Kostenlose Filmdownloads Anklage belastet Megaupload-Macher schwer

175 Millionen Dollar Einnahmen, mehr als tausend Server in Nordamerika - die Anklage gegen Megaupload zeigt, wie beliebt die Web-Plattform war. E-Mails belasten die Beteiligten schwer. Ihnen soll klar gewesen sein, dass die Nutzer vor allem wegen der Raubkopien kamen. Nun drohen lange Haftstrafen.
Megaupload-Seite: 25 Petabyte Speicherplatz bei einem US-Internetprovider

Megaupload-Seite: 25 Petabyte Speicherplatz bei einem US-Internetprovider

Hamburg - Die US-Fahnder waren gut darüber informiert, welche Luxusgüter der in Kiel als Kim Schmitz geborene Kim Dotcom und die anderen Angeklagten im Fall Megaupload besaßen. Die 72-seitige Klageschrift zählt detailliert auf, welche Luxusautos ihnen gehörten, zum Beispiel ein Maserati Gran Cabrio und ein Rolls-Royce Phantom mit dem Kennzeichen "GOD".

Die US-Staatsanwälte werfen Kim Dotcom und sechs weiteren Beteiligten vor, eine kriminelle Organisation gegründet und in großem Stil Urheberrechte zum eigenen Profit verletzt zu haben. In der Nacht zum Freitag deutscher Zeit rückten in acht Staaten Polizisten aus, um 20 Durchsuchungsbeschlüsse zu vollstrecken. Laut FBI wurden dabei Vermögenswerte im Gesamtwert von etwa 50 Millionen Dollar beschlagnahmt. In Neuseeland verhafteten Polizisten den Megaupload-Gründer Kim Dotcom und drei weitere Angeklagte.

Zwei der nun in Auckland Festgenommenen sollen eigentlich in Deutschland wohnhaft sein. Auch hierzulande haben Ermittler den US-Kollegen geholfen. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main bestätigt einen Rechtshilfevorgang.

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Online-Speicher: So warb Megaupload

Die Details der Klageschrift zeigen, dass die Ermittler sehr genaue Einblicke in die Geschäftstätigkeit des weltweiten Firmengeflechts (Hongkong, Philippinen, Singapur, Shanghai, Neuseeland) um Megaupload haben. Die Ermittler hatten unter anderem Zugriff auf den E-Mail-Verkehr der Angeklagten. Sie kennen die Inhaber von Firmen auf den British Virgin Islands und können Geldbewegungen nachvollziehen. Sie wissen sogar, dass einer der Angeklagten eine "Predator"-Statue besaß und sie kennen die Seriennummern von Kameras aus dem Besitz der Megaupload-Macher.

Doch was noch wichtiger ist, sind die Zahlen aus der Klageschrift. Sie veranschaulichen, wie groß und beliebt das Angebot des Filehosters Megaupload war:

  • Das Firmengeflecht soll 25 Petabyte Speicherplatz bei einem US-Internetprovider gemietet haben, um die von Nutzern hochgeladenen Daten zum Download bereitzuhalten.
  • In Nordamerika sollen 1000 Server exklusiv für die Web-Angebote angemietet worden sein.
  • Der Finanzdienstleister Paypal soll innerhalb von fünf Jahren mehr als 110 Millionen Dollar an Zahlungen an das Firmengeflecht abgewickelt haben. Dabei soll es sich vor allem um Abo-Gebühren von Nutzern handeln, die erweiterten Zugriff auf den Datenfundus der Mega-Server haben wollten. Insgesamt sollen die Mega-Macher laut Anklage 150 Millionen Dollar an Abo-Gebühren und 25 Millionen Dollar an Werbegeldern eingenommen haben.
  • 65 Millionen Dollar soll das Firmengeflecht seit 2006 an Internetprovider gezahlt haben - die heruntergeladenen Datenmengen waren enorm. Kein Wunder, 50 Millionen Menschen nutzten laut Eigenwerbung täglich Megaupload.

Waren Raubkopien die Regel oder Einzelfälle?

Was hat all diese Menschen auf die Seiten von Megaupload gelockt? In den Top-100-Ranglisten der meistaufgerufenen Videos und Dateien auf Seiten von Megaupload (Downloads) und Megavideo (Streaming) fanden Surfer immer nur legale Dateien. Doch wenn man auf einschlägigen, vom Mega-Angebot unabhängigen Verzeichnissen für raubkopierte Filme und Serien nach aktuellen Titeln suchte, führte ein Weg oft zu Megaupload oder Megavideo.

