Kriminalstatistik Tatwerkzeug PC

Alle Jahre wieder zieht das Innenministerium Bilanz über das Verbrechen in Deutschland. "Schlüssel 8970" in der Kriminalstatistik 2001 hat es in sich: Die Zahl der Computerdelikte stieg in Jahresfrist um rund 40 Prozent.


Otto Schilys neueste Kriminalstatistik: Numerischer Beweis für die Realität der Bedrohung durch "Cybercrime"
DPA

Otto Schilys neueste Kriminalstatistik: Numerischer Beweis für die Realität der Bedrohung durch "Cybercrime"

Manchmal fällt es schwer, sich unter "Computerkriminalität" etwas vorzustellen. Von "Dateneinbrüchen" ist da die Rede, von Sabotage und Wirtschaftsspionage, von "Hacker-Terrorismus" und "Cyberkrieg" gar. Regelmäßig malen Sicherheitspolitiker Horrorszenarien an die Wand und warnen vor der wachsenden Bedrohung aus Cyberia.

Viele schütteln da den Kopf: Zu oft klingt das nach Panikmache, die nur darauf abzuzielen scheint, Freiheiten einzuschränken oder Etats zu ergattern. Doch Cyberkriminalität ist kein Gespenst, wie man der diesjährigen Kriminalstatistik für die Bundesrepublik Deutschland schwarz auf weiß entnehmen kann: Um satte 39,9 Prozent stieg die Zahl der registrierten Delikte auf 79.283 Fälle.

Die Bedrohung existiert also durchaus - auch, wenn die immer wieder beschworenen "Cyberterroristen" in der Statistik eine dermaßen kleine Minderheit darstellen, dass man sie schon fast unter Naturschutz stellen möchte: Sie verbergen sich irgendwo in den 862 Fällen von "Sabotage". Die bei weitem meisten davon jedoch dürften nichts anderes als Website-Defacements sein - was im Übrigen zeigt, dass die meisten Sabotageakte erst gar nicht angezeigt werden.

Alles Hysterie also? Beileibe nicht: Computerkriminalität kostet die Opfer richtig Geld. Das liegt nicht nur daran, dass fast 49.000 Fälle - also über 60 Prozent aller Delikte - nichts anderes sind als Scheck- und Bankkartenbetrug. Auf den eigentlichen Computerbetrug entfielen 17.310 Fälle, und wahrscheinlich betreffen auch diese vor allem "kleine Leute": So gehören Betrügereien zum Beispiel bei Online-Auktionen längst zum Alltag.

Ansonsten wird geschnüffelt, betrogen, raubkopiert und gefälscht, was das Zeug hält. Das Täterprofil, sagt auch das Bundesinnenministerium, ist auffällig jugendlich: Das gilt vor allem für die fast zehn Prozent der Gesamtdelikte, die man unter dem Oberbegriff "Zugangserschleichung" zusammenfassen könnte. Dahinter verbergen sich neben dem Hack eines kostenlosen AOL-, T-Online- oder sonstigen Internetzugangs auch die berüchtigten 0190-Betrügereien.

Die aber sind vor allem ein Phänomen dieses Jahres: Satte Zuwachsraten in diesem Segment in der Statistik für das nächste Jahr dürften also garantiert sein. Stolz war der Zuwachs schon in diesem Jahr: Bei einer Steigerungsrate von 265.7 Prozent gegenüber dem Vorjahr beginnt man zu verstehen, was die Sicherheitspolitiker in aller Welt zu ihren Bedrohungsszenarien inspiriert.



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