Krank Kim Schmitz kündigt Suizid an

Hund beißt Mann ist keine Nachricht. Deshalb lieben Medien den Megalomanen Kim Schmitz: Der produziert "Mann beißt Hund"-Meldungen am laufenden Meter. Jetzt dreht er anscheinend durch: Am Montag will er "diese Welt verlassen" - wegen seiner "Allergie gegen Deutschland".

Es gibt Meldungen, da zittern Otto-Normaljournalist die Finger. Es ist ein Märchen, das sich die schreibende Zunft keine Gedanken mache über Dinge wie Ethik, Mitleid, Verantwortung: Wir wissen, dass wir Nachrichten nicht nur berichten, sondern sie auch machen.

Manchmal ist das nicht so leicht. Konfrontiert mit wahrer Größe erstarren auch wir zögernd und voller Ehrfurcht - zum Beispiel vor dem Genie des Kim Schmitz. Der mag Probleme pekuniärer Natur haben, vielleicht auch mit der Verständnislosigkeit bitterböser Fahnder. Aber er leidet auch, und er leidet nicht zuletzt an uns, den Medienmachern, von denen er sagt, dass sie Anteil hätten an seinem bedauernswerten Entschluss, sich der Steuerfahndung zu entziehen: "Weil die Dummheit deutscher Journalisten noch unendlicher ist als das Universum".

Dabei kann er ohne uns gar nicht sein. Hand aufs Herz: Wer würde sich für einen Möchtegern-Hackerkönig interessieren, wenn wir auf seine Marotten "hereinfallend" ihm nicht ständig Öffentlichkeit bieten würden?

Wieder ein unverantwortliches Statement, denn was wäre, wenn der Megalomane einmal, nur dieses eine Mal, wirklich Ernst zu nehmen wäre? Für Montag kündigt Kim Schmitz seinen Übertritt in "eine neue Welt" an. Die entsprechende Mitteilung ist einem Grabstein zu entnehmen, der derzeit auf seiner Website prangt.

"Legends may sleep" steht da, "but they never die". Tatsächlich bleibt er so im Gespräch, obwohl er im Augenblick eigentlich und angeblich mit niemandem sprechen will - vor allem dann nicht, wenn ihm diese "jemande" Strafbefehle des Münchner Landgerichts überbringen wollen.

Unverstanden ist er, der Kim "Kimble", nun auf der Flucht und damit seinem Spitznamen erstmals gerecht werdend. Zu Zeiten der Dot.com-Euphorie, heißt es, warfen ihm riskante Finanziers die Millionen nur so hinterher. Was für eine Tragödie, dass der Markt mittlerweile eingebrochen ist und Kim Schmitz so viel zu schnell die Mittel für seine Arbeit ausgingen: Die bestand wohl immer vor allem darin, mit seiner Yacht "Pardy" feiernd die Traumstrände der Welt abzuklappern.

Schon in dieser Zeit gingen Medien und Megalomane eine letztlich ungesunde Symbiose ein. In Ermangelung vorzeigbarer Arbeitsergebnisse und Bilanzen waren es vor allem die öffentlichen Selbstinszenierungen, die Kim Schmitz zu gewissem Ruhm verhalfen. Der "deutsche Großsteuerzahler" ernannte sich zum Star - und wir machten mit, irgendwie. Immer ironisch (denn wer hätte das alles je ernst nehmen können?), aber auch mit gewissem Respekt (denn welcher deutsche Unternehmer hätte es besser als Schmitz verstanden, auf der Klaviatur der Medien zu spielen?).

Schmitz machte Schlagzeilen der besonderen Art: Gut für unser Geschäft. Und noch besser für ihn, wie der Blick in die angeblichen Log-Statistiken der Website des selbst ernannten Hackerkönigs und IT-Sicherheitsexperten beweist. Die liegen dort völlig ungeschützt für jeden, der darauf kommt, das Wort "intern" hinter die Webadresse zu tippen. Wenn diese Statistiken falsch oder ein Scherz sind, dann wären sie ein ungewöhnlicher ehrlicher: Sie weisen aus, dass Kims Seite wirklich nur dann besucht wird, wenn jemand über ihn berichtet. In meldungsarmen Wochen weist seine Website schon mal bescheidene 22 Seitenaufrufe aus.

Jetzt, behauptet Schmitz, soll es sowieso vorbei sein mit der Öffentlichkeit, die ihn so ungerecht schmäht. Er bereite den Übergang in eine "neue Welt" vor, was auch immer das heißen mag. Am Montag, versichert er, werde er "sterben". Zu sehen auf seiner Website, "live and for free".

Das, Herr Schmitz, ist krank.

Und so sehr wir Medienmacher seine Eulenspiegeleien in den letzten Jahren goutiert haben, drücken wir nun den Steuerfahndern die Daumen, denen nun eine völlig neue Aufgabe zukommt: Nach dem, was "Kimble" in den letzten Wochen verzapft hat, braucht er vielleicht wirklich jemanden, der ihn vor sich selber schützt. Schmitz' Countdown läuft wirklich, der Spaß ist vorbei. In den letzten Wochen führte der Komiker unter den Dot.com-Unternehmern seinen pathetischen Fall auf. Jetzt wird er endgültig zum pathologischen Fall. Wenn das noch Humor ist, dann ist er Besorgnis erregend.

P.S.: Nach mindestens einer Woche "offen" im Web ist es Kim Schmitz inzwischen offenbar gelungen, seine internen Seiten aus dem Web zu nehmen.

Mehr lesen über