Fotostrecke

Crowdfunding: Der Traum vom Krautreporter-Magazin

Krautreporter Leser sollen neues Online-Magazin mit 900.000 Euro starten

Ein neues Online-Magazin will auf Werbung und kurze Mitteilungen verzichten und stattdessen auf ausführliche Texte setzen. Damit das Projekt im September starten kann, sollen 15.000 Abonnenten schon jetzt jeweils 60 Euro vorstrecken.

"Kot & Köter", eine Zeitschrift für Hundehasser, hat es dank Krautreporter  bereits geschafft. Auf der Webseite werben Journalisten um Unterstützer und Geld für ihre Ideen. Hundefeinde legten hier 7072 Euro zusammen, Wulf Beleites konnte sein Pamphlet drucken. 47 Projekte wurden über Krautreporter bereits finanziert, darunter eine Recherche über Landraub in Guinea und ein Buch über den Neuschwabenland-Mythos. Im Schnitt geht es um rund 4000 Euro.

Als nächstes soll nun Krautreporter selbst zum Online-Magazin werden, zur Plattform für ausgewählte Autoren, die dort ausführliche Geschichten schreiben. Dafür reichen ein paar Tausend Euro nicht mehr: Damit die Krautreporter im September starten können, sollen binnen vier Wochen mindestens 900.000 Euro gesammelt werden.

Das Online-Magazin ist eine Idee von Krautreporter-Gründer Sebastian Esser, von Philipp Schwörbel von den "Prenzlauer Berg Nachrichten" und von Alexander von Streit, dem ehemaligen Chef der deutschen "Wired". "Wir wollen nicht auf jedes Thema aufspringen, sondern ausgeruhten und sorgfältigen Journalismus machen", sagt von Streit. Reine Meinungstexte soll es nicht geben. Sie hoffen, dass 15.000 Nutzer dafür jeweils 60 Euro vorstrecken.

60 Euro im Jahr

Ihr großes Vorbild: "De Correspondent"  aus den Niederlanden, ein kostenpflichtiges Online-Magazin, das im vergangenen Jahr gegründet wurde. Mittlerweile 30.000 Abonnenten zahlen 60 Euro jährlich dafür, dass ihnen ausgewählte Korrespondenten regelmäßig die Welt erklären. Im Gegensatz zum Vorbild soll die multimediale Seite der Krautreporter für alle frei zugänglich sein, nicht nur für die Abonnenten. Jeden Tag wollen die Krautreporter drei bis vier neue Texte veröffentlichen.

Mit 25 Autoren soll das Krautreporter-Magazin starten, darunter sind der Netzversteher Richard Gutjahr, der Sportjournalist Jens Weinreich und Medienkritiker Stefan Niggemeier. Die Autoren, sechs davon sind Frauen, sollen Pauschalen von 2000 bis 2500 Euro monatlich bekommen. Ein Text pro Woche wird dafür erwartet.

Doch in den Niederlanden versteckt nicht nur "De Correnspondent" seine Inhalte hinter einer Bezahlschranke, auch viele große Zeitungen bitten ihre Leser im Internet für ausführliche Artikel zur Kasse. In Deutschland ist die Situation etwas anders: Hier gibt es große Online-Redaktionen, die eigene Korrespondenten beschäftigen, und Texte aus Zeitungen und Magazinen werden oft zeitlich verzögert auch im Web veröffentlicht.

Lange Lesestücke statt kleine Meldungen

Doch die Krautreporter haben Vorbehalte gegenüber werbefinanziertem Journalismus im Netz: Sie glauben, dass dort vor allem an Klicks gedacht wird und deswegen schnelle Meldungen überwiegen. Viele Leser fühlten sich nicht mehr gut informiert, meint Esser. Die sollen nun für die Krautreporter zahlen und dafür ein reines Online-Magazin bekommen.

Ähnlich denken auch die beiden Journalisten Denis Dilba und Georg Dahm, die gerade ein neues Wissenschaftsmagazin gründen, als exklusive App fürs Tablet. Werbefinanzierte Seiten "brauchen dauernd Klicks, und deswegen laufen da viele kleine Geschichte, die du schnell wieder vergisst", sagt Dilba. "Substanz" heißt ihr Projekt, für das sie ebenfalls im Internet Geld eingesammelt haben.

Ihr digitales Magazin hat sich bereits erfolgreich über eine Crowdfunding-Plattform finanziert. Rund 37.000 Euro haben Unterstützer den "Substanz"-Machern zugesagt. Auf der Krautreporter-Plattformen kamen bisher insgesamt rund 190.000 Euro für Projekte zusammen. Offenbar gibt es Bereitschaft dazu, für Journalismus Geld vorzustrecken. Der Finanzierungsbedarf des nun angekündigte Krautreporter-Magazins ist allerdings um ein Vielfaches höher.

"Wenigstens probiert"

Um mit den Online-Angeboten der Verlage konkurrieren zu können - der SPIEGEL hat beispielsweise rund 50.000 Digital-Abos - sollen die Krautreporter-Autoren besonders eng mit den Lesern zusammenarbeiten. So sollen zum Beispiel Beruf und Wohnort der Abonnenten abgefragt werden: "Wir wissen dann, wer unsere Leser sind und können sie bei Recherchen direkt ansprechen", sagt von Streit.

Ob genug Menschen bereit sind, für die prominenten Autoren, stärker personalisierte Leseraufrufe und das Versprechen ausgeruhter Texte 60 Euro zu zahlen, wissen die Krautreporter-Gründer schon in vier Wochen. Dann endet die Finanzierungsphase . "Und wenn nicht, dann haben wir es wenigsten probiert", sagt von Streit.