Mitte Dezember konnten Nutzer bei Megaupload zum Beispiel kostenlos, sofort und illegal aktuelle Kinofilme wie "Der gestiefelte Kater" oder "Die Abenteuer von Tim und Struppi" abrufen. Raubkopien waren offenbar im Repertoire, man konnte nur nicht unmittelbar bei Megaupload danach suchen.

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Megaupload: Der Millionär und sein Fuhrpark

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Nach Darstellung der Mega-Macher waren das bedauerliche Einzelfälle. Megaupload behauptete auf der eigenen Website, man respektiere internationale Copyright-Abkommen und arbeite mit Rechteinhabern zusammen. Tatsächlich gab es auf den Seiten von Megaupload und Megavideo Formulare, mit denen Urheber rechtswidrig veröffentlichte Inhalte melden konnten. Tatsächlich wurden auch Inhalte gesperrt.

Die Klageschrift wirft den Mega-Machern hingegen vor, dass sie sich immer im Klaren darüber waren, dass die überwiegende Mehrheit der Nutzer auf die Angebote zurückgreife und für Premiumdienste zahle, um Zugriff auf Raubkopien von Kinofilmen, Fernsehserien, Musikalben und aktueller Software zu erlangen.

Als Belege dafür führt die Anklage unter anderem an:

  • Beschwerden über Raubkopien im Megaupload-Angebot führten nicht dazu, dass die Inhalte entfernt wurden. Tatsächlich sei nur der jeweils konkret beanstandete Link deaktiviert worden, obwohl eine Vielzahl unterschiedlicher Verweise zu derselben Datei geführt hätte. Die Megaupload-Datenbank sei so angelegt worden, dass eine Signatur jeder hochgeladenen Datei erstellt wurde, um Duplikate zu verhindern.
  • In mehreren Fällen sollen die Beschuldigten selbst Raubkopien von Filmen oder Musikalben hochgeladen haben.
  • In E-Mails diskutieren die Beschuldigten über Nutzerbeschwerden, wonach Ton und Bild in einigen Raubkopien von US-Fernsehserien nicht übereinstimmen. Die Reaktion aus dem Mega-Management auf diese Nutzerklagen war laut Klageschrift: "Wir müssen das so schnell es geht lösen!"
  • In mehreren E-Mails diskutierten die Mega-Manager, wie man der Beschlagnahmung von Domain-Namen wegen Urheberrechtsverletzungen entgehen könne: "Sollen wir nach Kanada oder sogar Hongkong wechseln?"
  • Das Mega-Firmengeflecht soll "mehrere Millionen Dollar" an Personen gezahlt haben, die bestimmte Inhalte bereitstellten.
  • Das Firmengeflecht soll zeitweise Geldprämien an Nutzer gezahlt haben, die Links auf Raubkopie-Suchseiten platzierten. Aus den E-Mails geht demnach hervor, dass man sich klar darüber war, dass ein Großteil der Zugriffe auf die Seite von Raubkopieverzeichnissen kam.

Die amerikanischen Behörden haben die Auslieferung der in Neuseeland Verhafteten beantragt. Dieses Vorgehen ist mittlerweile typisch bei US-Verfahren wegen Urheberrechtsverstößen: In Großbritannien versuchen die Fahnder derzeit vor Gericht sogar die Auslieferung eines britischen Studenten zu erreichen. Der 23-jährige Richard O'Dwyer aus Sheffield hatte eine Website mit Links zu Streams aktueller Kinofilme und Fernsehserien betrieben.

Ob seine Linksammlung in Großbritannien strafbar ist, ist unklar. In einem vergleichbaren Fall wurde der Betreiber der Linksammlung TV-Links von einem britischen Gericht freigesprochen. Eine US-Behörde will O'Dwyer ausliefern lassen, damit sein Fall vor einem US-Gericht nach US-Recht verhandelt werden kann, wo ihm eine mehrjährige Haftstrafe drohen würde.

Laut FBI drohen den Mega-Machern in den Vereinigten Staaten bei einer Verurteilung mehr als 50 Jahre Haft, sollten sie in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zur Höchststrafe verurteilt werden.

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