U2-Album als aufgezwungenes Geschenk Bono übernimmt »volle Verantwortung« für Apples Marketingflop

Wenige Unternehmen inszenieren sich und ihre Produkte so clever wie Apple. Doch im Jahr 2014 leistete sich der Konzern einen Fauxpas – auf Drängen von U2-Frontmann Bono, wie dieser in seiner Biografie betont.
Musiker Bono: »Ich übernehme die volle Verantwortung«

Musiker Bono: »Ich übernehme die volle Verantwortung«

Foto: Spencer Platt / AFP

Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul? Wie egal dieses Sprichwort vielen Menschen ist, zeigte sich eindrücklich im September 2014: Damals verschenkte Apple das neue Album »Songs of Innocence« der Stadionrocker von U2 an alle Nutzerinnen und Nutzer von iTunes, also an damals rund eine halbe Milliarde Menschen weltweit. Viele Fans der irischen Band freute das, im Netz jedoch regte sich auch massiver Protest. Manche Nutzer ärgerte es einfach, dass der iPhone-Konzern das Album ungefragt in ihre Musikbibliotheken lud. Ebenso gab es Kritik daran, dass die Musik direkt heruntergeladen wurde und wertvollen Speicherplatz belegte, sofern man in den iTunes-Einstellungen »Automatische Downloads« aktiviert hatte.

Apple, das mit der Band schon im Jahr 2006 einen »U2 iPod« auf den Markt gebracht hatte, sah sich gezwungen, auf die Beschwerden zu reagieren und schaltete eine Löschfunktion speziell für das U2-Album frei. Für Apple-Verhältnisse war es ein Marketing-Versagen epischen Ausmaßes.

Am 1. November bringt nun Bono eine Autobiografie auf den Markt – und geht darin auch auf den ungewöhnlichen Launch von »Songs of Innocence« ein. In einem Auszug, der dieses Wochenende im »Guardian« erschienen ist , betont der U2-Frontmann, die Aktion gehe nicht etwa auf Apple-Manager wie Tim Cook oder Eddy Cue oder seine Bandkollegen zurück. Er selbst übernehme die »volle Verantwortung« für die umstrittene Geschenkaktion.

»Ich dachte, wenn wir den Leuten unsere Musik näher bringen, würden sie vielleicht die Hand danach ausstrecken«, heißt es in Bonos Beitrag. »Das stimmte nicht ganz. Wie ein Witzbold in den sozialen Medien es ausdrückte: ›Ich bin heute Morgen aufgewacht und fand Bono in meiner Küche, er trank meinen Kaffee, trug meinen Morgenmantel und las meine Zeitung.‹ Oder, weniger freundlich: ›Das kostenlose U2-Album ist überteuert‹. Mea culpa.«

Kann so eine Aktion subversiv sein?

Bono deutet außerdem an, er habe die Aufregung im Netz unterschätzt. »Wir waren der Weihnachtsmann und hatten ein paar Ziegelsteine herausgeschlagen, als wir mit unserem Sack voller Lieder durch den Schornstein stiegen«, skizziert er den Blick seiner Band auf den Album-Launch. »Aber ziemlich schnell wurde uns klar, dass wir in eine ernsthafte Diskussion über den Zugang großer Techfirmen zu unserem Leben geraten waren. Der Teil von mir, der immer Punkrock sein wird, dachte, das sei genau das, was The Clash machen würden. Subversiv. Aber man kann kaum behaupten, dass etwas subversiv sei, wenn man mit einem Unternehmen arbeitet, das auf dem Weg ist, das größte der Welt zu werden.«

In seinem Buchauszug erklärt Bono auch, wie er Tim Cook davon überzeugte, U2 für das Album zu bezahlen, um es dann zu verschenken. »Irgendwas ist nicht richtig daran, eure Kunst kostenlos zu verteilen«, soll Cook zunächst skeptisch gewesen sein. »Und es geht hier nur um Leute, die U2 mögen?«

»Nun ja«, hat Bono darauf angeblich geantwortet. »Ich denke, wir sollten es an alle verschenken.« Es sei ja die Entscheidung der Nutzerinnen und Nutzer, ob sie sich das Album anhören wollten.

mbö
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