Kostenloses IPTV und Europa Beginn der TV-Sendepause

Das Videoportal Hulu von NBC und Fox ist online - mit TV-Streams aktueller Top-Serien. Damit beginnt die Zeit des kostenlosen, frei verteilten Web-TV direkt ab Produzent. Wie üblich aber müssen Europäer draußen bleiben. Wir sollten uns schon einmal daran gewöhnen.

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Hulu, das im März 2007 angekündigte gemeinsame Videoportal der US-Fernsehsender Fox und NBC, nahm am Montagabend seinen Betrieb auf. In den USA ist das eine durchaus große Nachricht: IPTV gilt dort schon jetzt als heftig umkämpfter Markt, und Hulu ist die erste ernstzunehmende Antwort der etablierten Sender auf die populären Start-ups aus der Web-Szene. Hulu, meldete darum wohl auch die Nachrichtenagentur Reuters fälschlich, gehe als "Alternative zu YouTube" an den Start.

Hulu-Videoangebot: Wie Fernsehen mit Werbepausen, aber alles on demand
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Hulu-Videoangebot: Wie Fernsehen mit Werbepausen, aber alles on demand

Was für ein krasses Missverständnis. YouTube kennt zwar jeder, hat aber absolut nichts mit der Sache zu tun: YouTube ist unprofessionelles Laien- und Häppchen-TV, Hulu ist hoch aktuelles Video on demand.

Hulu wird in Stellung gebracht gegen Videoportale wie Ouou, Toudou, Dailymotion, Joox, Stage6 oder Veoh. Die werden zwar von Millionen genutzt, aber selbst von den Nutzern kaum wahrgenommen: Es sind Dienste, bei denen man wie bei YouTube Videos hinterlegen kann, die aber bisher einer weniger rigiden Kontrolle unterliegen. Also schaufeln die lieben Nutzer so viel TV-Inhalte und Filme darauf, wie es geht.

Erschlossen werden diese unlizenzierten Programmbestände über TV- und Filmlink-Sammelseiten wie OVGuide, Nabolister, Peekvid, Openflv oder - bis vergangene Woche - vor allem von TV-Links. Kommerziell konkurrieren sie mit den Videoportalen anderer Sender oder derer Koop-Partner. Hulu und YouTube haben also in etwa soviel gemein wie ein Regionalbahnhof mit einer Skateboard-Bahn.

Je illegaler, desto erfolgreicher

Denn Internet-TV gibt es in drei großen Varianten. Die eine kennen wir alle aus der Werbung: Es sind die IPTV-, Video-on-demand- oder Triple-Play-Angebote der Telekommunikationsfirmen wie T-Online-Vision der Telekom oder maxdome von ProSiebenSat.1 und United Internet.

Letztlich bieten sie Alternativen zum Kabelfernsehen und kombinieren das mit Online-Videotheken. Sie sind legal, kostenpflichtig und geben keine Auskunft darüber, wie viele Abonnenten sie bisher gewinnen konnten. Das liegt wahrscheinlich nicht an übergroßer Bescheidenheit, sondern eher am Schamgefühl.

Die andere Variante wird inzwischen wohl von den meisten Internet-Nutzern genutzt. Es sind die YouTubes und MyVideos dieser Welt, die vor allem ein Kontrastprogramm aus geklauten Videohäppchen, Heimvideos und selbst produzierten Clips bieten. Die Presse liebt sie wegen all der Skurrilitäten, die man dort findet, das herkömmliche Fernsehen liebt sie, weil man sich dort billig kleine Trash-Formate zusammenklauen und es als Kreativität verkaufen kann.

Community-aktive Webnutzer wiederum lieben sie, weil sie den Rohstoff für in Profilseiten eingebundene Videoclips liefern. Sie leben von eingeschworenen Hardcore-Nutzern meist pubertären Alters und der Hoffnung, dass sich nicht zu schnell herumspricht, dass sie ihre besten Zeiten bereits hinter sich haben.

Und dann gibt es Fernsehen im Netz - überall und jederzeit, in Qualitäten von YouTube - also schlecht - bis absolute Spitze. Das ist das Web-TV, an dem inzwischen wohl die meisten Nutzer ihre Freude haben - bisher zumindest.

Denn diese Konkurrenz ist in den Augen der Entertainment-Branche das Gefährlichste, was das Internet seit Napster und P2P hervorgebracht hat. Ihre erste Antwort darauf bestand aus ersten Klagen und Razzien einerseits - und Hulu andererseits.

