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»Krypto-Queen« Ruja Ignatova Weiteres Verfahren und Durchsuchungen wegen OneCoin-Milliardenbetrug

Seit Wochen wird öffentlich nach der »Krypto-Queen« Ruja Ignatova gefahndet. Die Ermittlungen im Hintergrund sind umfassender als bislang bekannt und betreffen auch ihren langjährigen Partner und Ehemann.
aus DER SPIEGEL 22/2022
Gesuchte »Krypto-Queen« Ignatova: Bislang 72 Hinweise

Gesuchte »Krypto-Queen« Ignatova: Bislang 72 Hinweise

Foto:

OneCoin

Seit wenigen Wochen ist der Milliardenbetrug rund um den OneCoin auch vielen ein Begriff, die seine Hochphase Mitte des vorigen Jahrzehnts gar nicht mitbekommen haben. Denn seither fahnden deutsche Behörden mit dem Foto der Mitgründerin und Frontfrau Ruja Ignatova öffentlich auf Werbeflächen in Bahnhöfen und Innenstädten. »Dr. Ruja«, wie sie von ihren Anhängern genannt wurde, ist nun eine der meistgesuchten Verdächtigen von Europol.

Nachdem die »Krypto-Queen« arglosen Anlegern online und bei Verkaufsveranstaltungen in aller Welt Schulungsunterlagen über ihren angeblichen »Bitcoin-Killer« verkauft und hohe Renditen versprochen hatte, war sie 2017 spurlos verschwunden. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort war Athen.

Aus: DER SPIEGEL 22/2022

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Die deutschen Ermittlungen im OneCoin-Komplex sind dabei umfassender als bislang bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt seit vorigem August auch gegen Ignatovas langjährigen Partner und Ehemann. Die Behörde bestätigt auf Anfrage ein Ermittlungsverfahren gegen »einen Rechtsanwalt aus Neu-Isenburg«, den sie der Geld­wäsche verdächtigt: Demnach soll Ignatova 2016 die Überweisung von 7,69 Millionen Euro, die mutmaßlich aus ihren Betrugsstraftaten stammten, auf eines seiner Privatkonten veranlasst haben.

Ermittler durchsuchten Ende Januar in einer groß angelegten Aktion bereits Wohnungen und Büros in Weilburg, Baden-Baden, Frankfurt am Main, Bad Homburg, Neu-Isenburg und Vaihingen. Man habe dabei Beweismittel und Vermögenswerte gesichert, die Ermittlungen seien aufwendig und würden voraussichtlich mehrere Monate dauern, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Der Beschuldigte ließ eine An­frage zu den Vorwürfen unbeantwortet.

Die in Bulgarien geborene Ignatova war als Teenager mit ihren Eltern nach Schramberg im Schwarzwald gekommen und hat in Konstanz in Rechtswissenschaften promoviert, mittlerweile ist sie deutsche Staatsbürgerin. 2014 gründete sie OneCoin zusammen mit einem Geschäftspartner, sie vermarkteten ihr Projekt als angeblichen »Bitcoin-Killer« und die »Zukunft des Geldes«. E-Mails zwischen den beiden aus dem Gründungsjahr legen nahe, dass das Projekt von Beginn an als Betrug angelegt war. Als »Exit-Strategie« diskutierten sie demnach schon damals, mit dem Geld zu verschwinden und die Schuld auf andere zu schieben.

Onecoin-Verfahren in Münster droht zu platzen

Die Aufarbeitung des Falles beschäftigt Ermittler und Gerichte in zahlreichen Ländern. Ignatovas Bruder Konstantin, der nach ihrem Verschwinden zeitweise eine Führungsrolle übernommen hatte, wurde 2019 bei einem Einreiseversuch in die USA auf dem Flughafen von Los Angeles festgenommen. Er sagte zwischenzeitlich in einem Verfahren gegen einen weiteren Beschuldigten ausführlich aus und bekannte sich selbst des Betrugs und der Geldwäsche für schuldig.

In Deutschland laufen die Hauptermittlungen gegen OneCoin-Beteiligte bei der Staatsanwaltschaft Bielefeld. Im September begann in Münster ein Verfahren gegen drei Angeklagte, darunter ein Ehepaar, das zeitweise als OneCoin-Vertriebsorganisation in Deutschland agierte. Nach Angaben der ermittelnden Staatsanwälte sollen allein zwischen Dezember 2015 und Spätsommer 2016 über sie 320 Millionen Euro an Ignatovas Organisation geflossen sein. Auf Basis einer Analyse der Kontonummern gehen die Ermittler davon aus, dass allein in diesem Zeitraum mehr als 20.000 OneCoin-Investoren aus Deutschland kamen. Weltweit sollen die Schäden für geprellte Anleger bei mehreren Milliarden Dollar liegen.

Das Verfahren in Münster steht indes unter keinem guten Stern. Zuletzt waren aufgrund von Erkrankungen verschiedener Prozessbeteiligter zahlreiche Termine ausgefallen, nun könnte es dem ermittelnden Staatsanwalt in Bielefeld zufolge wegen des Ausfalls einer Schöffin komplett platzen. Auch die Öffentlichkeitsfahndung nach der »Krypto-Queen« hat offenbar noch keinen Durchbruch gebracht. Bislang seien 72 Hinweise eingegangen, heißt es in Bielefeld.

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