brilliant: "Wir wollen nicht, dass das Geschäft zu einem Problem wird, während Google wächst. Wir wollen ein Teil der Lösung sein."

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