Ergo: Hauptsache kostenlos

Die gemeinsame Senderplattform, die Filme und Serienformate auch an Partner wie AOL, MSN, MySpace, Yahoo und Comcast liefern wird, konnte mittlerweile auch Sony und Metro-Goldwyn-Mayer als Content-Partner gewinnen. Sie alle haben vor, genau das zu tun, was bei Veoh, Stage6, Dailymotion und Co. durch die User geschieht: vollständige Videos im Web per Stream mit hoher Qualität zu verteilen. Und zwar in geregelten Bahnen und lizenziert, zugleich aber kostenfrei - und wie im klassischen Fernsehen durch Unterbrecherwerbung finanziert.

Eigentlich sind das gute Zeichen für die Fans des Web-TV, denn zeitweilig schien alles darauf hinzudeuten, dass sich die TV-Welt in eine Fee- oder Pay-TV-Welt einerseits, in eine so kosten- wie hirnlose Trash-TV-Welt andererseits entwickeln würde. Schon die Erstauswahl der Hulu-Programme verspricht aber nichts Schlechtes: Außer zahlreichen Klassikern finden sich auch neueste Blockbuster-Serien wie "Heroes" darunter.

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Seite 1
Reziprozität 08.01.2007
1.
---Zitat von sysop--- Das Fernsehen in den nächsten Jahrzehnten: Noch mehr Trash, Billig-Entertainment und Spiele? Oder zurück zu den Wurzeln, mit News, Dokumentationen und Information? Wie wird sich das Fernsehen entwickeln? ---Zitatende--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch....
Kritischer Leser, 08.01.2007
2. Flachsinn
---Zitat von Reziprozität--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch.... ---Zitatende--- Ich fürchte, das könnte stimmen. Aber es gibt ja immerhin DVD, Videokassetten und entsprechende Abspielgeräte und mancherorts auch noch Kinos. Nachrichten bekommt man auch im Radio oder aus der Zeitung. Oder man zahlt halt monatlich für einen gebührenpflichtigen Privatsender. Nicht ganz billig. Aber dafür bleiben einem dann auch Werbeblöcke oder gar Sendungsunterbrechungen weitgehend erspart. Zumindest in Frankreich. Nur: wacht man mal nächtens auf und findet den Schlaf so schnell nicht wieder, pfeift man eigentlich auch auf irgendein neuseeländisches Golfturnier. Ein Film wäre da irgendwie schon interessanter. Allerdings: mit Golf, zumal passiv, schläft man garantiert schnell ein. Vielleicht sollte ich mir mal einen Zweitfernseher fürs Schlafzimmer zulegen. Gesünder und effizienter als Schlaftabletten allemal. Und bequemer und erholsamer als der Schlaf auf dem Sofa.
SaT 08.01.2007
3. mehr Pluralismus
---Zitat von sysop--- Wie wird sich das Fernsehen entwickeln? ---Zitatende--- Es wird interaktiver werden und mit dem Internet eine Einheit bilden. Jeder kann dann mit relativ geringem Aufwand einen Fernsehkanal betreiben. Meine Hoffnung: das Monopol der jetzigen privaten und staatlichen Sender wird gebrochen. Zu einem Ereignis gibt es dann endlich mehrere Ansichten und auch aus heute vergessene Regionen wird berichtet. Natürlich besteht auch die Gefahr das Gerüchte in Umlauf kommen, das ist aber heute auch nicht anders. Es gibt dann aber wenigstens eine Interessantgruppe die Lügen als solche entlarven wollen und sich auch Gehör verschaffen können. Es gibt wohl einige die eine solche Entwicklung zu mehr Pluralismus mit allen Mitteln verhindern wollen.
WaR52 08.01.2007
4. Future TV
Flach, ziemlich flach... nein, fernsehen der Zukunft wird affengeil..... weil es das fersehen von heute nicht mehr gibt. die sendeanstalten werden in der bedeutungslosigkeit verschwunden sein. in jedem wohnzimmer steht ein terminal, von dem ich mir über internet, kabel, sat oder stromkreis einen anbieter aussuche, der das bietet was ich will. einschränkend sei zu sagen, das nonprofit organisationen auch dann nicht viel zu bieten haben werden, aber immerhin ein angebot stellen werden, damit die global player einen gegenpart haben. leider liegt der schwarze peter nicht nur bei den sendern. es muß sich niemand big brother ansehen, aber millionen sehen sich den schwachsinn an... was wollen wir also???
Besquare, 08.01.2007
5.
---Zitat von Reziprozität--- Flach, ziemlich flach... Sowohl hardware- als auch programmtechnisch.... ---Zitatende--- falsch! Bern das Brot ist Nachrichtensprecher und SpongeBob macht das Wetter, leider werden alle sagen, aber der mit der Klampfe macht die Börsen news, geht den Menschen eh nicht mehr drum was zu erfahren, sie wollen abgelenkt bleiben. tata
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