Klingeltöne Verbraucherschützer mahnen Jamba ab

An der "Jamba"-Kultur scheiden sich die Geister: Die einen finden "Sweeties", quäkende Ratten und verrückte Frösche cool, die anderen unerträglich. Verbraucherschützer und Bundesregierung stoßen sich eher an den Verkaufsmethoden der Klingelton-Händler.


Jamba-Werbung: Was kauft man da eigentlich?

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Berlin - Verbraucherschützer und die Bundesregierung gehen jetzt verschärft gegen Anbieter von Klingeltönen für Handys vor. Wie der "Tagesspiegel am Sonntag" berichtet, hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) den Marktführer Jamba wegen undurchsichtiger Vertragsbedingungen abgemahnt.

Vielen Kunden, die einen Klingelton im Internet herunterladen wollen, sei nicht klar, dass sie statt eines einzelnen Tons ein Abo kaufen, sagte vzbv-Referentin Vilma Niclas der Zeitung. Am vergangenen Montag habe Jamba reagiert und eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Darin verpflichtet sich die Berliner Firma, auf seiner Website deutlicher auf den Abo-Charakter des Downloads hinzuweisen.

Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) kritisierte die Anbieter: "Die Klingeltonindustrie boomt vor allem deshalb, weil sie die geschäftliche Unerfahrenheit von Kindern und Jugendlichen ausnutzt".

Die Ministerin forderte die Unionsländer auf, am 5. September im Vermittlungsausschuss dem neuen Telekommunikationsgesetz zuzustimmen. Das Gesetz enthält zahlreiche Vorschriften für einen besseren Verbraucherschutz bei Handy-Diensten.

Klingeltöne: Geschäft und Plage

Das Klingeltongeschäft, einst schrille Begleiterscheinung der fortschreitenden Handy-Technik, hat sich längst zu einem echten Wirtschaftszweig gemausert. Weltweit setzt die Branche Schätzungen zufolge mehr als drei Milliarden Euro um. In Deutschland sind ganze Fernsehsender finanziell abhängig von der schrillen Werbung.

Größter Fisch im Teich ist in Deutschland das Unternehmen Jamba. Die Berliner bedienen Märkte in 20 Ländern und setzen allein in Deutschland rund 75 Millionen Euro um. Ihre Kunden sind vor allem Kinder und Jugendliche, die in Deutschland nach Informationen des Verbraucherschutzministeriums jährlich stolze 190 Millionen Euro in Klingeltöne und Handy-Spiele-Downloads investieren.

Die Regierung drängt darum auf strengere Regeln - und versucht, der Klingelton-Plage auch anders Paroli zu bieten: Mitte August hob das Jugendministerium im Verbund mit "Jugend ans Netz", der Aktion "Schau hin!" und der Softwarefirma Magix die Aktion "My tone - Klingeltöne selber machen" aus der Taufe. Über die Webseite Netzcheckers.de bietet sie den "Ringtone maker" der Berliner Firma Magix an, mit dem sich Klingeltöne kostenfrei selbst gestalten lassen.

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Gegenwind bekommt die Piep-und-Quäk-Branche auch aus anderer, unerwarteter Richtung. Das blühende Geschäft rechnet sich selbst für die satte Werbegelder kassierenden Sender nicht mehr. Zu groß ist der Imageschaden, den die Quäk-Werbung verursacht: Mitunter erscheinen die Programme bei Sendern wie MTV oder Viva nunmehr als Unterbrechung der Klingelton-Werbung. Die beiden Sender wollen darum ab Oktober, respektive ab März auf Klingelton-Werbung zwischen 16 und 24 Uhr verzichten.

Ein Schritt, der Hauptkunde Jamba, Europas größtem Ringtone-Anbieter, absolut nicht schmeckt. Allerdings gehen die Berliner davon aus, dass die Klingelton-Abstinenz für die Musiksender letztlich wirtschaftlich nicht tragbar sein wird: Gut 40 Prozent des Gesamtumsatzes der zur MTV-Group zusammengefassten Musiksender kommt aus der Ringtone-Werbung.

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Der Handel mit Klingeltönen ist außerordentlich erfolgreich, doch in den letzten Monaten häufen sich die Rufe nach Regulierung. Zu Recht?



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